Klassenzimmer für Zaubertränke

First Page  |  «  |  1  ...  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  »  |  Last [ Go to bottom  |  Go to latest post  |  Subscribe to this topic  |  Latest posts first ]


Yvette
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Yvette on 03/10/2017 06:08 PM

Da er nicht weiter erzählte, musste ich mich damit wohl zufrieden geben. Na schön... aber bei unserer nächsten Begegnung würde ich darauf rumreiten, darauf konnte er wetten.
"Okay", willigte ich mich ein und entspannte mich wieder.
Phils Zuspruch freute mich sehr. "Ich hoffe es", erwiderte ich lächelnd und fuhr mir durch meine Haare. Ich hatte mir immer ein Kind gewünscht und beherrschte auch alles, was man wissen musste - ich hatte schon in jungen Jahren meine Geschwister fast alleine erzogen -, aber ein wenig unsicher war ich natürlich. Vor allem wegen dem Vater.
Das brachte mir die Überleitung zum wichtigen Thema. Ich richtete mich ein wenig auf und wurde ernst. "Ich wollte mit dir wegen dem Vater reden-"
Plötzlich lief etwas Warmes an meinen Beinen hinab. Erschrocken sah ich an mir runter, nur sah ich wegen dem Bauch nicht viel.
"Oh je, schlechter Zeitpunkt." Schockstarr stützte ich mich hinten am Pult ab, spürte die Flüssigkeit an meinem Bein - die Fruchtblase musste geplatzt sein.
"Ähm... Phil?", Hilfesuchend sah ich ihn an und machte einen Schritt auf ihn zu, als die erste Wehe mich schon erfasste und ich mich nach Luft schnappend vorbeugte. Wow, es tat tatsächlich weh. Aber irgendwas sagte mir, dass es noch schlimmer werden würde.  

Reply

Phil
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Phil on 03/10/2017 06:16 PM

Im Grunde hatte ich nur darauf gewartet, dass sie mit mir über das heikle Thema sprach, deshalb lehnte ich bereits an einem der Tische und musterte sie abwartend - ich hatte absolut keine Ahnung, was mich erwartete, aber auf das, was nun folgte, hätte mich nichts in der Welt vorbereiten können. 
Ich folgte Yvettes panischem Blick zu ihrem Bauch - etwas irritiert sah ich wieder auf, dann schoss ein furchtbar ungünstiger Gedanke durch meinen Kopf und ihm nächsten Moment starrte ich fassunglos ihre Hose an -
"Oh nein", murmelte ich leise, und dann schien auch Yvette zu realisieren, was gerade passiert war, jedenfalls taumelte sie leicht gegen das Pult und knickte im nächsten Moment ein.
Ähm... Phil?
Noch bevor ich irgendwie reagieren konnte, begannen meine Gedanken zu kreiseln und im nächsten Augenblick war alles in meinem Kopf voll mit Lou, schreiend, hysterisch und dieses verdammte Blut überall -
"Nein!", rief ich und sprang auf, "Nein, das kannst du nicht bringen, Yvette! Ich... ich ich... ich dachte Mai!!" Anklagend, verzweifelt und hilflos zugleich machte ich einen orientierungslosen Schritt auf sie zu, hob beide Hände, traute mich aber nicht, sie anzufassen. Nicht schon wieder. Nicht. Schon. Wieder.
"Das... du..." Panisch starrte ich auf die Pfütze am Boden, "Du kannst jetzt nicht dein Kind kriegen!!"
Was war, wenn etwas schief ging? Wie sollte ich sie hier weg bekommen? Wir konnten nicht apparieren, nicht, wenn sie in den Wehen lag, und der Krankenflügel war unheimlich viele Stockwerke entfernt... "Was soll ich tun?!", fragte ich panisch und starrte sie an, "Oh Gott, Yvette, was soll ICH TUN?!"  

