Kleine Nebengasse

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Dominique
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Kleine Nebengasse

from Dominique on 08/20/2015 07:19 PM

Die Nebengasse ist mehr eine Sackgasse

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Phil
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Re: Kleine Nebengasse

from Phil on 02/11/2016 09:57 PM

"Wenn du mit 'unserer Szene' mich meinst, dann ja", erwiderte ich grinsend und lachte darüber hinweg, wie sehr ich es hasste, in Schubladen gesteckt zu werden. Aber das war okay. War ja nur ein Spruch gewesen, noch dazu von Sammy. Ich fühlte mich erneut darin bestätigt, dass ich ihn wirklich gerne mochte.
"Dann bleib eben pseudoschwul, Sammy", seufzte ich grinsend und zog ihn mit mir, mit einem letzten Blick auf Claudia, die gerade einen Herzinfarkt erlitt. Also solche Fangirls traf selbst ich selten.
 
"Oh komm, lass uns Apparieren", meinte ich genervt und zog ihn in eine Seitenstraße, anstatt in Richtung tropfender Kessel. Ich war viel zu faul geworden, seit der Apparier-Prüfung, aber ich stand dazu. Außerdem drückte ich mich zurzeit sowieso um jede Ansammlung mehrer Zauberer, denn leider lasen viel zu viele von denen die Zeitung. Ich hatte keine Lust auf unangenehme Fragen.
Ohne weitere Diskussion apparierte ich in eine kleinere Gasse in der Winkelgasse, um zu verhindern, dass wir in irgendwen hinein flogen. War mir alles schon passiert.
"Also", seufzte ich und ließ ihn los. "Ich kann immer noch beteuern, dass ich das Ding sowieso nicht besteigen werde, aber das hält dich ja vermutlich sowieso nicht ab... wohin müssen wir?"  

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Samuel
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Re: Kleine Nebengasse

from Samuel on 02/11/2016 10:29 PM

Das unangenehme Ziehen im Magen ließ nach als wir landeten und ich schüttelte mich leicht. Brrr, ich hasste es mit anderen zu apparieren.

Auf Phils kläglichen Versuch der Abwendung meines Vorhabens lachte ich bloß und zog ihn mit mir. "Phillip Cusick, du wirst fliegen! Folge mir."
Ich zog ihn tiefer in das Gewirr aus Gässchen und Nebenstraßen hinein, von dem nur die wenigsten wussten, dass es existierte. Dabei fand man hier die wirklichen Schätze. Während sich alle Welt in der Winkelgasse drängte, hatten hier die Fachmänner und Meister der alten Schule ihre Läden. Durch Zufall hatte ich dieses kleine eigene Universum entdeckt als ich vor Antritt der vierten Klasse vor den Gryffindor-Fieslingen meines Jahrgangs weggelaufen war.  Seitdem erledigte ich lieber hier meine Einkäufe, als im allgemeinen Getümmel, besonders zum Schulanfang hin. Nur zu Florish&Blotts schlich ich mich ab und zu noch, kurz bevor sie schlossen. Dann waren die Schülerscharen zu Hause und ich konnte in Ruhe stöbern.
Jetzt aber war die ganze Zaubererpopulation Englands in der Haupteinkaufsstraße unterwegs und ich zog Phil hinter mir her zu einem ganz besonderen kleinen Lädchen.
Schungvoll bog ich um eine Ecke und blieb einen Augenblick auf der kleinen menschenleeren Kreuzung stehen. Naja, Kreuzung war vielleicht zu viel gesagt. Hier stießen lediglich 6 der kleinen Gässchen aufeinander und bildeten einen kleinen Platz mit einem knorrigen Bäumchen in der Mitte. Schräg gegenüber von unserem Standort, genau auf der Ecke befand sich unser Zielort: ein kleiner Laden, der sich tatsächlich über zwei Etagen erstreckte und den kreativen Namen "Broomstick" trug. Die Fassade des alten Fachwerkhaues war im Erdgeschoss mit tannengrüner abblätternder Farbe bestrichen und auf dem staubigen Schaufenster prankte der Spruch "Everything about the Wizard`s favourite Stick", was man durchaus falsch verstehen konnte. Das war aber egal, denn das Schaufenster war so zugestopft mit Krimskrams, dass man kaum auf die goldenen Lettern achtete.
Als ich Phil durch die knarrende, ebefalls grüne Tür mit dem fleckigen "OPEN"-Schild zog, bimmelte eine Traube Glöckchen und wir betraten eine andere Welt.
Von der Decke hingen Reisigbündel in allen Gößen, Formen und Farben und an einer Wand reihten sich Besenstiele aus allen möglichen Hölzern. Es gab Kisten mit neuen und angelaufenen Messingkompasse, Fliegerbrillen und -mützen in allen Ausführungen, Bücher über das Handwerk des Besenbauers und das Fliegen an sich, Quidditchumhänge und -handschuhe, Besenputzzeug und wasserfeste Reiseumhänge. In einem Netz aus Stahlseilen zappelten und zischten zwei dutzend Klatscher, unter einer gläsernen Glocke sirrten Schnatze umher. Alles war zugestellt und vollgestopft mit identifizierbarem und vollkommen fremden Zubehör rung ums Fliegen. Die enge Treppe in den ersten Stock konnte man erst beim zweiten Blick erkenen, weil sich auch auf ihren Stufen die Ware stapelte.
Ich genoss den Anblick einen Moment. Für mich war es jedes mal wieder, wie eine Spielwiese voller fremder Spielgeräte. Dann drehte ich mich zu Phil um und breitete meine Arme aus so gut es eben ging.
"Tadaaaa! Willkommen im wirklich besten Laden für Besen und Zubehör!"

