Im Wahrsageturm

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Anjali
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Re: Im Wahrsageturm

from Anjali on 10/08/2016 10:43 PM

"Nur noch ein bisschen, jaaaaa, das sieht doch gut aus!", murmelte ich mir zu und holte schon die ersten Flammen zurück in die Kohleschalen. Die würden heute nicht mehr gebraucht, die großen Sachen waren trocken. Immerhin das schon mal geschafft. Im Augenwinkel sah ich wie sich etwas bewegte... und plötzlich ein Schrei. Erschrocken hielt ich alle Flämmchen an genau dem Ort fest an dem sie gerade waren und starrte zur Tür. Zum zweiten Mal heute wie ein angefahrenes Reh. Und schon wieder zum gleichen Mann. Und neben ihm tanzte ein Flämmchen frech auf ihn zu.
Schnell wie ein Peitschenschlag hob ich den Finger und rief: "KEINE BEWEGUNG!" - Und tatsächlich blieb das Flämmchen gerade weit genug von Gandolf Haar entfernt still schweben. Wie Mutter Gans winkte ich mein kleines Repertoire zurück zu den Kerzen, während ich zu meinem Gastgeber hinüber stolzierte. "Husch, husch, ins Bettchen mit euch! Ihr habt das toll gemacht. Nicht übermütig werden, du, ich seh dich, hörst du? Ab mit dir, sonst hol ich den Hochdruckreiniger!"
Und hätte es jetzt noch ein Kinderlachen gegeben hätte man meinen können, ich redete wirklich mit lebendigen Dingen. Zumindest tanzten die Flämmchen zu ihren Kerzen und blieben dort auch wie festgeklebt hängen.

Bei Gandolf angekommen nahm ich ihm schnell die Teekanne ab und stellte sie beiseite auf einen der nunmehr trockenen Tische. "Zeig mir das mal.", meinte ich sanft und fasste vorsichtig seine Hand um mir das genauer anzusehen. "Du hast dich verbrüht...", flüsterte ich besorgt und sah schuldbewusst zu ihm hoch. "Das tut mir schrecklich leid, ich muss noch irgendwo Brandsalbe haben, warte..!"
Und schon hopste ich los und kramte wieder in meiner Tasche. "In meinem Unterricht verbrennen sich dauernd Kinder! Das ist nicht so schlimm!", rief ich ihm über die Schulter zu, obwohl es mich mitnahm, dass ihm das passiert war. Wahrscheinlich hatte irgendeine meiner Flammen ihn erschreckt, weil ich wieder nicht aufgepasst hatte! Bei Ganesha! Dass ich sowas aber auch nicht gebacken bekam! Und wo war die verdammte Brandsalbe?! "AHA!", rief ich triumphierend und riss den Arm mit der Salbe in die Höhe.

Ich zog ihn zu einem der Schülertische und nötigte ihn sich hinzusetzen, bevor ich ganz behutsam die Creme, die nach Koriander roch auf die Stelle an seiner Hand rieb. 
"Sie machen übrigens nicht mehr Mist.", sagte ich plötzlich, weil ich mich daran erinnerte. Amüsiert blitzte ich zu ihm hinüber. "Die Kühe, meine ich. Nur.. ihr Mist ist heiliger.", und lachte wieder, bevor ich mir den Rest der Creme über die eigenen Finger rieb. "Das mit deinen Großeltern... es tut mir leid. Sie klingen als wären sie tolle Menschen gewesen.", gab ich noch ehrlich zu. Familie war wichtig... so verrückt man war, man brauchte sie. Und sie liebten einen. Egal was war.

Ich goß uns Tee ein und blinzelte betreten auf Gandolfs Hand. "Ist es schon etwas besser?"
 

