Lover's Bay

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Lorcan

20, male

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Re: Lover's Bay

from Lorcan on 07/24/2016 01:04 AM

Ich konnte spüren, dass Thorn mich beobachtete und mir am liebsten helfen würde. Seine ganze Haltung schrie Sorge, ich war ihm aber dankbar, dass er weder etwas sagte noch irgendetwas unternahm, abgesehen davon mir auf's Boot zu helfen. Ich konnte mich wirklich nicht alleine hochziehen im Moment. 

Egal wie sehr ich mich zwang, ich schaffte es nicht meine Augen zu heben und ihn anzusehen. Ich nickte nur wortlos, ließ den Kopf noch weiter hängen und schlang meine Arme um meine angewinkelten Beine. Thorns Reaktion hatte mir unheimliche Angst bereitet. Mehr als ich es mir für möglich gehalten hatte. Besonders jetzt, wo ich sowieso mit Gewissensbissen zu kämpfen hatte war meine eigene Reaktion umso härter ausgefallen. 

Ausgerechnet eine Panikattacke, dachte ich mir bitter und traurig. Warum hat mich Thorn sowas gefragt? Warum- 
Ich stoppte meinen Gedankengang sofort, als ich meinen schneller werdenen Atem und meinen erhöhenden Herzschlag bemerkte und versuchte mich wieder zu beruhigen. 

"H-ey", begann ich mit einer kratzigen Stimme. Die Attacken hatten über die Jahre meinen Stimmbändern geschadet und ich wusste, dass ich heiser klingen würde. "D-Der Sc-Schlag .. S-sor-ry." Und mein Stottern aus Kindertagen war wieder da. Ich verbarg mein Gesicht demütig in meinen Armen.

LorciPorci-Siggi.gif

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Thorn

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Re: Lover's Bay

from Thorn on 07/24/2016 10:57 PM

Während ich das Boot so leise wie möglich an Alyssas Steg verfrachtete und den Motor abstellte sah ich hin und wieder doch besorgt zu Lorcan hinüber. Als wäre ich tatsächlich seine Mutti hatte ich unbewusst immer wieder bei jedem Atemzug aus seiner Richtung aufgehorcht. Dass sein Atemn schneller gegangen war - für einen kurzen Augenblick - hatte mich meinen anhalten lassen, aber er beruhigte sich schnell wieder.

Was für eine Nacht., dachte ich als ich auf den Steg sprang und das Boot fest vertäute. Sehr vorsichtig sah ich mich um, ob uns jemand in den Hafen hatte kommen sehen. Zwar wanderte hinter den Klippen die erste Morgenhelligkeit auf, aber im Dorf selbst schien noch Ruhe zu herrschen. Gottseidank.

Lorcans Worte riefen mich aus meinen Gedanken. Vom Steg aus sah ich zu ihm hinüber, dem kleinen Häufchen Elend... und schämte mich. Schämte mich für die Art und Weise wie ich mich aufgeführt hatte, wie ein verängstigtes, kleines KInd.
Leise krabbelte ich zu ihm ins Boot und hockte mich vor ihn.
Stimmt, er hatte mich geschlagen, aber aus guten Grund. Ich hatte den Kopf verloren, jemand hatte mich wieder auf den Boden holen müssen.

Ich fasste mir an die Wange wo er mich getroffen hatte und blinzelte überlegend.
"Mach dir darum keine Gedanken, okay?", meinte ich schließlich und strich endlich das Handtuch von seinem Kopf. Ich zwang ihn nicht mich anzusehen, aber ich strich ihm sanft durchs Haar, das der Morgenwind zerzusselte. "Schlag mich wieder. Wenn es sein muss.", lachte ich leise und drückte für einen Moment meine Stirn an seinen Kopf. Niemand außer dir. Niemals.

"Jetzt.. komm."
Mit diesen Worten zog ich ihn hoch, half ihm auf den Steg und ging mit ihm durch die leeren Gassen bis zu unserem Haus. Ich half ihm durch das Hinterfenster, durch das wir heraus gekommen waren und schaute nach ob irgendjemand wach war, während Lorcan sich bereits in die Laken knuddelte.
Dann schlich ich mich noch einmal hinaus, immerhin musste ich Alyssa die Schlüssel zurück bringen. Gerade als ich auf dem Fenstersims saß hörte ich ein Geräusch aus Lorcans Richtung und hielt inne. Ein... Schluchzen? 

