Starbucks

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Josh
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Re: Starbucks

from Josh on 11/27/2017 06:27 PM

Du kannst mich nur mit einem Nein enttäuschen.
Aus irgendeinem Grund blieb dieser Satz in meinem Kopf und er kreiste und kursierte dort die ganze Zeit, während ich Elias beim Reden zuhörte.
Gottseidank war er Autor - alles andere wäre eine Verschwendung gewesen. Das, was er mir jetzt sagte, als hätte er nur auf die Chance gewartet, mir seine Gedanken mitzuteilen, traf mich so direkt und so unerwartet, dass ich vergaß, zu atmen.
Alles andere würde ich in Kauf nehmen. All deine Macken.
Keine Ahnung, wieso mich das so mitnahm, aber es war alles, was ich jemals hatte hören wollen, von irgendjemandem.
Und dann redete er von den selben Dingen, die mich beschäftigten, als wären sie ganz selbstverständliche Eigenschaften. Es würde Abende geben, an denen er Abstand brauchte. Genau wie ich... Ich blinzelte ungläubig und einmal mehr wurde mir klar, wie wenig ich von all diesen Dingen verstand. Vielleicht lag es am Reisen. Wenn man sich einen Tag nicht sah konnte der Andere sonst wohin verschwunden sein... vielleicht unterschätzte ich einfach, wie viel komplizierter Liebe war, wenn man kein Zuhause hatte.
"Ich weiß gar nichts", erwiderte ich leise, ohne ihn zu unterbrechen, als er mehr oder weniger fragte, wie viel Erfahrung ich hatte. Eine einzige feste Geschichte, mit Franky. Ein, zwei Monate? Viel zu kurz für das, was ich gefühlt hatte, und wie sehr es weh getan hatte, sie eines Tages nirgends mehr finden zu können. Danach war es immer das selbe Spiel gewesen. Ein, zwei Wochen, vielleicht mehr - aber immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, stets fliehen zu können, wenn es nötig war.
Wie Puzzlestücke.
Ich liebte diesen Vergleich, und wie ich ihn liebte. Er fasste so vieles zusammen, von dem, was andere Menschen an mir nie verstanden hatten - ich bin nicht der selbe, jeden Tag. Es gibt Tage, an denen wusste ich nicht einmal, wer ich war oder sein wollte. 
Das hängt nicht nur an dir, sondern auch an mir.
Plötzlich hielt er wieder meine Hand in seiner und als ich aufsah wurde mir so warm, wie schon lange nicht mehr. Noch immer war ich unsicher - aber kribbelig unsicher. Beinahe... glücklich? 
Als er seinen kleinen Vorschlag schloss, stahl sich ein Lächeln auf mein Gesicht, das ich nicht unter Kontrolle hatte. 
"Das ist so anders, als das, was ich kenne", meinte ich leise und schloss meine Hand ebenfalls um seine, während elektrisierende Impulse durch meine Brust flatterten, "Ich... ich weiß gar nicht..."
Ich stockte und sah ein paar Sekunden in sein Gesicht, bis ich es nicht mehr aushielt.
Im nächsten Moment stand ich und zog ihn ebenfalls auf die Füße, um den Abstand zwischen uns zu verkürzen - meine Hände lagen in seinem Gesicht und ich wusste nicht, wie ich irgendetwas von dem anders ausdrücken konnte, was in mir tobte, als durch ein Zugeständnis, das ich ihm vorher nie hatte geben können.
Es war mir egal, wie viele Leute uns sahen, wer herüberstarrte und er mich erkennen könnten, als meine Lippen auf seine trafen, nicht dominant oder fordernd, einfach nur sanft und bittend und ehrlich. Ich hatte das viel zu lange nicht gemacht - und noch nie so wie jetzt. 
Inzwischen war seine Brust unter meinen Händen mir so vertraut, dass ich gar nicht wusste, wieso ich so eine Angst davor hatte, ihn zu lieben. Er war doch schon immer da gewesen, und nie auf die stressige Art und Weise. Als würde er auf mich warten, wenn ich ihn brauchte, aber mich vorlaufen lassen, wenn ich das Gefühl hatte, atmen zu müssen. 
Als ich mich von ihm löste, atemlos, obwohl wir uns kaum einen Zentimeter bewegt hatten, sah ich ihm weiterhin ins Gesicht.
"Lass uns nach Norwegen", bat ich leise und meine Augen begannen zu glitzern, vor Abenteuerlust und Euphorie, so lieb hatte ich ihn in diesem Moment. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. "Lass uns nach Norwegen und diesen Schritt gehen, zusammen." 
Keine Ahnung, woher all diese Zuversicht kam. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie an ihm und seiner Hand in meiner lag. 