Reply Edited on 02/11/2016 10:43 PM.

Phil
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Re: Kleine Nebengasse

from Phil on 02/12/2016 04:47 PM

Ehe ich mich versah fand ich mich in einem Teil der Winkelgasse wieder, den ich bisher nur selten betreten hatte. Dad war mit mir immer nur in die großen Geschäfte gegangen und auch nie besonders lange, denn im Gegensatz zu Mum hatte er Einkaufen gehen gehasst. Nur hatten sie Mum nie in die Winkelgqasse rein gelassen, also hatte er mich wohl oder übel einmal im Jahr hierhin geschleppt.
Ich mochte diese kleinen Gassen hier lieber als die voll gedrängte Hauptstraße und nicht selten blieb mein Blick an einem der winzigen Läden hängen, bis ich bemerkte, dass Sam schon wieder weiter geeilt war und ich Mühe hatte, wieder zu ihm aufzuschließen.
Nach einer Weile schien er sein Ziel erreicht zu haben: der Laden erinnerte mich ein bisschen an unseren Keller. Als hätten mehrere Generationen einfach alles, wofür sich kein Platz fand, in einen Raum geschmissen, bis sich alles bis zur Decke stapelte. Ich mochte diese Herrschaft des Chaos sehr gerne und so fühlte ich mich automatisch heimisch, als Sam die Tür öffnete und das Klingeln von hellen Glöckchen sich über den Raum ergoss. 
Sofort strömte mir der Geruch von frisch gewachsten Besenstielen und Reisig in die Nase und ohne dass ich es wollte, fühlte ich mich wieder wie ein kleiner Junge mit Träumen voller Quidditch-Pokale und jubelnden Publikumsreihen.
Mir entfuhr ein "Wow" und augenblicklich spürte ich den Drang, die Regale durchzugehen, Besen zu begutachten und alte Fachliteratur zu durchstöbern, bis ich alles in diesem Laden ausgekundschaftet hatte. Es war, als hätte Sam mich daran erinnert, dass irgendwo tief in mir eine Leidenschaft wohnte, die meine gesamte Kindheit ausgemacht hatte und die ich irgendwann vergessen hatte, mit dem Erwachsen werden.
Ich wartete gar nicht ab, dass er noch etwas sagte sondern stürzte mich direkt auf ein Regal vollgestopft mit alten Lexikas und Sammelkartenordner - während ich die Seiten durchblätterte fiel mir wieder ein, wie viele davon ich selbst besessen hatte.
"Madamme Hooch wird eigens aus dem Ruhestand zurück kehren und dich verprügeln dafür, dass du mir diesen Laden gezeigt hast", grinste ich und dachte an ihre verzweifelten Versuche, mich dazu zu bewegen, endlich das Quidditch-Team zu verlassen. Vielleicht sollte ich ihr mal Grüße ausrichten, über Lilia.

