Ein Friedhof

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Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 05/07/2016 12:51 PM

Distanz und Nähe. Vielleicht war das der Kniff zwischen uns, die Waagschale. Das Sie oder Du. Das Ungewisse, das wankende Schiff und nicht das sichere. Und vielleicht, nur vielleicht, musste daran auch überhaupt nichts geändert werden. Denbn wenn ich ehrlich war, dann lag mir an unseren seltsamen Treffen und Zusammenkünften besonders das eine: So oder so fühlte ich mich in Aidans Nähe einfach wohl. So simpel, so einfach.
Deswegen machte ich mir überhaupt Gedanken um seine Reaktionen oder musste lächeln, wenn er dieses Grinsen aufsetzte, das mich immer ein wenig an den Wombat erinnerte, den ich in Australien hatte in meinem Zimmer leben lassen einen Sommer lang. Wie hatte ich geweint, als ich ihn zurück lassen musste.
Einen schönen Tag noch. Tief drin war er ein sehr besonderer Gentleman, hinter der Bitterkeit und dem Sarkasmus. Die Zeit würde zeigen was das für das große Ganze bedeutete. 
Wie eine junge Lady senkte ich den Kopf und lächelte. "Das habe ich schon.", erwiderte ich ebenso leger und schickte ihm ein gewitztes Funkeln. Bis zum nächsten Mal, mein Freund. Welchen Tanz auch immer wir dann gemeinsam tanzen werden.
Ansonsten nichts. Nur der Gang hinaus zur Straße mit dem Wissen: Etwas hatte überlebt. Ein schöner Klang. Und herrlich offen. Etwas wird überleben. Wer wusste was das noch bedeuten würde...  


[THREAD FREI] 

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Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 01/17/2018 11:56 PM

"Wenn du nicht bald das Heulen aufhörst, Samy, dann bringe ich dich nach heute Nachmittag zur Umverteilung ins Ministerium!"
Ich knetete wirklich stark an meinem Nervenkostüm bauend meinen Nasenrücken. Dieser kleine Kerl machte mich noch ganz bescheuert! War es nicht genug, dass Jude sich mit einem Knall von der Bühne verpisst hatte, der an Wahnwitz nicht mehr zu übertreffen war?! War es nicht genug, dass ich erst versuchen musste einen mittelschweren Nervenzusammenbruch ob dieser Nachricht erst glanzvoll zu übertünchen und schließlich - als die Kleinen schliefen und ich Aidan keifend aus der Wohnung geschmissen hatte - überstehen musste? Nein... Nein, natürlich nicht. Erst war ein paar Tage später Zeros Geist in meinem Wohnzimmer gesessen als wäre nie etwas gewesen und hatte fröhlich und fidel mit Summer gespielt und dann.... hatte dieser Knirps von einer Hauselfe greinend und einsam vor meiner Tür gestanden. 
Ein Glück hatte Grimm Xander und Edan für ein paar Tage genommen.... Drei schreiende Babies und ich hatte irgendwen erwürgt.

Mit einem schweren Seufzer schob ich mir die riesige Sonnenbrille höher auf die Nase und schüttelte den Kopf.
"Das schaffst nur du. Dich über die Bepflanzung deines eigenes Grabes scheckig lachen.", murrte ich zu der wabernden, durchscheinenden Gestalt hinüber, die neben Samy und Raya auf seinem eigenen Grabstein saß und die Hauselfen mit Kieseln berieselte. Aber im Grunde war es mir so doch lieber; Zero war nicht weg. Er war nur anders als zuvor, und anders war er doch im Grunde immer schon gewesen. Seit er tot war schien er mir sogar irgendwie nur noch halb so verrückt. 
Immerhin... war das erste, das er tat nachdem Summer ihm beigebracht hatte wie man sich verfestigte gewesen... mich zu umarmen. Ich würde es nie zugeben, aber das hatte gut getan. 

Samy weinte leiser or sich hin. Immerhin etwas.
Er war schließlich der Grund warum wir länger als nötig in dieser Eiseskälte herum liefen.