//Ist doch nicht schlimm! XDDD  //

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Gandolf
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Re: Im Wahrsageturm

from Gandolf on 10/10/2016 12:51 PM

Ich lebte zwar schon wirklich lange in der magischen Welt, genauer gesagt seit meiner Geburt, und doch war ich immer wieder sehr überrascht, was sie alles zu bieten hatte. Herumfliegende Flämmchen hatte ich wirklich noch nie gesehen.
Und irgendwie schien es zwischen uns zur Gewohnheit geworden zu sein, dass wir uns gegenseitig erschreckten. Ich musste mich wirklich sehr beherrschen nicht die Hände hochzuschmeißen und „Ich war's nicht!" zu schreien, oder gleich davonzulaufen. Aber ich packte es und blieb stehen. Obwohl ich kurzzeitig echt Angst um mein Leben hatte. Und um mein Haar, denn das Flämmchen war denen ein wenig zu nahe gekommen.
Und als sie dann in diesem strengen Ton mit ihren Flämmchen zu reden begann, als wären es kleine, unartige Kinder, war ich knapp davor, ihren Worten Folge zu leisten und auch „Husch-husch ins Körbchen" zu machen. Die Autorität in ihrer Stimme verwirrte mich wirklich. Ich konnte mir schon sehr gut vorstellen, dass eine sehr interessante Persönlichkeit in dieser kleinen Person vor mir versteckt war. Trotzdem war ich doch ein wenig froh, dass die Feuerflämmchen wieder an ihrem Platz bei den Kerzen waren und nicht im Raum herumschwebten. Es war zwar sehr spektakulär anzusehen gewesen, andererseits war Feuer... Eben Feuer. Und das war heiß. Und ich hatte mir die Hand verbrüht wegen dem Feuer.

„Ist nichts passiert, nur ein bisschen heißer Tee", versuchte ich mich rauszureden, aber meine Hand sah wirklich ein bisschen rot aus. Und bevor ich auch nur irgendwie reagieren konnte, hatte sie meine Hand genommen und ich fühlte ich mich in die Zeit meiner Kindheit zurückversetzt, wo ich mir nicht nur einmal irgendwelche heißen Substanzen über die Hand, den Fuß, das Gesicht, was eben gerade da war, geleert hatte und meine Mutter mir einen Keks gegeben hatte und ihre alles heilende Salbe draufgeschmiert hatte. Ich blieb einfach etwas überfordert stehen, als sie herumhopste und nach der Salbe suchte. „Das ist wirklich nicht nötig", sagte ich ein wenig unbehaglich. Man war mir das peinlich, dass ich mir die Hand mal wieder verbrannt hatte.

Aber ich ließ mir die Hand von ihr einreiben, wobei das Brennen gleich aufhörte. „Ziemliche Wundersalbe, die du da hast", sagte ich leicht verwundert. „Hast du die selbst gemacht?" Wenn ja würde sie mir das Rezept geben müssen.
„Nicht mehr Mist", fragte ich ein wenig enttäuscht. „Ich dachte, die machen mehr Mist und dass der heilig ist, ist doch klar. Es sind doch heilige Kühe!"
Auf das mit meinen Großeltern schüttelte ich bloß den Kopf. „Sie sind glücklich mitten auf einer Weltreise gestorben. Ist ein bisschen eine blöde Geschichte gewesen", erklärte ich. „Aber ja, sie waren toll. Sehr kreative Menschen."

Als die Sprache wieder auf meine Hand zu sprechen kam, blinzelte ich kurz. „Oh ja, alles bestens. Hab sogar schon vergessen gehabt, dass irgendwas passiert ist." Ich grinste sie an.

Reply Edited on 10/10/2016 12:51 PM.

Anjali
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Re: Im Wahrsageturm

from Anjali on 10/15/2016 07:18 PM

Als ich endlich mal in Ruhe und vor allem trocken neben Gandolf saß, ohne Herumgetanze und Regen oder Flämmchen, da sah ich ihn mir zum ersten Mal richtig genau an. Ja, von weitem hatte er was von einem seltsamen Indianer gehabt, aber jetzt, mit der verbrühten Hand und der riesigen, altmodischen Brille sah er richtig aus. Ich konnte mir richtig gut vorstellen wie er durch die Gegend zog und Leuten ihre Zukunft sagte. Denn er war der Wahrsagelehrer, oder hatte ich wieder irgendwas durcheinander gebracht?