Reply Edited on 02/12/2016 04:49 PM.

Samuel
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Re: Kleine Nebengasse

from Samuel on 02/13/2016 07:07 PM

Ich lachte als Phil einen Laut der Bewunderung ausstieß und sich dann auf das nächstgelegene Regal mit Büchern und Sammelkarten stürzte. Er schien augenblicklich 10 Jahre jünger und seine Augen blitzten aufgeregt als er sich zu mir umdrehte.
"Madam Hooch wird eigens aus dem Ruhestand zurückkehren und dich verprügeln, dafür dass du mir diesen Laden gezeigt hast."
Grinsend zog ich die Augenbrauen hoch. "Madam Hooch? Solange sie keinen Besen dabei hat, nehme ich das in Kauf."
Und solange du dann mal ohne diesen bedrückten Ausdruck in den Augen lachen kannst.
Ja, ich hatte unseren gemeinsamen Abend mit seinen Aufs und Abs nicht vergessen oder verdrängt. Aber ich würde Phil nicht drängen. Wenn er bereit war, würde er schon mit mir sprechen.
Ich beobachtete noch einen Moment, wie er versunken in einem Album mit angelaufenen Sammelkarten blätterte, dann bahnte ich mir meinen Weg weiter in das Ladeninnere hinein.
"Mr Barnes?.... Sir?... Ich bin`s Samuel...."
Keine Reaktion. Wo steckte er? Ich stellte mich leicht auf die Zehenspitzen um irgendeinen Hinweis auf den alten Ladeninhaber zu entdecken. Suchend ließ ich meinen Blick schweifen. Aber neben den Warenbergen schien es hier nichts zu geben...oder doch. Da vorn hinter einem Tisch mit Second-Hand-Quidditchumhängen, -stiefeln, handschuhen und einem Ständer mit Flugbrillen stiegen kleine Rauchkringel auf. Ich schlängelte mich um mehrere Körbe mit unbearbeiteten Ästen herum und ging um den Tisch herum. "Mr Barnes?"
Hinter dem Tisch erblickte ich einen knorrigen alten Mann, der auf einem dreibeinigen Schemel saß und mit geübten Handgriffen einen Birkenast von seiner Rinde befreite.
Erst als ich direkt vor dem Tisch stand und mich leicht räusperte. "Sir?"
Ein missbilligender Blick traf mich, dann hoben sich die buschigen Augenbrauen an und ein faltiger Munwinkel hob sich leicht an. Erkennen blitzte in den funkelnden grünen Augen auf.
"Samuel...", in der brummenden Stimme schwang ein leichtes Lächeln mit, "hast mich lange nicht besucht. Was kann ich für dich tun?"
"Ich brauch deine Hilfe um ein paar Dinge zu finden. Ich baue da gerade an etwas..."
"Schon wieder? Zeig mal her."
Mit einem Handgriff in meine Aktentasche legte ich ihm meine Pläne und die Einkaufsliste auf die Werkbank. Andrew Barnes griff danach, sah die Zeichnungen und Notizen durch, brummelte etwas unverständliches  und wanderte los zurück in den vorderen teil des Ladens. Ich folgte ihm und deutet auf Phils zerzaustes braunes Haar, das zuerst in meinem Blickfeld aufgetaucht war.
"Das ist Phillip Cusick. Für ihn ist der Besen."
Mr Barnes stieß ein kurzes, keuchendes Lachen aus. "Schon öfter im Dreck gelandet, hm?"

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Phil
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Re: Kleine Nebengasse