"Aber ich muss MISTER GRAY DEN BRIEF BRINGEN!!!!!!!"
Wie ein Wasserfall der hochfrequenten Töne schlug Samy immer und immer wieder den Kopf gegen die Kommode.
"Mach dir nix draus, Didi, das hat er bei mir auch den ganzen Tag gemacht. Ist n Hobby, glaub ich. SM für Hauselfen.", grinste Zero zu mir hinüber und scherte sich nicht weiter drum. 
Seit Stunden diskutierten wir darum warum er es nicht einfach MACHTE und gut war.... Aber im Endeffekt musste ich einsehen, dass es war wie es war: Samy war ein kleiner Hauself, er war noch nicht ausgewachsen und hatte seine volle Magie noch nicht erreicht. Einfach - Zipp und weg - war ihm einfach noch nicht möglich. Und ohne seinen Meister würde er es nicht weit schaffen, Offenbarung hin oder her, ein Hauself in der U-Bahn war nicht gerade sicher. 
"Gray Lightning?", fragte ich scharf nach und stierte Samy in Grund und Boden. Der kleine Hauself vergaß für einen Moment das Greinen und nickte mit großen, geröteten Augen.
"Was machst du?", fragte Raya als ich mir den Mantel überwarf und die Schlüssel auflas. Ich verdrehte die Augen und seufzte. 
"Ich finde heraus wo dieser Typ steckt.... Damit wir das ein für allemal hinter uns haben!"

Reply Edited on 01/17/2018 11:57 PM.

Gray
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Re: Ein Friedhof

from Gray on 01/18/2018 10:52 PM

Ich wanderte durch die kalte Winterluft, die bis gestern Nacht noch einiges an Schnee mit sich getragen hatte, und ließ meinen Blick über den unscheinbaren Friedhof schweifen, zu dem ich bestellt worden war. Von wem? Keine Ahnung. Aber der Brief hatte so energisch geklungen, dass ich mich gar nicht erst getraut hatte, mein Erscheinen hier anzuzweifeln.
Joplin ließ ein bassiges, dunkles Bellen über die frostigen Felder erklingen und bald erkannte ich auch den Auslöser - ein Geist hatte sich auf einem der Grabsteine nieder gelassen und brachte meine Hündin dazu, anzuschlagen.
"Still", befahl ich, und augenblicklich verstummte sie - als Hund des Wildhüters musste sie gehorchen, und so hatte ich Tage und Nächte darin investiert, sie hörig zu machen. Red hatte mir eine kleine Rebellin geschenkt, damals, und je älter Joplin wurde, desto mehr Probleme hatte ich, sie zurückzuhalten. Sie mochte es nicht, wie jetzt an der kurzen Leine geführt zu werden, und ich spürte, dass sie Hogwarts Felder vermisste, doch ohne sie hätte ich mich nicht zu diesem ominösen Treffen getraut. Ob es etwas mit Red zu tun hatte? Ich hatte ewig nichts von ihm gehört, geschweigedenn von unserer Familie.
Als ich Ausschau nach meinem Gesprächspartner hielt, schallte plötzlich ein hoher, wehleidiger Ton über die Gräber - erneut fuhr mein Blick zu dem Geist und erst jetzt erkannte ich die anderen Gestalten, neben ihm. Die hochgewachsene, schlanke Frau, die ihr Gesicht mit einer riesigen Sonnebrille verbarg, und der weinerliche, traurige Hauself, gaben ein so obskures Bild zwischen all den tristen Gräbern ab, das ein kleines Lächeln auf meinen Lippen erschien. 
Joplin bellte erneut, als die Hauselfe erkannte.
"Benimm dich", meinte ich leise, und fasste die Leine kürzer, bevor ich mich langsam auf die kleine Gruppierung zubewegte. 

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Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 02/06/2018 12:23 AM

Ein Knurren. 
Man musste kein Vampir sein um es zu hören. Nur ich. Wie ich diese Biester hasste... Diese großen, haarigen Mistviecher mit ihren hinterhältig-trottelig drein schauenden Knopfaugen und dem faulig riechenden Atem hinter den wabbelnden Lefzen. Wer auch immer das sein mochte... er hatte es geschafft meine Laune noch tiefer zu senken als sie es sowieso schon war. Ein Kunststück... noch eine Sache und ich würde einfach in Flammen aufgehen wie eine Furie. Es war ganz nah dran...
Langsam drehte ich mich zu der Ursache dieses elenden Geräusches um und zog die Sonnenbrille gerade genug die Nase hinab um den Besitzer dieser Flohschleuder mit einem Blick zu versehen, der Löcher in Granit hätte schneiden können wenn wir in einer perfekten Welt leben würden. So eröffnete sich mir nur ein ziemlich schlanker, ziemlich blasser und unglaublich misstrauisch aussehender halber Junge. Und dafür waren wir her gekommen? Für eine Emo-Frisur und ein bisschen Metall in der Fresse? Dieser Look war sowas von 2005.
Zu meinem Leidwesen bestätigte mir Samys plötzliche Stille, dass es war wie ich dachte.