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Elias
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Re: Starbucks

from Elias on 11/28/2017 10:56 AM

Nach dem Kuss sah ich ihn verwundert an. Die anderen Leute waren mir gerade egal. Mir sah man doch eh an der Nasenspitze an, dass ich schwul war und nun hatten die, die sich noch nicht ganz sicher waren, den Beweis, dass ich es wirklich war.
"Lass uns vorher noch die Getränke bezahlen...", schmunzelte ich und deutete auf die Bedienung, die gerade mit einem Tablett an kam.
"Zahlen, bitte.", rief ich ihn und dann griff ich wieder nach den Händen von Josh.
"Norwegen... ich weiß gar nicht, ob ich genug Klamotten dafür habe... haben wir dann auch schon eine Unterkunft? Und willst du sofort los oder erst in einigen Tagen? Dann muss ich noch auf der Arbeit bescheid sagen und mich in der Uni abmelden und ... du? Musst du nicht deinem Bruder bescheid geben, dass du mal kurz nach Norwegen abhaust und das nicht allein?", kam wieder der Fürsorgliche in mir raus, der sich einfach immer und über alles Gedanken machte. Joshs Augen strahlten mich an, als ob ich ihm gerade ein Wundermittel gegen Krebs präsentiert hatte, das als Nebenwirkung Weltfrieden hatte. 
"Egal, was da auch kommt, das machen wir schon... zusammen.", meinte ich dann zustimmend, zu seinem letzten Satz. Immerhin war das sicherlich ein großer Schritt für ihn und ein weiterer für mich. Ob das alles gut ausgehen würde, ich mir in Norwegen nicht den Arsch abfrieren würde oder es sonst wie Probleme geben könnte, die wir beide nun noch nicht absehen konnten, stand noch in den Sternen, aber dieses Gespräch war anders verlaufen, als ich es gedacht hatte und das Ergebnis war vielleicht noch nicht in Stein gemeißelt, aber in den nächsten Tagen würden wir einfach dieses Abenteuer wagen und schauen was dabei heraus kam.

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Josh
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Re: Starbucks

from Josh on 12/03/2017 07:38 PM

"Oh", machte ich leise, und auch ein wenig überrumpelt - erst jetzt realisierte ich wirklich, was ich gerade getan hatte, aber es schien das richtige gewesen zu sein. Elias' Lächeln wirkte ehrlicher, viel glücklicher. Vielleicht war das hier alles, was ich hätte tun müssen; ein kleines Zugeständnis für die Welt um uns herum, obwohl ich all die Zeit gedacht hatte, dass ihn die Welt gar nicht interessierte.
Als er meine Hände mit seinen umschloss, begann ich wieder zu lächeln.
"Ich kümmer mich drum, keine Sorge. In Namibia habe ich einen Norweger kennen gelernt, der wartet seit Jahren darauf, dass ich ihn mal besuchen komme. Und eine Freundin aus Italien wohnt da auch ganz in der Nähe..." Über die Jahre hatte ich mir ein kleines Netzwerk aus Weltenbummlern aufgebaut, und das kam mir immer wieder zu Gute.
"So früh wie möglich", erwiderte ich grinsend. "Guck, wann du Urlaub bekommst, ich hab noch massig Überstunden gut. Und Aaron... ach, der ist bestimmt froh, wenn er seine Wohnung erstmal wieder für sich hat."
Ich konnte noch immer nicht ganz fassen, was hier geschah. War das was man fühlte, wenn man ein wenig mehr als nur verschossen war? Und dann mit Elias, der mich sowieso schon immer nur verwirrte, anstatt aufzuklären? Ich schluckte, aber das Lädcheln wich nicht mehr von meinem Gesicht.
"Zusammen", wiederholte ich lächelnd, und auch ein klein wenig ungläubig, aber irgendwie hatte ich mich wohl inzwischen damit abgefunden, was sich gerade in meiner Brust regte.
Es gab noch einen kleinen, verhaltenen Kuss auf seine Wange, dann kramte ich in meinen Hosentaschen nach Geld und bezahlte die Bedienung, die mit einem wissenden Grinsen neben uns wartete. Elias' Drink übernahm ich einfach direkt mit.
"Das wird toll", meinte ich, und ich war mir sicher in dem, was ich sagte. "Das wird richtig toll. Ich geh packen. Oder noch nicht? Was denkst du, wann wir los können?" Die Aussicht darauf, endlich wieder ein bisschen durch die Welt zu reisen, machte mich total hibbelig. 

