Der Glockenturm

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Red

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Re: Der Glockenturm

from Red on 05/29/2016 05:18 PM

Dann hör einfach auf damit. Manchmal fragte ich mich, ob es für die anderen Menschen auf dieser Erde so einfach war. Man konnte Hass nicht einfach abstellen, zumindest ich nicht. Die Anderen sicher auch nicht. Irgendetwas musste doch da sein, dass sie zu ihren Dummheiten und Ausrastern verleitete. Sie konnten es nicht wollen, in dem Moment vielleicht schon.. Ich hatte angefangen Gray zu hassen ohne etwas dafür zu tun, es war einfach da gewesen, wie ein böser Ausschlag gegen den ich die richtige Salbe nicht fand. Manche Gefühle kamen wohl einfach und gingen wie sie wollten. Zugegebener Maßen bei anderen mehr als bei mir, aber so lief es doch, oder?
Auf seinen Kommentar zu meiner reinen Information erwiderte ich allerdings gar nichts, ich hatte nicht einmal auf seine Antwort gewartet, sondern war weiter die Stufen der Wendeltreppe hinab gestiegen. Was sich jetzt bemerkbar machte indem ich ihn von Bodenhöhe aus durch das ziselierte Geländer hindurch ansah. Baxter. - Wir könnten es ihm jetzt sagen. - Warum sollte ich das tun? - Es würden ihn schmerzen. - Es würde ihm das Herz brechen. - Was interessiert uns das?
Fast drei Jahre war es jetzt her, dass der Riese von einem Hund einen friedlichen Tod gestorben war. Und bis heute hatte ich es Gray nicht gesagt. Jedes Mal wenn er fragte winkte ich ab, nickte oder ließ mir etwas einfallen, um ihn mit seiner Bitte dumm dastehen zu lassen. Als Baxter gestorben war hatte ich nichts gefühlt, nichts Konkretes gedacht. Aber ich wusste, dass Gray genauso oft an die heimlichen, kleinen Streifzüge mit dem tapsigen Welpen zurück dachte wie ich. Das waren die Momente in denen ich in seinen Augen so etwas wie Vermissen lesen konnte. Wenn ich ihm sagte, was war... würde das verschwinden. 
"Er wird mit Grandame am Meer sein.... aber.. ich werde sie danach fragen.", log ich so bravourös, dass es wohl nicht einmal dem Herrgott aufgefallen wäre. Für den Bruchteil einer Sekunde senkte ich den Blick als Gray zu mir hinüber sah. - Haben wir etwa ein schlechtes Gewissen? - Ich wüsste nicht warum. - Dass wir lügen? - Ich lüge, damit irgendetwas bleibt. - Wir belügen uns selbst, es wird immer schöner.
"Ich weiß, dass es Welpen gibt.", fügte ich bei, auch, wenn ich wusste, dass es nicht Baxters Kinder, sondern Enkel waren. Das musste Gray ja aber nicht wissen. "Ein Haufen unkoordinierter Leonberger-Welpen. Willst du einen?"
Reichlich nebensächlich zuckte ich mit den Schultern und sah meinen Bruder gleichgültig an. Was mich zu diesem Angebot verleitete, das sollte der Teufel wissen. Vielleicht dieser Blick, den er aufgesetzt hatte. Er erinnerte mich an etwas. Nur an was? Ich bekam es einfach nicht zu fassen. 

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Gray
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Re: Der Glockenturm