Reply

Yvette
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Yvette on 03/10/2017 06:26 PM

"Das dachte ich auch", presste ich hervor und klammerte mich an Bauch und Pult. Das konnte jetzt echt nicht wahrsein. Nein, nein, nein. 
Phil sah irgendwie leicht traumatisiert aus, wie er mich mit aufgerissenen Augen anstarrte, die Hände ausgestreckt, als traute er sich nicht, mich anzufassen. 
Absurder Weise erinnerte mich das an die Situation vor einigen Jahren. Zeitgleich mit der Frustration färbte seine Panik auf mich ab und ich starrte ihn aus meiner halb eingeknickten Perspektive heraus mit funkelnden Augen an. 
"Woher soll ich das denn wissen? MACH IRGENDWAS!"
Vor Schmerz schnappte ich erneut nach Luft und versuchte, einigermaßen bei Sinnen bleiben. Wir durften nicht beide am Rad drehen. Eigentlich stände dieses Recht sogar mir zu, immerhin bekam ich hier das Kind, aber ich versuchte, mich zusammenzureißen und sah mich hektisch um.
"Du bringst mich in den Krankenflügel auf dem kürzesten Weg, den du kennst. Immer in den Schmerzpausen", befahl ich dann mit einer Stimme, die keinen Widerspruch zuließ - und eigenlich für störrische Schüler reserviert war - und winkte ihn energisch zu mir. Ohne seine Stütze würde ich keinen einzigen Schritt tun können. 

Reply

Phil
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Phil on 03/10/2017 06:35 PM

Irgendwie hatte ich gehofft, dass wenigstens sie ruhig bleiben würde, aber das war wohl ein bisschen optimistisch gedacht, wenn ich mich daran erinnerte, dass sie von uns beiden gleich einen Menschen aus sich raus pressen würde, und nicht ich. 
Plötzlich funkelte sie mich an, was meine Panik nicht wirklich besser machte und auf ihr MACH IRGENDWAS, begann ich bloß hilflos, mir die Haare zu raufen, bis ich schließlich doch eine differenziertere Arbeitsanweisung bekam. Im nächsten Moment schlüpfte ich unter ihren Arm und stützte sie in den aufrechten Stand, bevor ich anfing, mich in Richtung Tür zu bewegen.
"Bitte bitte schlag mich nicht...", flehte ich und starrte immer wieder verstört auf ihren riesigen Bauch - was würde da raus kommen, ein Troll?! Ich erinnerte mich nur zu gut daran, wie Lou ausgerastet war und dann nach drei Fahrstunden auch noch Auto zu fahren war nicht weniger stressig, als Yvette jetzt souverän durch den Klassenraum zu bugsieren.
"Okay", japste ich, wobei meine Stimme ein paar Oktaven nach oben kippte, "Okay." Woran erinnerte ich mich noch, bei Lou? "Atmen!", rief ich dann und schleppte uns Schritt für Schritt weiter, "Wie eine Eisenbahn! Atmen - und ruhig bleiben!" Wie beruhigte man Leute? Singen! "Aaall of the haaard days are gooone", begann ich ein wenig angespannt zu trällern, "It's all beer and whiskey and soongs from now ooon-"
Wer wusste schon, was der schottische Akzent für schwangere bedeutete, vielleicht half es ja was. Völlig aus der Puste kamen wir bei der Klassentür an und näherten uns der ersten Treppe. 

Reply

Yvette
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Yvette on 03/11/2017 02:52 PM