Ich verzog das Gesicht und war drauf und dran zu ihm zu gehen... aber ich hatte ihn für eine Nacht genug zum Weinen gebracht. Wenn unsere Beziehung neuerdings nur noch daraus bestand....

Mit einem Knoten im Magen, der kaum entwirrbar war, sprang ich hinaus und verschwand in den kleinen Gässchen des Dorfes.


~ THREAD FREI ~ 

Fly the ocean in a silver plane. See the jungle when it's wet with rain. Just remember till you're home again.
Thornii-Siggi_von_Juelie.gif
And I'll be so alone without you, maybe you'll be lonesome too. Just remember when a dream appears: You belong to me.

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Perry
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Re: Lover's Bay

from Perry on 09/13/2017 10:46 PM

Mit einem leisen Plopp setzten wir auf dem harten Stein der Felsen von Lover's Bay auf - ich hielt Mo's schwachen Körper noch immer so fest, wie als wir abgesetzt hatten.
"Achtung", warnte ich ihn, "Nicht fallen - das wäre bitter." 
Dann ließen wir uns vorsichtig nieder, die Beine am Rand der Klippe, viele dutzend Meter unter uns die stille Bucht und der Strand. Die Sonne neigte sich gerade dem Horizont zu und tauchte alles in ein seltsames, rotes Licht, und es brachte die Farbe zurück auf Mo's Wangen. 
"Ich bin mir nicht sicher, ob das unser erstes oder unser letztes Date ist", meinte ich kopfschüttelnd, als ich sicher war, dass er fest saß - dann drehte ich mich um und zog einen Korb heran, der hinter einem der Felsen gelegen hatte. "Aber ich hab' vorgesorgt." 
Die Flasche Whisky machte ein dumpfes Geräusch, als ich sie entkorkte und vor dem Hintergrund des leise rauschenden Meeres erschien es mir plötzlich wie der traurigste Laut der Welt.
Ich würde ihn verlieren, heute Abend. Für immer. 
Vorsichtig lehnte ich mich mit dem Rücken gegen einen der Felsen, bevor ich ihm die Flasche reichte. 
"Wie sind wir bloß hier geendet, hm? Single, frustriert und alt. Auf uns, du alter Hausdrachen." Ich lächelte schwach und neigte den Kopf ins Sonnenlicht.

Reply Edited on 09/13/2017 10:47 PM.

Mortimer
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Re: Lover's Bay

from Mortimer on 09/21/2017 04:55 PM

Ich war ein wenig geschockt, dass er apparieren konnte. Zuerst brauchte ich ein Weilchen um mich von dem Schwindelgefühl zu erhohlen - als Elementmagier war man sowas einfach nicht gewöhnt - und sah ihn dann erstaunt an.
"Perry, seit wann kannst du sowas?", fragte ich ernsthaft neugierig und vergessen war für einen Augenblick mein baldiges Schicksal. Allerdings nur für kurze Zeit, denn das musste ihn alle Kraft gekostet haben, es zu lernen und anzuwenden. Etwas, was mein Körper nie hätte tun können. Vielleicht früher mal, wenn die Dinge nicht so gekommen wären, wie sie waren.

Dankbar hielt ich mich an seiner Schulter fest, als er mich stabilisierte und ich gemütlich sitzen konnte und endlich die Sznerie vor uns beachtete. Ein kleines, trauriges Lächeln umspielte meine Lippen, denn es war wundervoll. So wundervoll, dass ich froh war, dass es das Letzte sein würde, was ich mit Perry noch sah. 

Ich hustete kurz, in eine Serviette und versteckte diese, wobei die freie Hand an meine Brust über meinem Herzen ging, es schmerzte höllisch beim Husten. Ich wusste, dass an der Serviette Blut sein würde, aber das brauchte er nicht sehen. 

Wann hatte er das alles vorbereitet? Hatte er gewusst dass ich aufwachen würde? Oder es gehofft? Was wäre gewesen, wenn ich nicht gekommen wäre? Ich schaltete meine Gedanken ab, denn die Zeit war zu kostbar in diesem Augenblick, um sie an sowas zu verschenden.