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Elias
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Re: Starbucks

from Elias on 12/04/2017 05:05 PM

Ich musste auflachen, als er gleich so mit der Planung anfing und nahm seine Hand fester in meine.
"Glaub mir, wir kommen noch früh genug dahin.", meinte ich locker und lehnte mich etwas weiter zu ihm rüber. Je näher ich ihm war, desto mehr blendete ich die Menschen um uns herum aus. 
"Du kannst aber schon mal etwas packen und pack ruhig etwas mehr ein, ich weiß nicht was mich erwartet und wir haben ungefähr die gleiche Größe....", sagte ich gleich und seufzte dann, als ich mich von ihm etwas weiter entfernte und die Bedienung rief, um den [was auch immer er da bestellt hat] zu bezahlen. Danach ging es relativ schnell, die Finanzen waren geregelt. Danach standen wir auf und gingen aus Starbucks raus. Als wir uns durch die Menschenmassen gekämpft hatten, machte ich meine Jacke zu und sah etwas unschlüssig zu Josh rüber. Es juckte mich wahrlich in den Fingern einfach seine Hand zu ergreifen und Händchenhaltend unseren gemeinsamen Weg durch die Stadt anzutreten, aber da würden sicherlich komische Blicke kommen. Doch so wie Josh gerade bis über beide Ohren strahlte, schien ihn das nicht weiter zu stören. Also tat ich es einfach und nahm seine Hand. Dann zog ich ihn etwas mit mir.
"Ich werde morgen bei der Arbeit bescheid geben, es wird schon gehen und dass dein Bruder sicherlich froh ist, kann ich mir vorstellen, vielleicht stellst du ihn mir ja dann mal nach dem Tripp vor. Dann lerne ich auch mal andere Zauberer kennen.", stubste ich ihn und ja, je länger ich mich mit dem Gedanken anfreundete, dass wir zwei einen sehr spontanen Tripp machten, umso mehr konnte ich mich auch selbst darauf freuen. Es würde mir vielleicht auch zeigen, was Josh an seiner Weltenbummlerei so liebte und was ihm daran Freude bereitete. Wir könnten uns selbst besser kennen lernen und schauen, ob wir auch auf diesem anderen Gebiet zueinander passten.

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Josh
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Re: Starbucks

from Josh on 12/06/2017 11:38 PM

Ich bekam das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Ich würde wieder packen, heute Abend - und diesmal für zwei! Zum allerersten Mal in meinem Leben würde in meinem Rucksack nicht nur das sein, was ich brauchte, sondern das, womit ich für jemand anderen sorgte. Es war ein unheimlich beflügelndes Gefühl, für jemanden verantwortlich zu sein, jemanden, der mir tatsächlich zutraute, mich um etwas kümmern zu können -
ich realisierte erst, wie leer sich meine Hand angefühlt hatte, als Elias seine hineinlegte. Noch im selben Augenblick umschloss ich sie fest und lächelte ihn an, während wir durch die Londoner Einkaufszone gingen, wie selbstverständlich, als hätten wir das schon immer getan.
"Perfekt", erwiderte ich beschwingt, bis er das mit meinem Bruder sagte. "Mal sehen", murmelte ich etwas gedämpfter, "Vielleicht ist er gar nicht Zuhause." Das hoffte ich zumindest - denn ich wusste wirklich nicht, wie Aaron auf Elias reagieren würde, wenn er verstand, wer er für mich war. 
Trotzdem zwang ich mir das Lächeln zurück aufs Gesicht.
"Das wird schon werden", meinte ich möglichst positiv und zog ihn noch einmal an mich, um ihm einen langen, glücklichen Abschiedskuss zu geben. Prickelige Wärme fuhr durch meinen ganzen Körper und plötzlich wusste ich nicht mehr, wie ich jemals ohne dieses Gefühl hatte atmen können.