from Phil on 02/14/2016 01:22 PM

Es war ein Kinderbuch, das am Ende meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Eigentlich brauchte ich die Worte gar nicht lesen, so gut hatte ich sie noch im Kopf, aber ich tat es trotzdem.
Mit einem Lächeln betrachtete ich, wie die Sucherin der Montrose Magpies über die Seiten schoss, dem kleinen, flatternden Schnatz hinterher. Wenn ich eine Kindheitsheldin gehabt hatte, war es Eunice Murray gewesen. Plötzlich erinnerte ich mich daran, dass ich stundenlang durchs Haus getobt war und mir dabei vorgestellt hatte, für die Magpies den entscheidenden Spielzug zu machen. Als ich das erste Mal in den Spiegel Nerhegeb geschaut hatte, mit 18, war ich ein bisschen enttäuscht gewesen, aber es ließ sich schwer leugnen: Alleine bei dem Gedanken daran, dicht über den Besenstiel gebeugt durch die Wolken zu zischen während unter mir die Publikumsreihen tobten, schlug mein Herz schneller und meine Wangen liefen rot an.
Ich hatte gar nicht gemerkt, dass Sammy zurück war, mit dem faltigen Besitzer des Ladens und so sah ich ziemlich verwirrt auf. Ich hatte mich hingesetzt und an eines der Regale gelehnt, um das riesige Bilderbuch besser aufklappen zu können.
Das gab jetzt natürlich kein sehr erwachsenes Bild ab.
Ich grinste bei dem Spruch des Fremden. Er war mir auf Anhieb sympathisch.
"Nicht so oft dass es mich eines Besseren gelehrt hätte", erwiderte ich und schob das Bilderbuch zurück ins Regal. "Bisher bezweifle ich aber nach wie vor, dass ich mich auf diese Apparatur jemals draufsetze."
Nachdenklich fuhr ich über eine der antiken Fliegerbrillen, die auf einer Schaufensterpuppe saß. Mit denen hatten wir damals schon Unterricht gehabt. Kein Wunder, dass ich mich alt fühlte. 
"Sie haben einen netten Laden", meinte ich und sah an die Decke, wo alte Besenmodelle hingen. Dabei ignorierte ich standhaft das verlockende Kribbeln in meinen Fingern, das in mir den Wunsch sähte, sie alle mit nach Hause zu nehmen.

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Samuel
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Re: Kleine Nebengasse

from Samuel on 02/14/2016 06:30 PM

Ich musste unwillkührlich lächeln über das riesige Kinderbuch, das auf Phils Knien ruhte. Er blickte und mit einem Funkeln in den Augen an und auf seinen Wangen lag ein rosiger Schimmer. Seine Haare waren noch zerzauster als sonst, offensichtlich war er mit den Fingern mehrmals hindurch gefahren. Ich mochte diesen euphorischen, sorgenlosen Phil.
Mr Barnes riss mich aus meinen Gedanken.
"Einer von den Unermüdlichen, also.", ein Grinsen umspielte seine faltigen Mundwinkel. Er klopfte mir fest auf die Schulter.
"Die Besen vom guten Samuel hier sind nicht übel, hab selbst schon ein paar davon gebaut und verkauft. Wollte ihn ja in die Lehre nehmen als er mit der Schule fertig war aber er wollte unbedingt zaubern. Und was hat er jetzt davon, hm?"
Ich wurde rot und musterte mit großem Interesse meine Schuhspitzen. Murmelnd drehte Mr Barnes sich um und begann Teile aus Regalen zu suchen und auf den Verkaufstresen zu legen.
Als Phil erneut sprach, dauerte es einige Minuten bis der alte Besenbauer antwortete: "Mh-m, jaja...is` der älteste in Londn, wahrscheinlich einer der ältesten in ganz Groß Britannien. Hat sich `nen bisschen Zeugs agesammelt in den ganzen Jahren aber alles gute Ware, gute Ware..."
Prüfend wog er zwei Arten Reisig in den Händen, dann blickte er Phil plötzlich direkt an. "Sieh dich ruhig in Ruhe um, Samuel kann dir das Lager zeigen."
Anschließend wandte er sich an mich: "Samuel, zeig deinem Freund das Lager. Pass auf die Klatscher auf, hab sie heute erst verzaubert, sind noch nen bisschen wild..."
Immernoch ein bisschen peinlich berührt grinste ich Phil schief an: "Ähm... willst du vielleicht das Lager sehen?"