"Ich hab immer auf dein Hochzeitsantrag gewartet, das ist frustrierend", scherzte ich und prostete ihm zu. Ich nahm einen winzigen Schluck, nur um den Geschmack noch einmal auf der Zunge zu haben. Aber beim Rest würde ich nur so tun. Ich brauchte meine Zeit nicht weiter zu kürzen, viel mehr zum kürzen war nicht mehr übrig geblieben. 

Der Sonnenuntergang war wunderschön. Es fühlte sich an, als würde die Nacht mich holen. Ich wurde müder mit jedem Zentimeter, den die Sonne weiter im Meer versank.




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Perry
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Re: Lover's Bay

from Perry on 09/25/2017 10:08 PM

"Ist nicht so wichtig", murmelte ich leise, aber natürlich gab es einen Grund, aus dem ich monatelang geübt und bis zur völligen Erschöpfung trainiert hatte, um den magischen Trick zu beherrschen. Ich hatte nur zwei Strecke im Kopf, die ich einigermaßen sicher konnte - und diese trainierte ich schon viel zu lange.
Das Krankenhaus.
Lover's Bay.
Keine Ahnung, wann ich angefangen hatte, unseren Abschied zu planen, aber es war zu früh gewesen. Und jetzt hatte es trotzdem viel zu wenig Zeit gebraucht, um uns beide hierhin zu führen.
Wenn ich ihn gehen ließ - dann nicht einfach so.

Ich beobachtete, wie er einen kleinen Schluck nahm und legte ihm meine Hand auf den Rücken, als er von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. Er sollte wissen, dass ich da war, und dass ich nicht gehen würde. Bis zum Ende. Das hatte ich mir und ihm geschworen, in dem Moment, in dem ich in der ersten schlimmen Nacht an seinem Bett gewacht und gebetet hatte, dass er wieder aufwachen würde.
Ich war nie gläubig gewesen - aber ich hatte es versucht, für ihn, ein kleiner Hoffnungsschimmer, ihn nicht auf ewig zu verlieren; doch jetzt, wo er bebend neben mir saß und nach Luft ring, konnte ich nicht anders, als die Augen zu schließen und mir das Lächeln zurück aufs Gesicht zu kämpfen, obwohl ich wusste, dass wir uns nicht wiedersehen würden, nach diesem Abend. 

"Nichts ist hier frustrierend", grinste ich leicht und stützte ihn weiter mit der Hand am Rücken, sodass er sich an mich lehnen konnte, während ich den Korb erneut heran zog, und hinein griff.

Vorsichtig griff ich nach seiner zitternden Hand und umschloss sie - er war eiskalt. 
"Lass mich jetzt nicht im Stich", murmelte ich und mein Gesicht traf auf sein Haar, als wir weiter aneinander rutschten - "Mo Yang, du unglaublich verschrobene, bemitleidenswerte Jungfer...", begann ich leise und mein Lächeln wurde breiter, wenn auch trauriger, "Du absolut unverständlicher, verwahrloster Wirrkopf, du; die Welt wird ein besserer Ort wenn wir sie nicht mehr mit unseren Wetten darüber terrorisieren, wer von uns das erbärmlichere Dasein führt - aber verlass sie wenigstens nicht als gottverdammter Witwer." 
Vorsichtig hielt ich ihm den Ring hin, bereit, um ihm dabei zu helfen, ihn aufzustreifen.
"Willst du mich heiraten, du Strohkopf?"
Und jetzt flossen sie doch, die verdammten Tränen. Und gleichzeitig lachte ich. Wieso war bloß alles so unheimlich unfair.

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Mortimer
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Re: Lover's Bay

from Mortimer on 11/01/2017 06:20 AM




Nichts ist hier frustrierend.

Nein ... Die Art wie er guckte und das sagte lies mich schlucken und ihn nur anstarren, als er sich abwandte und aus dem Korb ... Nein. Mein Inneres zog sich schmerzhaft bei dem Anblick zusammen. Und als er begann zu sprechen begannen die Tränen unkontrolliert zu laufen bei dem Gedanken, dass er all das hier vorbereitet hatte ... 

Für unseren Abschied.

Schluchzer schüttelten mich, als ich sprachlos den Kopf schüttelte, Wangen feucht, Gesicht verzerrt zwischen Qualen und Glück ... Glück einen solch guten Freund - einen Bruder an meiner Seite zu haben, der durch diesen Schmerz mit mir gehen würde. 