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Elias
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Re: Starbucks

from Elias on 12/08/2017 11:21 AM

Eigentlich wollte ich mich noch nicht verabschieden, weil die Hormone und das taumelnde Glücksgefühl mich noch fest im Griff hatten, doch wir mussten getrennte Wege gehen, damit jeder das erledigen konnte, was er noch vor der Reise nach Norwegen machen musste.
"Ich bin gespannt, wie das Essen da wohl ist. Ich nehme mal an, Ikea bietet eher keinen Vergleich mit der norwegischen Küche, oder?", mal abgesehen davon, dass Ikea schwedisch war, aber skandinawisches Essen war wohl sehr speziell, vor allem wenn man es nicht gewohnt war. Doch ich hatte noch die Hoffnung, dass es auch mitteleuropäische Spezialitäten da gab und Pizza.
"Ich ruf dich heute Abend an und dann können wir gemeinsam besprechen, was wir alles mitnehmen müssen  und wann es los geht... ich bin noch nie apperdingst. Tut das weh?", wollte ich wissen und sah Josh voller Vorfreude auf unseren gemeinsamen Tripp an. Für ihn war der Schritt wohl ebenso besonders wie für mich, immerhin hatte ich dann einen Zauberer als Freund, einer dessen Welt mir keine Angst einjagte sondern mich eher faszinierte. Ob sie auch so offen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen waren, wusste ich natürlich nicht, ebensowenig wie seine Familie oder der Teil, der noch mit ihm zu tun hatte auf diese Nachricht reagieren würde, aber da war mein Kopf wohl schon weiter als mein Herz. Das genoss einfach nur dieses Glücksgefühl und dieses Kribbeln im Bauch, was gerade in meinem Körper vorherrschte.

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Josh
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Re: Starbucks

from Josh on 12/14/2017 11:54 PM

"Das Essen wird spitze sein", versicherte ich ihm, aber vermutlich hätte Elias nach jedem Merkmal von Norwegen fragen können, und ich hätte ihm alles versprochen, was mir eingefallen wäre. Er durfte jetzt bloß keinen Rückzieher mehr machen. 
...was, wenn er einen Rückzieher machte?
Plötzlich wurde mir bewusst, wie krass ich mich hatte fallen lassen, für ein paar Minuten, völlig ohne daran zu denken, wie es ihm ging. Noch grinste er, lachte genau so euphorisch wie er, aber was, wenn Norwegen ihm nicht gefallen würde? Wenn... ich ihm nicht gefallen würde? 
Ich schluckte und würgte die dunklen Gedanken fort. Daran wollte ich nicht denken. Nicht jetzt, wo alles so perfekt schien.
Ich ruf dich heute Abend an.
Das klang wie ein Versprechen, das mir noch kein Mensch gegeben hatte. Er war so süß, wie er nach dem Apparieren fragte... ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, und ich konnte nicht anders, als seine Hand fester zu umfassen, bevor ich sie losließ.
"Keine Sorge", erwiderte ich, "Ich werd schon aufpassen. Da passiert nichts."
Plötzlich war ich der Verantwortliche. Der, der sich auskannte. Der, der mehr wusste, als die Anderen. Was für ein abgefahren neues Gefühl das war... Erneut fiel mein Blick in Elias' Gesicht und das Strahlen aus seinen Augen überzeugte mich endgültig davon, das richtige zu tun, in diesem Moment. Wir würden nach Norwegen gehen, und es würde uns beiden gut tun. Wer wusste schon, wohin das alles führen würde, aber das war auch nicht wichtig, im Endeffekt.
Nach dem Kuss lächelte ich ihn ein paar Sekunden einfach an.
"Ich freu mich drauf", meinte ich ehrlich, dann gelang es mir, mich von ihm loszueisen und die Straße hinunter zu laufen, in eine andere Richtung als er.

- Thread frei - 

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