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Phil
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Re: Kleine Nebengasse

from Phil on 02/14/2016 06:54 PM

"Bis zum heutigen Tag", grinste ich und war mir nicht sicher, ob das eine so gute Eigenschaft war. Vom Prinzip her wahrscheinlich schon, aber wenn man bedachte in was für mittelschweren Katastrophen mein Abenteuergeist mich getrieben hatte, in letzter Zeit, hätte ich mich vielleicht öfter einfach damit begnügen sollen, dass ich etwas nicht konnte.
"Oh ich find's gut, dass du hier nicht eingestiegen bist", meinte ich. "Sonst wär ich vermutlich jetzt nicht hier."
Ich zwinkerte den beiden zu und verlor mich dann erneut ein paar Sekunden in einem alten Quidditch-Umhang. Er war von den Magpies. Original. Mein Herz schlug höher.
"Gute Ware", bestätigte ich nickend und ich glaube, meine Stimme verriet ein bisschen zu viel von dem inneren Gekreische, das ich gerade unterdrückte. Ich war viel zu lange nicht im Stadion gewesen. Vielleicht sollte ich Val mal mitschleppen. Oder Gandolf.
Aus irgendeinem Grund war Sam gerade extrem verlegen und das war extrem süß. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er sich selbst extrem unterschätzte. Jeder Andere wäre verdammt stolz auf das hier gewesen.
"Nichts lieber als das", lächelte ich breit und fasst mir theatralisch ans Herz. Als ich ihm folgte und wir außer Hörweite waren, lachte ich.
"Mensch! Du hast mir ganz verschwiegen, dass du in deiner Freizeit im Besengeschäft bist! Was kannst du eigentlich nicht?!"

Reply Edited on 02/14/2016 06:54 PM.

Samuel
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Re: Kleine Nebengasse

from Samuel on 02/14/2016 08:50 PM

Phil musste sich ein wenig von dem Umhang losreißen, den er gerade musterte aber er folgte mir. Ich zwängte mich zwischen zwei Netzen voller Quaffel hindurch, die von der Decke hingen und begab mich hinter die Teke.
"Wenn es nach Mr Barnes ginge, hätte ich die Schule mit 15 abbrechen und direkt bei ihm eingearbeitet werden sollen..."
Ich schob mich durch einen Pulk aus alten Reise-Umhängen und hielt die Stoffe für Phil zur Seite, damit er neben mich treten konnte.
"Was ich nicht kann?", ich zog die Augenbrauen hoch und tat grinsend so als würde ich anfangen an meinen Fingern abzuzählen. "Ne, aber jetzt mal im ernst... ich entwerfe nur hin un wieder einen Besen und gebe die Pläne hier ab. Manchmal baut er ihn, manchmal nicht. Ist mehr ein Teilzeithobby als eine Freizeitbeschäftigung."
Ich zuckte mit den Schultern und schob den schweren roten Samtvorhang vor uns zu Seite, während ich weiter sprach: "Und so anders als das was ich mache... gemacht habe ist es nicht. Klar ein bisschen Handwerkskunst hier und da aber wenn man zaubern kann, passiert viel von selbst. Das ist übrigens das Lager..."

Ich deutet auf den Raum, der sich vor uns auftat. Grundflächenmäßig hatte er etwa die gleiche Größe wie der Verkaufsraum, vielleicht ein bisschen größer, allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied; Die Decke des Erdgeschosses fehlte. So konnte man vom Boden bis ins Dachgebälk gucken. Und zu gucken gab es eine ganze Menge. In einer Ecke reihten sich Kleiderstangen mit Flugumhängen aller Art aneinander, daneben standen sogar einige Schaufensterpuppen und trugen die teuerste Mode- Umhänge, Hauben und Brillen mit besonders aufwendigen Zaubern versehenen und aus dem besten Material- zur Schau. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch, um den mindestens 8 Leute gleichzeitig hätten arbeiten können. Auf der schartigen Holzplatte lagen neben allerlei Werkzeugen, Bücher für die Verzauberung, unfertige Besen und unverarbeitete Materialien. An einer Wand reihten sich Regale und lockten den Betrachter mit Fachliteratur, Lexika und Kinderbüchern direkt neben Sammelalben, Ausgaben alter Zeitschriften und Benutzerhandbüchern. Auf mehreren Stangen in der Wand gegenüber lagen unbearbeitete Äste, feinsäuberlich sortiert nach den Bäumen von denen sie stammten und ihrem Alter und Trocknungsgrad.
Weiter oben an den Wänden befanden sich immer wieder kleine Plattformen, verbunden über hölzerne Stege und Leitern. Auf einer Plattform befanden sich kaputte Besen, die zur Reperatur gegeben worden waren, auf einer anderen alle möglichen Arten von Reisig und auf der nächsten ein Regal mit langen Stofbahnen für Umhänge und ähnliches. Das Highlight aber waren die Bälle. Überall surrte und zischte es. Goldene Schnatze zischten durch die Luft und in einem abgetrennten Bereich unter dem Dach flogen Klatscher umher und knallten gegen die Metallverkleidung.
Es war immer wieder ein magischer Anblick.
Ich stand eine Weile da und legte den Kopf in den Nacken. Wann immer ich in dieses Lager kam, bereute ich es ein bisschen den Job nicht angenommen zu haben. Da fiel mir etwas ein und ich wandte mich einem Korb zu, der direkt neben dem Eingang stand und griff mir zwei massive Holzschläger daraus. Den einen warf ich Phil zu.