Ich stützte meine Hand an seiner Schulter ab, als ich keine Kraft mehr hatte und lehnte mich mit schüttelndem Kopf gegen ihn. "Du Spinner", brachte ich weinend und teilweise lachend heraus, aber das Lachen erstrickte schnell als wieder ein Beben durch mein Körper zerrte und mich wieder schluchzen ließen. 

"Das ist nicht fair .. das ist alles nicht fair, Perry", brachte ich verzweifelt heraus und klammerte mich verzweifelt an meinen besten Freund, ich kniff die Augen hilflos zusammen und ließ die Tränen fallen und spürte, wie mich die Energie langsam verließ.

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
// #LeMeAmHeulen.

Reply Edited on 11/01/2017 06:21 AM.

Perry
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Re: Lover's Bay

from Perry on 11/05/2017 09:11 PM

*Mein Schreib-Soundtrack*

Als ich mich wieder umdrehte, weinte Mo. Nicht nur kleine, feuchte Augenblicke, nein - er weinte große, verzweifelte Schluchzer, die die ganze Ungerechtigkeit dieser Situation viel zu passend und schrecklich ausdrückten. 
"Hey", meinte ich leise und begann, zu blinzeln, denn wenigstens einer von uns beiden alten Tanten musste doch hier die Fassung bewahren - "Hey..." 
Meine Hände fuhren haltlos über seine bebenden Schultern, den zitternden Kopf und fanden schließlich halt in seiner Lockenmähne, die trotz allem noch stolz stand wie am ersten Tag. Ich spürte, wie ihn die Kraft verließ und zog ihn noch ein Stück näher zu mir, um ihn stützen zu können, und als er begann, zu reden, spürte auch ich die erste heiße Spur auf meiner Wange. 
"Hör auf", murmelte ich mit einem traurigen Lächeln, und er hörte auf, in der nächsten Sekunde, doch das war auch nicht, was ich wollte. Eigentlich wollte ich doch gar nichts - nur, dass er nicht sterben würde. 
"Ssssh", murmelte ich und fuhr ihm erneut durch die Locken, mit meinem frisch beringten Finger - und plötzlich packte mich Verzweiflung.

Er durfte nicht gehen.
Nicht so.
Weinend und traurig, verzweifelt und gebrochen - 
"Hey", wiederholte ich das traurige, verlorene Wort in der Stille, die sich in meiner Brust ausbreitete, und ich sorgte dafür, dass er sich bequem anlehnen konnte, an mir, wobei ich nicht aufhörte, ihn festzuhalten. Damit würde ich nie wieder aufhören, das schwor ich bei allem, was mir heilig war.
"Hör mir zu", murmelte ich und meine Stimme klang rau, trotzdem riss ich mich zusammen, "Hör mir zu. Weißt du noch, wie wir uns damals getroffen haben? Ich war schon alt und frustriert und du noch jung und knackig?" Ein tränen getränktes Lächeln kämpfte sich auf mein Gesicht. "Hat sich nichts verändert, seitdem... wir sind immer noch die alten Vollidioten."
Ich griff nach seiner kalten Hand und hielt sie fest umschlossen.
"Verheiratete Idioten, immerhin", fügte ich dann leise hinzu. "Ich weiß noch genau, wie du damals im Flur standest. Dieses Funkeln in deinen Augen. Dieses Grinsen. Du bist und bleibst ein alter Teufelskerl. Die Welt hat sich um dich gedreht, nicht du um die Welt. Und so ging es mir auch. Du bist ein Wirbelsturm, Mo. Ein verboten attraktiver, wunderbar bescheuerter Wirbelsturm. Und du hast alles gelebt. Was auch immer dich auf der anderen Seite erwartet, die werden dich lieben. Und ich..."
Ich schluckte, weil ich die Tränen nicht länger zurückhalten konnte. Ein Zittern ging durch meinen Brustkorb und ich schloss die Arme um seine kraftlosen Schultern - "Tja, auf mich musst du wohl warten, Schätzchen." 
Mit einem stummen Schluchzen ließ ich das Gesicht sinken, aber ich hörte nicht auf, zu Lächeln. Mein bescheuerter, bester Kumpel mit der Kamera. Die Locken. Die Sprüche. Den kleinen Funken Traurigkeit, den er nie verloren hatte, beim Lachen. 

Ich wusste nicht, wie es ein Leben ohne ihn geben sollte. 