Schlagen? Ich würde am liebsten auf alles eintrommeln, was in meiner Nähe war, aber dann müsste ich meine einzige Stütze aufgeben. Wenigstens half er mir jetzt. In den Momenten zwischen den Wehen ging es besser, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, das alles wund war. Geschweige denn von der feuchten Hose.
"Eisenbahn? SEH ICH AUS WIE NE DAMPFLOK?" Gut, das war wohl etwas zu harsch, aber mir drehte grade alles komplett durch, als dass ich ruhig bleiben konnte. Eigentlich war ich eine geduldige ruhige Person, aber das hier war eine absolute Ausnahmesituation. Und ich würde mich hinterher bei Phil entschuldigen, aber jetzt ging nix mehr.
Schnaufend ging es die Treppen hoch, danach hatte ich das Gefühl, keinen Schritt mehr gehen zu können. Und Phils Gesinge half auch nicht unbedingt.
"Wenn du nicht die Krankenschwester rufen kannst, sei bitte einfach ... grrr." Ich presste bei der Wehe die Zähne zusammen und hängte mich stärker an Phil, da ich sonst auf dem Boden aufgeschlagen wäre. "Einfach Atem fürs gehen sparen", beendete ich keuchend meinen Satz.  

Reply

Phil
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Phil on 03/12/2017 04:13 PM

Es machte mich unheimlich kirre, dass sie nicht kooperierte, denn ganz ehrlich, ich wusste nicht viel über Geburten, aber das Dampflok-Atmen war im Grunde meine persönliche Spezialität.
"Uff - uff - uff!", begann ich also, in der Hoffnung, sie würde doch noch einsteigen, "Tüt-tüüüt! Genau so, hörst du? Uff - uff - uff" Sie musste doch atmen, wer wusste denn was sonst mit dem Kind passieren würde?!
Ich schrie mit ihr auf, bei der nächsten Wehe, denn seitdem ich wieder mit dem Joggen angefangen hatte, vor ein paar Wochen, plagte mich ein mordsmäßiger Muskelkater, der nicht unbedingt dadurch verbessert wurde, dass sie sich wie eine Ertrinkende an einen metaphorischen Fahnenmast klammerte, der meine Schultern darstellte. 
"Oh Gott... oh... Phew..." Ich machte eine kurze Verschnaufspause mit ihr, als die Wehe durch war und zählte in Gedanken die Stufen, die uns noch bevorstanden... Kinderkriegen war anstrengend, wirklich wirklich anstrengend.
Als wir uns wieder aufrafften und schließlich ins Erdgeschoss taumelten, beschloss ich, Kontakt zu der dritten Person aufzunehmen, die um meinen Hals hing.
"Lass dir Zeit, ja?", sprach ich zu ihrem kugelrunden Bauch, "Hier draußen hat's keiner eilig, ganz im Ernst - lass... lass dir Zeit, Kumpel."
Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf stand, so außer Atem war ich inzwischen. "Wo sind die Hauselfen wenn man sie braucht...", jammerte ich und legte meinen Arm um Yvettes Mitte, um die nächste Treppe, die mir gerade eher vorkam wie der Mount Everest, anzutreten. 

Reply

Yvette
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Yvette on 03/12/2017 05:10 PM

Ich schnaufte nur angestrengt, als Phil einen auf Dampflok machte. Mit Kindern konnte er super, aber mit Schwangeren... es musste an meinen Hormonen liegen, aber hilfreich fand ich das nicht. Ich atmete so gut es ging den Schmerz weg, aber in meinem eigenen Rhythmus. 
Als Phil anfing, mit meinem Baby zu reden, musste ich ein wenig lächeln.
"Es ist ein Mädchen", sagte ich, als wir auf die nächste Treppe zusteuerten. "Und so, wie sie tritt, kommt sie ganz nach ihrem-"
Für den Satz fehlte mir beim Treppensteigen der Atem und mir wurde übel bei dem Gedanken, dass wir noch mehr davon vor uns hatten.  