"Heißer Tee ist ein Biest, glaub mir!", erwiderte ich und rümpfte kurz die Nase. Wenn ich mich an jedes Mal erinnerte, bei dem ich irgendwem den Tee über den Latz gekippt hatte.... ohje. Für einen Moment verbarg ich das Augendrehen hinter der Hand. "Auf dem Henna-Abend meiner Schwägerin hab ich ihr den Tee über die Hände gegossen.", begann ich zu erzählen. "Das ganze Mehndi war im Eimer. Du hättest erleben sollen, was DA los war! Bei Krishna, dass sie mich nicht gesteinigt haben war noch das Letzte!"
Und wieder verdrehte ich die Augen und wollte ihm gerade seine Teetasse reichen als mir klar wurde, dass das nach der Geschichte vielleicht nicht die beste Idee war. Ein wenig rot um die Nase lächelte ich und schob ihm die Tasse dann nur vorsichtig über den Tisch hin.

"Was? Die Salbe?!", fragte ich mit überrascht geweiteten Augen. Dann schnappte ich mir ein Ladoo und biss herzhaft hinein bevor ich lachend den Kopf schüttelte und abwehrend mit den eh schon putzmunteren Händen herumfuchtelte. "Nein, nein! Ich rühr nur immer Koriander rein, sonst stinkt's wie der heilige Kuhmist! Deutsche. Haben eben keine Nase." - Gewitzt wackelte ich mit dem Kopf und hielt mir spielerisch die Nase zu.

Bei seiner Geschichte über seine Großeltern wurde ich aber wieder still und hörte zu. Das klang nach einer sehr liebevollen Beziehung und das gefiel mir. Um ehrlich zu sein... hatte ich meine Großeltern schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen. Wie auch? Zurück nach Hause durfte ich ja nicht mehr.
"Ich bin immer offen für blöde Geschichten.", kicherte ich und machte es mir auf dem Sitzkissen bequem, nicht ohne es vorher drohend anzusehen. Noch einen Pupsscherz würde ich ihm nämlich nicht vergeben! 

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Gandolf
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Re: Im Wahrsageturm

from Gandolf on 10/20/2016 08:11 PM

Ich bemerkte, dass sie mich ansah und wusste nicht, wo ich genau hinschauen sollte. "Ist irgendwas? Hab ich was auf der Nase, oder so?", fragte ich etwas verwirrt. Nicht dass ich irgendwo einen Taschentuchfetzen kleben hatte, oder noch schlimmer Popel oder so. Oder ich hatte Ketchup oder so im Gesicht. Wär nicht das erst Mal.

"Wem sagst du das?", seufzte ich und betrachtete meine Hand. "Henna? Ich liebe Henna, du hast nicht zufällig welches dabei? Ich bin zwar nicht so begabt mit dem malen von dem Zeug, aber es sieht sehr schön aus", plapperte ich vor mich hin, obwohl das eigentlich gar nicht das Thema war.
"Was? Wirklich? Oh je das ist nicht gut, schade drum. Immer dieser böse Tee. Vielleicht sollte ich auf Kaffee umsteigen", überlegte ich laut.

"Koriander", überlegte ich. Ja, Koriander war gut. "Obwohl Kuhmist doch auch interessant ist. Und heiliger Kuhmist ist heilig, der kann gar nicht stinken, der... der duftet", schloss ich. Heilige Kühe gab es immer schon, in der griechischen Mythologie auch, da waren die sogar kirschrot, das nannte ich einmal fancy.
"Oder sie haben einfach einen sehr seltsamen Geruchssinn", fügte ich hinzu und lachte, wie sie da so mit dem Kopf wackelte und wieder einmal als menschliche Klingel funktionierte.

"Najaaa also meine Oma hat sich eingebildet, dass es eine gute Idee wäre, meinem Opa eine Götterspeise zu machen. Sie hat einen riesigen Topf gemacht und die dann auf den Tisch gestellt. Mein Opa ist rein gekommen und hat geglaubt, die Götterspeise sei ein Alien und hat einen Bombarda-Zauber verwendet, der leider nicht so gut ausgegangen ist. Für beide...", erzählte ich. So konnten auch nur  meine Großeltern sterben.