"COOKIEBOX!!!!!!!!", schrie das winzige Wesen mit Tränen in den Augen und rannte mit offenen Armen auf das wuschelige Monster zu, das diese Willkommensfreude wohl nicht so sehr schätzte wie der Hauself. Wie auch? Das war im Leben nicht Zeros Bestie. Die hatte ich wohlsorglich Aidan übergeben um sie ins nächstbeste Tierheim zu bringen. Obwohl ich nicht glaubte, dass er das getan hatte. Das fette Ding hing wahrscheinlich in seinem Büro unter dem Schreibtisch fest...
Von Zero - von dem ich ein Lachen erwartet hatte - ging eine seltsame Stille aus. Er saß weiter milchig weiß und durchsichtig auf seinem Grabstein und hatte den Kopf schief gelegt seit er den fremden Jungen erblickt hatte. In seinen trüben Augen arbeitete es. Was nur bedeuten konnte, dass er den Jungen irgendwoher kannte..

"Gray Lightning?", fragte ich gut hörbar über Samys Weinen und Jubeln, blieb aber an Ort und Stelle. Dem Viech würde ich nicht zu nahe kommen. Aber reglos in der Kälte zu stehen machte mich auch nicht geduldiger, weswegen ich nahezu sofort die Augen verdrehte und gleich darauf die Finger. Ein kleiner Feuerfunken stob in Samys Richtung und zerplatzte auf dem Kies vor seinen Füßen. "Also, was jetzt, Samy? Ist er das oder nicht? Und wenn ja, dann werd los, was du los werden willst! Ich hab wirklich keine Lust mir weiter anzuhören, dass Zero nicht friert."

Die großen, selbst für einen Hauselfen riesig wirkenden, Augen des Hauselfen leuchteten von Kniehöhe zu dem fremden ungen hinauf. Urplötzlich und von jetzt auf gleich war Samy so still, dass es kaum fassbar war. 
"Sie Mister Lightning, Sir? Samy hat Mr. Gray Sir nie gesehen, nur auf Fotos....Samy ist doch ganz neu gewesen bei Master Hood.", murmelte er leise und verzweifelt vor sich hin. Die Spitzen seiner Ohren wippten nervös und traurig vor sich hin. "Samy... Samy muss doch.... muss doch den Brief zu Mr. Gray Sir bringen...." 

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Gray
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Re: Ein Friedhof