Reply

Phil
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Phil on 03/12/2017 06:03 PM

"Ganz nach ihrem zukünftigen Alchemie-Lehrer", beendete ich ihren Satz, als ihr die Luft zum Atmen abhanden kam, und hievte uns beide auf die erste Treppenstufe. "Ein wenig verplant, guckt nie in den Kalender."
Ich bemerkte schnell, dass wir hier nicht wirklich weiterkommen würden. Der Muskelkater brachte mich um und jedes Mal, wenn sie die Hand verkrampft in meine Schulter bohrte, weil die nächste Wehe kam, schrien wir ungefähr gleich laut auf und brauchten erstmal wieder ein paar Sekunden, um weiter zu kommen. Bis ich mich umentschied.
"Scheiß drauf", keuchte ich, "So schwer bist du nicht -" Dann schob ich kurzerhand meinen freien Arm unter ihre Kniekehlen und hob sie hoch. Es ging wirklich erstaunlich gut, besser, als sie in einem halben Schulter-Abriss die Treppen hochzuschleppen, deswegen riss ich mich zusammen und nahm die letzten Stufen zügig-  erster Stock.
"Okay", japste ich, "Okay, Pause." Und stellte sie wieder auf die Beine, bevor ich an der Wand hinab rutschte und mir Luft zufächelte, um nicht zu hyperventilieren. "Kannst du - kannst du's noch fünf Minuten drin behalten?", fragte ich und raufte mir die Haare, "Hoolyyy... gib mir... gib mir ne Minute..."  

Reply

Yvette
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Yvette on 03/16/2017 04:50 PM

Ich musste unweigerlich lachen bei seiner Ergänzung. Nicht so ganz das, was ich gedacht hatte, aber ich fand es aus irgendeinem Grund so witzig, dass ich die nächsten Meter kaum Luft bekam und einfach nur kicherte. 
Ich klammerte mich an Phil fest, als er mich hochhob. Dabei verzog ich allerdings das Gesicht, da diese Pose ziemlich drückte.
Aber ich jammerte nicht, sondern atmete einfach. Atmen. Und immer wieder wie betrunken kichern bei der Erinnerung an seinen Satz.
Ich stützte mir die Hände in die Seite und sah keuchend auf Phil hinunter. "Hol Luft, die erste Geburt dauert sowieso einige Stunden und die Wehen haben noch einen längeren Abstand", keuchte ich und strich mir eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht. "Was ich eben eigentlich sagen wollte, dass ihr Vater genauso ungeduldig war. Du kanntest James glaub ich, oder?"
Es war mir sehr unangenehm, dass es ausgerechnet ein Baby von einem One-Night-Stand war. Aber ändern konnte man es eh nicht mehr.  

Reply

Phil
Deleted user

Re: Klassenzimmer für Zaubertränke

from Phil on 03/18/2017 02:45 PM

"Ein paar Stunden...", wiederholte ich wehleidig und starrte ins Leere, "Ich weiß, ich weiß."
Ich konnte mich nicht verdrücken, gleich, das wusste ich jetzt schon. Bei der Geburt meines Neffens hatte ich gottseidank eine Tür zwischen mir und der Furie von Schwester gehabt, bei meiner Nichte hingegen... ich verdrängte die Erinnerungen und erinnerte mich daran, dass Yvette völlig andere Gene hatte als Lou und vermutlich nicht wahllos Krankenschwestern verprügeln würde, während der Geburt.  
"Du solltest zählen", meinte ich, als sie das mit dem Wehen-Abstand erwähnte, "One-sugarplumfairy, two-sugarplumfairies..." Ich brach ab, weil ich Luft brauchte, verdeutlichte mit einer wedelnden Handbewegung aber, dass sie weiterzählen sollte. Das war wichtig.
Als ich mich ächzend wieder aufrichtete, um ihr erneut unter den Arm zu greifen, fing sie wieder vom Vater an, aber dafür hatte ich jetzt ehrlich gesagt nicht wirklich einen Kopf. Immerhin war ich gerade der Mann, der bei der Geburt an ihrer Seite war, und so fühlte ich mich ähnlich verantwortlich wie für meine Schwester damals.
"Ich kenn keinen James", erwiderte ich also angestrengt, und das war nicht mal gelogen - bei dem Namen klingelte absolut nichts bei mir. Mit etwas Mühe ging ich an die nächste Treppe.

Reply Edited on 03/18/2017 02:46 PM.
First Page  |  «  |  1  ...  6  |  7  |  8  |  9  |  10  |  »  |  Last

« Back to forum