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Anjali
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Re: Im Wahrsageturm

from Anjali on 10/26/2016 03:17 PM

Auf der Nase? Ich blinzelte ihn groß an und versuchte irgendwie raus zu kriegen was er eigentlich meinte. Oi, ich hatte sicher wieder irgendetwas Dummes gesagt und es gar nicht bemerkt. Aber ich hatte doch gar nichts gesagt? Jetzt war ich vollauf verwirrt! Ich öffnete die Lippen um etwas zu sagen, aber... mir fiel nicht ein was ich hätte sagen sollen. Also saß ich da wie ein Karpfen, blinzelte perplex, öffnete und schloss dauernd die Lippen und verzog irgendwann sehr gelenkig grübelnd das Gesicht. Dabei vergaß ich komplett seine Frage! Bei Shiva, was hatte er gesagt? Nase? Nein, da war doch gar nichts.
"Ich finde, du hast eine ziemlich hübsche Nase!", protestierte ich urplötzlich und hoffte einfach mal, dass das die richtige Antwort war. "Sie ist gerade und nicht zu groß, es ist eine wunderhübsche Nase!"

Für einen Moment musste ich mir Gandolf in der Kleidung einer indischen Braut vorstellen, der man gerade das Mehndi malt und ehrlich gesagt - auch wenn es gemein war - ich konnte kaum an mich halten vor Lachen! Mit Nasenring und Kajal und in all dem klimpernden, rotgoldenen Stoff musste er zum Schreien aussehen! Und wenn er dann noch ganz züchtig und verschämt das Jawort gab...! Ich fiel oder vielmehr kugelte vor Lachen vom Sitzkissen. Das Bild war einfach zu lustig! Am liebsten hätte ich ihm hier und jetzt das Mehndi gemalt! 
Aber ich riss mich zusammen und wischte mir ein Lachtränchen aus dem Auge bevor ich den Kopf schüttelte. "Aber zum Weihnachtsball verspreche ich dir eines zu malen, ist das ein Deal? Wenn...", und hier setzte ich mich wieder auf und strich mir den Sari glatt. "Wenn du mir hilfst ein richtiges Kleid zu finden. Meine Schüler beschweren sich immer, ich wäre nicht westlich genug.", äffte ich sie nach. Und irgendwie... wollte ich dann doch mal beweisen wie Unrecht sie hatten. Aber bisher hatte ich das nie ernsthaft ins Auge gefasst. Und warum nicht dieser Gandolf? Er war lustig!

Aber das Lachen verschwand ziemlich schnell als er mir die Geschichte seiner Großeltern erzählte. Irgendwie war das traurig... es war lustig, irgendwo, aber.... Ich ließ den Blick sinken. Und war ziemlich still. Familie hatte mir immer sehr viel bedeutet und ich wusste wie es war jemanden zu verlieren. Egal wie, es war immer schwer. Und tat doch irgendwie weh. 
"Das tut mir leid. Wirklich.", sagte ich leise und sah ihn an. Das Lächeln war nicht wirklich so flipsig wie noch Minuten zuvor, aber mitfühlend und warm. "Wenn ich darf, dann hoffe ich, dass deine Großeltern als etwas Grandioses wiedergeboren werden. Vielleicht als heilige Kühe, die ihr ganzes Leben lang zufrieden und glücklich neben einander her trotten dürfen." 

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Gandolf
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Re: Im Wahrsageturm

from Gandolf on 10/26/2016 07:08 PM

Ich wartete darauf, dass sie was sagte, dass sie IRGENDWAS sagte, aber sie starrte mich nur auf eine sehr seltsame Art und Weise an. Und dann schloss und öffnete sie den Mund, als wolle sie ein Fisch sein.
"Hübsche Nase?", fragte ich irritiert. "Wunderhübsche Nase?", wiederholte ich und kam mir etwas dumm vor, weil ich alles wiederholte, was sie sagte, aber... WARUM redete sie von meiner Nase? Und wieso meinte sie, dass die hübsch wäre. Also ich hatte ja doch schon einiges gehört, aber meine Nase war nioch nie als "wunderhübsch" bezeichnet worden.
"Danke", sagte ich dann schließlich, als ich mich wieder gefangen hatte. "Also, ähm... Ich find ja deine auch nicht so übel", meinte ich schließlich. "Ist auch eine sehr hübsche Nase." Wieso genau waren wir jetzt also bei Nasengesprächen gelandet?