from Gray on 02/23/2018 12:51 AM

Die Versammlung, auf die ich hier gestoßen war, hätte wirklich aus einem Bilderbuch stammen können. Während die schlanke, hoch gewachsene Frau, die auch gut aus einem Bond-Streifen der 70er hätte stammen können, Joplin mit einer solchen Abneigung musterte, dass ich sie automatisch kürzer fasste, schien der kleine Hauself völlig aus dem Häuschen - 
"Sitz", befahl ich möglichst ruhig und Joplin ließ sich auf ihr massiges Hinterteil sinken, während die kleinen Hände des Elfen sich in ihrem zotteligen Fell vergruben; gottseidank war sie hörig, inzwischen fasste sie auf Kommando Schattenwesen, die nur ein wenig kleiner waren, als der Elf. Sie half uns unheimlich gut im verbotenen Wald, vor allem seit die Tiere regelmäßig am Rad drehten - all das war mir immer noch ein Rätsel. 
Gray Lightning?
"So nennt man mich", erwiderte ich auf die kühle Frage der Frau, während ich versuchte, den bohrenden Blick des bulligen Geistes auf dem Grabstein zu ignorieren - ich konnte nicht ganz anders, als diese Situation mit der Komik zu nehmen, die sie ganz offensichtlich darstellte. "Haben Sie diesen Brief an mich verfasst?" 
Plötzlich schnippte die Fremde und ein paar Funken stoben aus ihren Fingern - eine Elementarlerin. Viel bunter konnte diese Truppe wirklich nicht werden, was meine Neugier zunehmend reizte. Mit Joplin an meiner Seite fühlte ich mich sicher, und das machte mich ein wenig wagemutig - ich machte einen Schritt auf die Elfe zu, die sich nun an mich wandte.
"Samy?", wiederholte ich ein wenig verwirrt. "Es tut mir Leid, aber der Name sagt mir nichts..."
Hood hingegen schon. "Ich habe keinen Kontakt mehr zu der Hood-Familie", meinte ich ein wenig kühl, und es war die Wahrheit, ganz zum Leid meiner Eltern. Wo war Red? Ich hatte keine Ahnung, und mit ihm war auch meine letzte Verbindung zu meinen Großeltern verschwunden. Was sollte mich sonst noch dorthin ziehen.
"Ein Brief?", fragte ich verwundert und ging in die Knie, um mit der Elfe auf Augenhöhe zu sein. "Was für ein Brief? An mich? Von wem?"
Die Anderen begann ich zu ignorieren. Ob der Brief etwas über Red verriet? Und wieso interessierte mich das überhaupt plötzlich?

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Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 03/04/2018 10:06 PM

Ich hielt mich von hieran zurück. Mein Teil der Arbeit war mit dem Auffinden des jungen Kerls getan und wahrscheinlich mehr als man für gewöhnlich erwarten konnte von einer Frau, die nur versuchte ihre Hauselfe endlich ruhig zu bekommen. Na gut, es war nicht allzu schwer geworden, immerhin verkehrte im Wicked World alles mögliche an Familien und Schauläufern. Dass es allerdings Lestrange hatte sein müssen, der mir den ersten guten Tipp gab, das hätte sich das Universum verkneifen können. Auch wenn Tante Merideth meinte man sollte sich diesen Mann für etwaige Zukunftspläne warm halten und bei einem Mann wie ihm sei der Vampirismus eben die Ausnahme, die die Regel bestätigte... konnte ich den Bastard nicht riechen. Sei's drum, ich hatte sein süffisantes Grinsen und die Adresse des Typen eingesteckt und höflich, aber kühl gelächelt. 
Nun beobachtete ich mit verschränkten Armen, wie Gray Lightning vor Samy auf die Knie ging. 

Mit immer größer werdenden Augen sah der kleine Hauself sein Gegenüber an, die dürren Finger ineinander verknotet als wollte er jeden Moment anfangen zu beten. Unsicher japste Samy wie ein Karpfen vor sich hin, blinzelte reuig in der Gegend umher und fing schon wieder an nervös auf den Füßen vor und zurück zu wippen.
"Master Hood hat Samy den Brief gegeben... Samy musste versprechen ihn Mr. Lightning Sir zu geben.", murmelte Samy schluckend als seine Augen sich wieder mit Tränen füllten. "Aber dann war Master Hood... tot, Sir. Ist einfach gestorben. Und dann hat der kleine Master Hood mir verboten von ihm weg zu gehen! Und dann war die Beerdigung! Samy hat gewint, Sir, soooooo geweint! Weil... weil Samy muss doch den Brief bringen!! Und der kleine Master Hood hat Samy nicht gewollt. Der kleine Master Hood hat Samy zu Mr. Zero Sir geschickt und Mr. Zero Sir wollte den Brief sehen!! Und hat gesagt Samy darf ihn nicht wegbringen wenn Mr. Zero Sir ihn nicht gelesen hat!! Aber Samy hat ihn nicht gezeigt! NUR an Mr. Gray Lightning Sir, hat Master Hood gesagt!! Samy ist ein guter Hauself!!"
Die Stimme des Hauselfen würde immer jämmerlicher mit jeder Träne die ihm über das kleine Gesicht lief.
Ich sah zu Zero hinüber und ließ Blicke sprechen. Er hatte dem kleinen Ding allen Ernstes verboten diesen verdammten Brief auszuliefern?! Nur wegen persönlicher Neugier?! Sie waren in diesen Wochen zugeheult worden, weil Zero... aber warum war ich überhaupt irritiert? Zeros Schulterzucken und Grinsen reichte aus um sich wieder daran zu erinnern, dass der Mann einfach völlig wahnsinnig gewesen war....
Samy brauchte einen Moment um sich zu beruhigen. Aber dann trat er an Gray heran, wischte sich eine Träne aus den geröteten Augen und zog einen knittrigen Umschlag aus seinem kleinen Pulli. Er war sehr viel leiser als vorher als er ihn Gray hinhielt.
"Samy hat den Brief vor Mistress Hood versteckt, wie der Master das wollte. Master Hood wollte unbedingt, dass Mr. Lightning Sir ihn bekommt. Master Hood war ganz krank, hat gar nicht mehr richtig schreiben können. Samy musste den Master pieken damit er nicht... Samy hat brav gepiekt!"