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Mortimer
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Re: Lover's Bay

from Mortimer on 11/09/2017 02:09 PM



Ich beruhigte mich wieder als ich müder wurde und musste am Ende sogar lächeln. Meine Augenhöhlen waren schon rot und tief von der Anstrengung dazubleiben, wachzubleiben. Aber viel länger würde ich es nicht mehr schaffen.

"Hey, Perry", sagte ich sanft und irgendwie ... irgendwie machte sich in mir ein innerer Friede frei. "Ich werde auf dich warten, Per ... Mit meiner Familie. Aber versprich mir .." Ich wurde müder, schluckte noch ein letztes Mal. "Mach's nicht wie ich. Bleib keine ewige Witwe. Dafür liebe ich dich zu sehr .. Spinner."

Meine Augen schlossen sich, als mich die Müdigkeit übermannte und ich driftete mit einem sanften Lächeln davon, als die Sonne im Horizont seine letzten Strahlen auf uns warf und dann im Meer versank.

___

R.I.P. Mortimer Yang.

Reply Edited on 11/09/2017 11:29 PM.

Perry
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Re: Lover's Bay

from Perry on 11/18/2017 01:01 AM

Ich lauschte seinen Worten und schwor mir, jedes einzelne für immer bei mir zu behalten - diese letzten Momente, seine letzten, ruhigen Atemzüge und die dämlichen Witze, die wir seit Jahrzehnten austauschten... ich blinzelte und kämpfte die Tränen zurück, aber ich hatte bereits verloren.
Während wir da lagen und ich seine kalten Hände umschlossen hielt, spürte ich, wie seine Atemzüge immer flacher wurden und seinen Körper die Kraft verließ - es war grausam. Verzweifelt schloss ich meine Arme fester um seine Schultern, in der Hoffnung, ihn hier halten zu können, nur noch ein paar Sekunden, Minuten, in denen ich nicht der schrecklichen Wahrheit ins Auge blicken musste, wie unfair und mitleidslos diese Welt war.
Er hätte so viel besseres verdient, nach allem, was er durchgemacht hatte... 
Die Sonne leuchtete rot in unsere Gesichter und malte das letzte bisschen Farbe auf seine blasse Haut, und ich wusste nicht mehr, wie lange ich da gehockt und ihn sanft hin und her gewogen hatte, bis mir klar wurde, dass er meine leisen, beruhigenden Worte nicht mehr hörte. 
Eine verlorene Hand wanderte in die Lockenpracht meines besten Freundes, in der Hoffnung, noch irgendetwas zu finden, was mir sagte, dass er noch hier war, aber es war zu spät. 
Egal, wie laut seine Worte noch in meinem Kopf hallten, ich schaffte es nicht mehr, an ihre Bedeutung zu glauben. Mit geschlossenen Augen knickte mein Rücken über seinem leblosen Körper ein und dann brach sie aus mir, all die Trauer und Wut und Verzweiflung, die ich für ihn zurück gehalten hatte, all die Jahre... - ich hatte den Optimisten gespielt, immer an das beste geglaubt und mit ihm herum gealbert - aber der Schrei, der sich nun in mir aufbäumte, fasste die andere Seite der letzten Monate viel, viel besser, und viel, viel grausamer zusammen. 
Keiner antwortete meinem einsamen Schrei der Verzweiflung und so verließ mich sämtliche Kraft, ich sackte zusammen, hielt sein Gesicht in meinen Händen und ließ die Tränen über meine Wange auf seine laufen, als könnte ich so das Leben zurückholen, das aus seinen Augen gewichen war.
"Das kannst du mir nicht antun", flüsterte ich und strich ihm durch die Haare, immer und immer wieder, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen - er war so lebendig gewesen, all die Zeit, so lebendig und schillernd, und nun lag er da, unheimlich klein und blass und ich konnte nicht fassen, ihn nie wieder lachen zu hören. 
Es dauerte lange, bis ich aufhören konnte, ihn zurückzurufen. Es war bereits dunkel. Und ich blieb sitzen, Mo's leblosen Körper in meinen Armen und das rauschende Meer aus der Dunkelheit klingend - ich konnte ihn nicht loslassen. Nicht, nach allem, was wir durchgemacht hatten. 

Es dauerte Stunden, bis ich wieder stehen konnte. 
Aber Monate, bis mein Lächeln zurück kam.

- Thread frei, I guess... R.I.P. Mo :( -

Reply Edited on 11/18/2017 01:02 AM.
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