Ehrlich gesagt wusste ich absolut nicht, warum sie lachte. Hatte ich was Falsches gesagt? Aber es schien sie auf jeden Fall erheitert zu haben. Irgendwann lachte ich einfach mit, weil es so lustig aussah, wie sie sich im Sitzkissen zerkugelte. Bei mir hätte es vermutlich einfach nur bescheuert ausgesehen, weil ich viel zu groß war, aber bei ihr sah es niedlich aus. Und sie passte in das Sitzkissen.
"Oh jaaaa", sagte ich begeistert und klatschte in die Hände. "Wenn du willst, strick ich dir auch einen Schal zu Weihnachten dafür!"
Ein Kleid für sie finden? Ich und Kleider finden? "Naja also ich war schon sehr lange nicht mehr mit einer Frau Kleider suchen, ich bin da bestimmt nicht gut darin, aber wenn du willst, kann ich dir schon helfen. Oder es zumindest versuchen. Ich bin kein Experte." Wahrlich nicht.

Ich zuckte mit den Schultern. "Sie waren auf Urlaub in Afrika, dort wo sie schon immer hinwollten, also sind sie glücklich gestorben. Die Umstände hätten anders sein können, aber naja", ich seufzte. "Irgendwann holt es uns alle einmal ein, nicht wahr?" Wow heute mal wieder positiv...
Eine heilige Kuh. Die Vorstellung gefiel mir und ich musste lächeln. "Oh ja, das wäre schön. Ich hoffe es für sie. Oder als ein Löwe und eine Löwin. Meine Oma war ein riesen Fan von Löwen", erzählte ich. Aber Kühe wären natürlich friedlicher, das war klar.

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Anjali
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Re: Im Wahrsageturm

from Anjali on 11/01/2016 04:59 PM

Jetzt war Gandolf völlig überrascht! Ohje, das war es also nicht gewesen, was er gefragt hatte.. oder gesagt oder.. hatte er überhaupt irgendetwas gesagt? Ich hatte es vergessen. Verflixt und versemmelt nochmal, das war doch nicht zu fassen! Ein Goldfidsch hatte wahrscheinlich ein längeres Konzentrationsvermögen als ich! Aufgebracht schnipste ich in die Luft und zog eine Schmollschnute. Erst dann winkte ich ziemlich gestenreich ab. "Bitte, bitte, ich hab keine Ahnung!", warf ich in den Raum und lachte peinlich berührt.
Und schaute doch ganz verschämt als über meine Nase redete. Datschte darauf herum und verzog wieder das Gesicht weil klar war, dass er mich veräppeln wollte. "Neeeeeein!", widersprach ich und gab seinem Oberarme wieder einen dieser lockeren "Verarsch mich nicht"-Klapse. "Die ist viiiiiieeeel zu groß!"

Nach dem kleinen Lachanfall griff ich endlich einmal beherzt zu meiner Teetasse. Verspritzte dabei war etwas auf meinen Sari, aber nach dem Abend war das auch egal. Außerdem... war es mir gar nicht aufgefallen. Und deswegen süffelte ich ihn entspannt und gelassen und grinste Gandolf zwischendrin zufrieden an. "Gut, wir haben einen Deal!", freute ich mich und wackelte begeistert mit dem ganzen, klingelnden Kopf. Der sollte sich mal nicht so haben, ich hatte auch keine Ahnung von Abendkleidern, diesen stocksteifen Dingern in denen man sich vorkommen musste wie Kaiserin Sissi oder Jackie Kennedy. Um die hatte ich bisher einen großen Bogen gemacht. Und er musste das doch kennen und wenn ich so ein Teil anhatte und er sagte, das wäre hübsch, dann würde ich das kaufen und gut war. Das klang grandioser als ich vorher gedacht hatte! Mit großen, leuchtenden Scheinwerferaugen sah ich ihn deswegen plötzlich an. 