Der Umschlag und das Papier waren zerknittert und wieder glattgestrichen von dem Jahr, den er auf seine Auslieferung hatte warten müssen. Es war das gleiche, schwere Büttenpapier, das die Hoods für ihre Briefe und Einladungen benutzten. Das gleiche blaue Wachs mit dem Familienwappen, das ihn noch immer gut verschloss. Und die gleiche Schrift auf dem Papier - klein und eng - die vor einem Jahr schon mit Jasper Hood gestorben war. Und du zum Ende des Briefes hin nur fahriger wurde als hätte die Hand die die Worte schrieb nur noch die letzte Kraft zu schreiben.



Ich werde sterben heute Nacht. Sie wartet nur darauf, dass es geschieht. Aber sie ahnt nicht, dass ich ihr Spiel schon durchschaut habe vor vielen, vielen Jahren. Ich habe immer gewusst, dass sie mich eines Tages umbringen wird. Um mich zu ersetzen durch jemanden, den sie nicht mehr teilen muss.

 

Ihr ward noch klein als ich erkannte, dass sie nicht mehr warten musste. Dein Bruder war schon immer anders als ihr. Dein Bruder war wie ich.
Es ist ein Fluch, Gray. Ohne Herz zu leben.
Ohne Unterlass weiß ein Mann, dass etwas fehlt. Etwas, das durch nichts ersetzbar ist und doch sucht er und sucht es und wenn er etwas hat, das durch das Eis um seine Seele dringt verwechselt er den Schmerz mit Liebe. Er klammert sich daran, weil er weiß was geschieht wenn es verschwindet.
Ich habe mich an Nellie geklammert. Und dein Bruder an dich, Gray.

Sie hat es immer gewusst. Dafür hasst sie dich wie niemanden sonst, dafür musstest du leiden all die Jahre. Du nimmst ihr ihr Eigentum weg. So wie euer Vater, wie ihr, mich ihr weggenommen habt.
Sag deiner Mutter, dass ihr Sohn stark genug war es zu ertragen. Und dass ihr Schwiegervater nichts dagegen getan hat.
Die Männer unserer Familie sind von einem Fluch geschlagen, Gray. Als ich deinen Bruder fand, das Haar mit Öl verschmiert um auszusehen wie ihr und nicht wie wir, und ich in seinen Augen die Kälte wachsen sah, da wusste ich, dass sein schwarzes Ich gekommen war. So wie meines über mich gekommen war als ich deine Großmutter kennen lernte. Das Ich, das nicht mehr sucht sondern das herzlose Wesen feiert, das es ist. Das Ich, das meinen Bruder erschlug um seine Braut zu heiraten.

Ich bin nicht mehr da um ihn dieses Ich vergessen zu lassen, wie in all den letzten Jahren. Dieses Ich, das sich deine Cousine nehmen will, wie deine Großmutter mich. Das Ich, das dich aus dem Weg schaffen will um das zu erreichen. Um nicht mehr an das kleine Gefühl gebunden zu sein, das deinen Bruder noch einen Mensch sein lässt.
Es wird niemals aufhören, Gray, wenn niemand sie aufhält. Es ist nun an dir, wenn ich nicht mehr bin. Niemand sonst ist mehr da um ihn vergessen zu lassen. Niemanden sonst würde er so nah an sich heran lassen.
Ihn aufzuhalten oder ihn zu lassen; Das ist deine Wahl.