from Gray on 06/01/2016 10:57 PM

"Danke." Es fiel mir nicht schwer, diese Floskel über die Lippen zu bringen, auch, wenn ich etwas anderes erwartet hatte. Es war einfach wie es war: ich war ihm dankbar dafür, dass er diese Kleinigkeit, von der wir beide wussten, dass sie keine war, immer noch für mich tat, nach allem was war. Baxter war nicht bloß der Hund, für den ich gestorben wäre, mit 11 Jahren, er war auch immer noch eines der Dinge, die Red an Zeiten erinnern mussten, die wir beide so gut verdrängten, wie es ging.
Manchmal fragte ich, ob er das überhaupt noch tat. Tat es ihm überhaupt weh, an das zu denken, was wir nicht mehr hatten? Hinter seinem Blick lag so viel, was ich nicht verstand, dass ich Angst hatte, darüber nachzudenken, weil es mich so sehr frustrierte. Wer wusste schon, was Red im Kopf hatte. Jedenfalls keine besonders tiefgehenden brüderlichen Gefühle, so wie es aussah.
Was ist Baxter dann?
Ich ignorierte die Frage, die sich mir aufdrängte und sah ihn eine Weile an.
Es gab Welpen.
Kurz dachte ich daran, wie es gewesen war, mit dem kleinen Ball aus Plüsch durch die Wiesen zu tollen, die pure Lebensfreude und Energie in den großen Knopfaugen zu sehen, sobald sie ein Stöckchen erblickten und das Gefühl, Baxter nachts heimlich in seiner Hütte zu besuchen, um mich neben ihn zu legen und ihn in den Schlaf zu kraulen.
Er hatte mich immer erkannt, auch, wenn ich monatelang nicht da gewesen war. Einmal war er mir nach gelaufen, als die Schule wieder angefangen hatte. Es hatte Tage gebraucht, bis sie ihn wieder an der Kette gehabt hatten und danach waren seine Knochenprobleme schlimmer geworden, aber es hatte immer noch für ein liebevolles Schlecken meiner Hände gereicht, wenn ich vorbei gekommen war.
Ob ich das nochmal wollte?
"Nein", erwiderte ich und schüttelte langsam den Kopf. "Nett, dass du fragst, aber... nein. Hier sind doch eh keine Hunde erlaubt."
Ich schlug den Blick nieder, während alles in mir schrie. Natürlich wollte ich einen Baxter. Einen, der nicht damit verbunden war, sich Nellys Hass und den Demütigungen auszusetzen. Er hatte es so viel erträglicher gemacht, all die Jahre.
Ich sah auf und in meinem Blick spiegelte sich ehrliche Dankbarkeit. Red war immer noch mein Bruder. Und irgendwo wusste ich, dass er nichts dafür konnte, was ihm von seiner Familie eingeprügelt wurde. Es war nicht er. Es war sein Blut. Nicht meins - seins.
"Mach's gut", meinte ich, dann wandte ich mich ab, bevor ich zu sentimental wurde. Das war ja schrecklich, heute. 

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Red

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Re: Der Glockenturm

from Red on 06/01/2016 11:44 PM

Gefühle. Er hatte Gefühl in der Stimme, im Blick, in den Bewegungen. Und es war kein Hass oder Ärger oder Verachtung. Nur Dank. Er konnte das so leicht, dass man ihn lieben musste. Nur warum konnte ich es nicht? Selbst wenn ich ihm etwas anbot, das... für ihn war, von mir, vielleicht nach "vom Herzen" aussah; nichts entstand. Nichts blühte. Nichts tauchte plötzlich auf. Was war so abgrundtief falsch mit mir? - Alles? - Warum? - Da müssen wir einen Psychiater fragen. - Niemals. - Irgendwann wird es soweit kommen. - Lieber werfe ich mich von diesem Turm. - Auch eine Möglichkeit.
Doch zu dem was er sagte war nichts hinzu zu fügen, so oder so. Wenn er die Welpen nicht wollte, dann sei es drum. Er wollte viele Dinge nicht. Ich scherte mich nicht weiter darum, auch wenn ich zugeben musste, dass irgendetwas in mir kurz aufflackerte als er ablehnte. Nur was, das ließ sich nicht ergründen. Er wollte die lebendige Erinnerung an Baxter nicht. Die lebendige Erinnerung an Zeiten, die wir... uns noch gemocht hatten. Auf seltsame Weise tat es weh es zu hören, zu wissen. Aber es sorgte zumindest dafür, dass die Wut zurückkehrte; das Gefühl mit dem ich mich am besten auskannte.
Lange Zeit sah ich ihn einfach nur an, wie immer, kurz bevor ich ging. Weil ich im Gedächtnis behalten wollte wie er aussah. Allzu oft sprachen wir nun einmal nicht miteinander. Aber das war gut so, es hätte nur in Streit geendet. Oder Schlimmerem. Blutigerem. - Eines Tages schlagen wir ihn tot, das ist uns klar. - Ja. - Warum geben wir es dann nicht zu? - ...
"Vergiss nicht Mutter für die Scones zu danken.", war alles was ich hervor brachte. Dann wandte ich mich ab und verließ diesen gottverdammten Turm.


~ THREAD FREI ~ 

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