Löwen oder Kühe.. das war eine verdammt gute Frage! Aber wenn ich so darüber nachdachte, dann mussten sie ja schon wiedergeboren sein, oder... sie würden nochmal wiedergeboren! "Sie könnten beides sein!", schalmeite ich plötzlich aufgeregt und trank viel von meinem Tee ab. Nur einen Moment später schob ich Gandolf die Tasse hin und lehnte mich neugierig darüber. "Schau nach! Du siehst das doch bestimmt im Teesatz!", frohlockte ich wie ein kleines Kind - er war Wahrsagelehrer, oder?  

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Gandolf
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Re: Im Wahrsageturm

from Gandolf on 11/02/2016 03:15 PM

Ich wich vorsichtshalber ein wenig aus, als sie mir sehr weitreichend mitteilte, dass sie keine Ahnung habe. "Gut", meinte ich erleichtert und lachte. "Ich hab nämlich auch keine Ahnung."
Als sie dann aber meinte, ich würde sie verarschen riss ich die Augen auf und sagte: "Was? Nein, ich verarsche dich überhaupt nicht. Ich finde deine Nase genau passend. Die ist überhaupt nicht zu groß. Stell dir vor die wäre kleiner, da kann man überhaupt nicht gut Taschentücher verwenden, wenn man Schnupfen hat. Nein", sagte ich energisch. "Deine Nase ist perfekt." Punkt, aus, schluss.

"Okay wir haben einen Deal", sagte ich vorsichtig, weil ich nicht wirklich wusste, ob ich jetzt begeistert sein sollte, oder nicht. Eigentlich war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich der Richtige für Kleidersuchaktionen war. Am Ende ging sie vielleicht als Indianersquaw auf den Ball und ich war schuld. Nicht, dass ich was gegen Indianersquaws hatte, ganz im Gegenteil, ich hatte damals zu meiner Zeit bei den Indianern in Amerika viele kennengelernt. Das waren wirklich tolle Frauen. Meistens.
"Also... Teil mir dann halt irgendwie mit, wann du das machen willst", meint ich etwas unsicher. Das war doch kein Date, oder? Weil eigentlich könnte ich damit nicht wirklich umgehen, wenn es eines wäre.

Beides? Ich stellte mir meine Oma als Löwin und meinen Opa als Kuh vor, dann umgekehrt und dann eine Mischung. Alles wollte sich nicht richtig anfühlen in meinem Kopf.
Jetzt sollte ich den Teesatz lesen? Das machte ich normalerweise mit meinen Drittklässlern. Aber na gut. Ich zuckte mit den Schultern und betrachtete den Teesatz eingehend. "Also ich sehe... Ist das eine Fahne?" Ich drehte das Ding herum, aber ganz sicher war ich mir nicht. "Nein, ich sehe da drinnen nicht, ob sie Kühe oder Löwen oder beides sind, aber das da ist sicher eine Fahne", erklärte ich.
Nur was bedeutete eine Fahne eigentlich? 

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Anjali
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Re: Im Wahrsageturm

from Anjali on 12/17/2016 01:21 AM

"Dann müssen eben kleinere Taschentücher erfunden werden!", warf ich beherzt wie ganz anderer Meinung in die Diskussion und wackelte ein wenig angesäuert mit dem Kopf. "Wenn dein Hintern größer wird kaufst du auch größere Hosen! Oder etwa nicht, hä?"
Es war ja schon sehr, sehr süß von ihm meine Nase so zu loben, aber ich konnte mit sowas schlecht umgehen... man machte mir selten Komplimente und wenn doch, dann bekam ich es meistens gar nicht mit und Dahnya musste mich später darauf hinweisen. Aber auch dann regte ich mich auf, lief los und stellte denjenigen zur Rede. So eine Frechheit, so dreist zu sein! 

Aber irgendwie war das hier ja doch anders. Gandolf war ein kreativer, netter Mann, der vielleicht ein guter Freund werden konnte. Wer wusste das schon? Am Ende taten wir uns nach der Rente zusammen und erfanden ein neues Dessert, dass aus Kaffeesatz bestand und in offenem Feuer gebraten wurde und auf Kristallkugeln serviert. Das war eigentlich DIE Idee schlechthin....! Aber gerade als ich den Mund aufmachte fasste er die Teetasse. 