Es gibt keinen Grund für dich mir zu glauben, denn du und ich sind gespalten. Und einem jungen Mann zu erklären, man habe ihn mutwillig leiden lassen, weil ein alter Mann unfähig war seinem Enkel anders die Liebe seines Bruders zu beweisen, das ist selbst für mich ein unverständliches Rätsel. Alles was mir bleibt ist:
Verzeih einem Mann, der dich nie in den Arm genommen hat wie ein Großvater es mit seinem Enkelsohn tun sollte.

Ich habe zwei Enkelsöhne – und jetzt, im Angesicht des Todes, weine ich um sie beide.

J.B.H.





(Brief & Chara von Jasper Hood freundlichst geplayt und verfasst von meiner Mitbewohnerin. ^^)

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Storyteller
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Re: Ein Friedhof

from Storyteller on 03/10/2018 03:06 PM

Ein Schmetterlingsschwarm flattert durch euch hindurch und um die nächste Straßenecke.

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L I V E   I N

harmony.

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Gray
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Re: Ein Friedhof

from Gray on 03/25/2018 04:44 PM

Mit dunklen Augen lauschte ich dem kleinen, aufgelösten Hauselfen, und als er mir schließlich den Brief hinhielt, dessen Umschlag ich nicht näher inspizieren musste, um zu wissen, von wem er stammte, sträubte sich alles in mir dagegen, ihn anzunehmen. Master Hood. Das klang so fremd, so vornehm, so wenig nach dem alten, leeren Gesicht, das mich jahrelang in meinen Alpträumen verfolgt hatte, dass es mir Gänsehaut über den Rücken jagte. Was wollte er mir sagen? Eine weitere, scharfe Anschuldigung, damit er mich selbst aus dem Grab noch verfolgen konnte? Oder eine Entschuldigung, die in diesem Kontext leerer nicht hätte sein können? Ich wusste, wie sehr Red um ihn geweint hatte, innerlich - doch ich hatte lediglich Dads zitternde Hand gehalten und mich gefragt, ob ich nicht doch der gefühllose der Familie war. 
"Danke, Samy", meinte ich dennoch, dem Elfen zuliebe, und zog ihm den Umschlag aus der Hand. Der Kleine sah wirklich arg gestresst aus, und so hielt ich den Brief eine Weile in der Hand, bevor ich leise ausatmete und schluckte. "Master Hood, ja?", wiederholte ich leise, "Und der jüngere Master Hood wollte dich nicht. Heißt, das, ich bin dein Master?" 
Mit einer langsamen Bewegung zog ich mir einen der fingerlosen Handschuhe von der Hand und überreicht ihn Samy. 
"Ich entlasse dich aus dem Dienst unserer Familie", murmelte ich widerstrebend - "Geh hin, wo es dir gut geht. Du hast gute Leistung erbracht, Master Hood... Master Hood wäre stolz auf dich." 

Ich war zu neugierig, um den Brief nicht zu öffnen, außerdem würde der Hauself vermutlich keine Ruhe geben, bevor ich ihn las - vorsichtig entfaltete ich das krakelig beschriebene Papier und entzifferte den Text, Wort für Wort und dann noch einmal.

Die Entschuldigungen waren genau so leer wie erwartet. Der Rest...
ich schloss die Augen und spürte, dass ich aus irgendeinem Grund auf dem Boden saß - Kälte kroch über meinen Rücken und dann Gänsehaut. Erst das Flattern und Schlagen unzähliger, winziger Flügel auf meiner Haut stieß mich grob aus meinen Gedanken, ich öffnete die Augen und dann waren sie überall: Schmetterlinge. Unzählige Schmetterlinge. Blinzelnd sah ich mich um, konnte für ein paar Sekunden gar nicht fassen, was geschah, da war es auch schon wieder vorbei. Der Schwarm teilte sich auf und verschwand, mein Herzschlag mit ihm. 

Ich schluckte.
Es wird niemals aufhören, Gray, wenn niemand sie aufhält.
Wenn niemand sie aufhält.
Kalte Blitze fuhren durch meinen Kopf, ich begann zu zittern.
"Wissen Sie, wo mein Bruder ist?", fragte ich und sah auf, zum Hauself, zu der Fremden, zu dem Geist - eine leere Frage, hinter der ein schwarzer Entschluss stand. 

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