"Pass auf die Klatscher auf. Wenn er sie frisch verzaubert hat, sperrt Mr Barnes sie nicht ein, damit sie da oben nicht alle anderen in Stücke reißen.", ich deutet auf den Bereich mit den restlichen Klatschern, "Die Neuen machen hier zwar nichts kaputt aber wenn Besuch kommt, können sie mit unter ganz lästig werden. Solange du aufpasst, sollte allerdings nichts pass..."
In diesem Moment schoss etwas schwarzes aus aus dem Gebälk auf mich zu. Reflexartig knallte ich den Schläger dagegen und der Klatscher zischte in die entgegengesetzte Richtung davon. Ich dreht mcih grinsend zu Phil um.
"Das meine ich. Ansonsten kannst du aber alles anfassen. Wenn du magst, kannst du ja mal versuchen einen Schnatz zu fangen.", nicht ohne Stolz in der Stimme fügte ich hinzu, "Sie gelten als die schnellsten in ganz England. Ich hab den Zauber in der 4. Klasse entwickelt."

Reply Edited on 02/14/2016 09:01 PM.

Phil
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Re: Kleine Nebengasse

from Phil on 02/14/2016 09:04 PM

"Schon klar", nickte ich. "Du entwirfst Besen, baust sie... machst land-bekannte Schnatz-Zauber und das alles als Hobby - "
Ich schüttelte den Kopf und grinste ironisch. "Es klingt wirklich sehr logisch, dann Zauberkunst zu studieren und schlussendlich Bibliothekar zu werden. Ich merke, du nutzt deine Talente."
Es war schon makaber manchmal, wie viel Talent in dieser schrägen Welt verschwendet wurde. Ich dachte an Edward und daran, wie nie jemand bemerkt hatte, dass er unglaubliche Fähigkeiten in Legilimentik hatte und daran, wie Gandolf sein Leben als unterschätzter Wahrsage-Lehrer fristete, obwohl wir alle wussten, dass seine Wahrsage-Skills mehr als unnormal waren und dann dachte ich daran, wie Sam, der wahrscheinlich in irgendeinem Loft in London hätte wohnen und seinen Namen in die Geschichtsbücher hätte schreiben können, in unserer Bibliothek Regale entstaubte und Kinder anschnauzte.
Wow.
Manchmal liebte ich das Schicksal.

"Im Ernst", meinte ich ein wenig ernster, "Ich finde, du solltest nochmal drüber nachdenken, ob du das wirklich so wegwirfst."
Darüber, wie sehr dieses Thema mich anfraß, hatte ich völlig vergessen, den Raum zu würdigen, in dem wir uns jetzt befanden: Halleluia. Gottseidank musste ich diese Konstruktionspläne an der Wand nicht verstehen oder auch nur einen von diesen Monster-Besen besteigen. Das würde garantiert nicht gut enden.
Obwohl ich das Lager beeindruckend fand, mochte ich den ersten Raum lieber. Mehr von meiner Kindheit und weniger Dinge, von denen ich keinen Plan hatte.
Ich hörte das bekannte Zischen eines Klatschers und fuhr im letzten Moment herum, um das Vieh daran zu hindern, mir den Kopf einzuschlagen. Das war ja gemein gefährlich! Ich wusste schon, warum ich mich um den Posten als Treiber nie bemüht hatte. 
"Das mit dem Schnatz lassen wir lieber", grinste ich. "Also zumindest wenn du diesen Laden noch ein paar Mal mehr im vollständigen Zustand besuchen willst."  

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