Neugierig und gespannt wie ein Flitzebogen, die hellen Augen soweit aufgerissen, dass sie aussehen mussten wie zwei Vollmonde am gleichen Himmel beugte ich mich über den Tisch und linste mit ihm in die Tasse als könnte gleich ein Goblins da heraus hüpfen. War ja möglich... die Wahrsager bei uns in Indien beschworen allen möglichen Kram aus allen erdenklichen Gefäßen! Aber ein Goblin war jetzt wirklich nicht nötig, diese komischen Viecher stanken zum Himmel und waren den ganzen Tag trüb wie.. Tassen. Tassen... Tassen... irgendwas war doch da, da klingelt doch irgendwas...
Mit nachdenklich verzogenem Gesicht sah ich zu Gandolf, der gerade....
"RICHTIG!", brüllte ich plötzlich in den Raum und klatschte erst in die Hände und dann entnervt an meine eigene Stirn. Er sollte aus der Tasse lesen! Aber was noch gleich? Löwen, Kühe.... "Deine Großeltern sind Fahnen?! Was soll das denn heißen? Und wo? Und welche? Und was, wenn sie einer einholt oder sie von verfeindeten Staaten sind und nie zusammen aufgehangen werden?!" 

Mit jedem Gedanken mehr und mehr bestürzte mich die Vorstellung bis ich schließlich mit Tränen in den Augen fassungslos in die Tasse starrte. 

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Gandolf
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Re: Im Wahrsageturm

from Gandolf on 12/27/2016 07:16 PM

Okay die Argumentation lief etwas aus dem Ruder, das merkte ich schon. "Ähm ja...", gab ich also sehr geistreich zurück. "Das stimmt zwar, aber du vergleichst doch hoffentlich gerade nicht deinen Hintern mit deiner Nase, oder? Da ist schon ein bisschen ein Unterschied dazwischen, findest du nicht?" Hintern mit Nasen zu vergleichen, auf die Idee war ich noch nie wirklich gekommen, das war doch absolut Gegensätzlich. Obwohl manche Menschen schon Nasen wie Ärsche hatten, offen zugegeben. Ich hatte einmal einen gesehen,der hatte doch im Ernst mitten in der Nase eine Einkerbung. Wenn ich jetzt so darüber nachdachte... Das hatte schon ziemlich blöd ausgesehen und eine ziemliche Ähnlichkeit zu einem Hintern gehabt. Ich schüttelte den Kopf über meine Gedanken. Das ging dann doch etwas zu weit.

"Nein, das kann auch nicht sein", philosophierte ich vor mich hin. Meine Großeltern waren doch keine Fahnen. Ich drehte und wendete die Tasse, aber sehen konnte ich trotzdem nichts, das wirklich viel Sinn ergab. "Also ich glaube dein Tee ist nicht geeignet für wahrsagerische Tätigkeiten", meinte ich und stellte die Tasse ab. "Ich kann mir jedenfalls nicht wirklich vorstellen, dass meine Großeltern Fahnen sind. Wenn sie im Himmel gelandet wären, dann wären sie vermutlich... Wackelpudding geworden." Ich lachte und bemerkte dabei mit einem Blick aus dem Fenster, dass es draußen schon dunkel wurde. Seufzend richtete ich mich auf.
"Ich werde jetzt gehen, ein paar Sachen sollte ich noch erledigen, bevor es wieder so spät ist und morgen ist ja doch regulär Unterricht... Hat mich gefreut, dich zu treffen, auch wenn wir nächstes Mal den Regen weglassen könnten." Ich lächelte sie an und stand auf. "Melde dich bei mir wegen dem Kleid, wir sehen uns bestimmt wieder. Das sehe ich." Damit zwinkerte ich ihr zu und ging dann aus dem Raum, meine Vorbereitungen erledigen.

//Ich hoffe, es ist okay, wenn ich dann da mal beende, der Play ist ja doch schon ziemlich alt. ^^//
__________
(Thread frei)

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