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Isaac

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Ravenclaw Abgeschlossen Reinblut Hogwarts Glanmore Universität in Hogwarts Unentschlossen Journalist Buchclub Pessimist Autor Anti-Offenbarung

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Re: Postfach von Elisa O'Sullivan

from Isaac on 07/29/2017 08:21 PM

Der zerknitterte Briefumschlag ist voll mit beschriebenem Pergament. Er enthält einen ganzen Prolog in Isaacs Handschrift und eine kleine, hastig gekritzelte Notiz.


Elisa,

nach kalten Tagen fühlen sich die folgenden meist besser an.
Ich hoffe inständig für dich, dass es bald wärmer wird.

Pass auf dich auf,
Isaac.

    

Reply Edited on 07/29/2017 08:22 PM.

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/28/2017 04:11 PM

"Elisa...", sagte ich leise als ich ihren Umschwung bemerkte. Womöglich hätte ich sogar damit rechnen müssen, dass sie gerade jetzt nicht bereit wahr ein wenig Wahrheit zu hören und ich war nicht feinfühlig genug, um sie mit meinen Worten zu verschonen. Doch es störte mich, dass sie mir eine Form geben wollte, die ich nicht war. "Du musst nicht gehen." Noch während ich es aussprach wusste ich, sie würde es dennoch tun. Der Ekel und Misstrauen in ihrer Stimme sprach dafür. 
"Mir ist egal was er über uns beide denkt", war dazu das einzige, was ich noch zurück gab. Schließlich konnte es ihr doch ebenfalls egal sein, was er von und über uns beide dachte. Er würde sich so oder so über mich lustig machen. Ihre Gedanken um ihn bereitete mir ein wenig Misstrauen, allerdings dachte ich nicht weiter darüber nach. Elisa war Elisa. Und ich würde nicht den Versuch unternehmen, ihre Gedankengänge zu erahnen, während sie sich eine eigene Welt mit Fakten zurechtlegte, wie es ihr beliebte. Als wäre dies alles ein Spiel. Ein ziemlich abgefucktes Spiel. Auch wenn ich nicht gerade fürsorglich gewesen war, hatte ich Mitleid mit ihr. Elisas blonder Haarschopf verschwand aus meinem Sichtfeld und ich heftete meinen Blick auf auf die funkelnden und blinkenden Lichter des Festivals. Die fröhliche Geräuschkulisse stand im Kontrast zu dem was ich gerade empfand. "Großartig", sagte ich leise zu mir selbst und lehnte mich erst auf der Band zurück und hielt einen Moment inne, bevor ich seufzend aufstand und ebenfalls den Heimweg antrat. Hierher zu kommen war eine miserable Idee.


~ Thread frei. c: 

    

Reply Edited on 07/28/2017 04:15 PM.

Isaac

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/27/2017 12:19 PM

„Und woher weißt du das alles?", hakte ich mit einem wissenden Lächeln auf den Zügen nach. Das Lächeln, das meine Mutter so hasste, weil sie meinte es ließe mich besserwisserisch aussehen. „Weil du gelegentlich halb bei Sinnen bei mir schläfst?" Meine Stimme klang nicht hart, im Gegenteil. Viel mehr wagte ich den Versuch ihr sanft zu verdeutlichen, dass sie mich geradeheraus wie eine Figur in ihrem Leben beschrieb. Sie sprach so selbstverständlich von mir – einer Nebenrolle ihres Lebens, in ihrem Kopf zurecht geformt – als würde sie alles über mich wissen. Alles. Meine Motive, meine Taten, meine Wünsche und Träume. Wahrscheinlich hätte es mich gestört, würde mir ihre verkrampfte Haltung nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Was ich mit meinen Worten verdeutlichen wollte, war wohl klar. Elisa kannte mich kaum. Und es beschlich mich das Gefühl, dass sie mich gerade so darstellte, wie sie mich einfach gerne sah. So, wie es ihr beliebte. Dabei sprach sie viel zu gut, selbstlos und viel zu unschuldig von mir.
Sanft strich ich Elisa ein letztes Mal mit dem Daumen über ihren Handrücken und sagte leise „Lehn dich nicht zu weit aus dem Fenster", bevor ich ihre Hand losließ. „Leute in eine Schublade zu stecken ist eine grässliche Eigenschaft. Ihnen zu sagen was sie fühlen, wie sie handeln und weshalb, ist noch schlimmer."
Beide meiner Hände umfassten ihre, drehten sie sanft bis ihre Handoberflächen zum Himmel standen und die roten, leicht blutunterlaufenen Halbkreise deutlich auf ihrer blassen Haut zum Vorschein kamen. Ich hatte lange aufgehört mir das Recht zu geben, mir einbilden zu können, was andere Menschen fühlten. Es gab eine bessere Perspektive zum Schreiben. Und es hatte der ein oder anderen Person einen Platz in meinem Bett eingebracht, wann immer sie es brauchte. Elisa konnte sich gerne einreden, dass ich nicht mit ihr schlief, weil es mir ach so edel wiederstrebte. Ich hatte mich mit dieser Frage längst ausführlich auseinandergesetzt; Sie war einfach zu kaputt. Sie selbst war es, die mich abstieß. Und nicht der Gedanke an irgendetwas moralisches, an erster Stelle. Doch ihr dies ins Gesicht zu sagen, ersparte ich ihr. Es war mein Blick von dem ich hoffte, dass er sie auf den Boden der Realität zurückbrachte. Niemand würde kommen und sie rauskämpfen. Nicht einmal ich. Das musste sie schon selbst tun.
Meine Augen glitten über ihre Handflächen, während ich sie dennoch schmunzelnd um den Namen der Tierschutzorganisation korrigierte. Nur einen Moment, dann ließ ich sie erneut los und lehnte mich weiter nach hinten um mein surrendes Handy zu checken. Ich antwortete auf eine Nachricht, hörte Elisas Worten nur mit halben Ohr zu, bis sie mir das Teil aus der Hand nahm und durch meine Telefonliste zu scrollen begann. Allein durch meine Arbeit war sie nervig lang, doch irgendwie schaffte sie es direkt bei Darrens Namen hängen zu bleiben.
„Du missbrauchst mich seit ein paar Monaten als Kissen und hast nie auch nur Anstalten gemacht dich zu entschuldigen oder zu bedanken." Es war eine Aussage, kein Vorwurf. „Was möchtest du wirklich von ihm?"
Ich schaffte es nicht, die Argwohn aus meiner Stimme zu vertreiben. Darren schaffte es auch so, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Das alles, obwohl seine Karriere gerade steil bergauf ging. Ein Teil von mir wusste, dass Elisa ihm nicht guttun würde, weshalb ich sie mit gerunzelter Stirn anblickte.

    

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/27/2017 01:03 AM

„Dir ist klar, dass das gerade absolut keinen Sinn ergibt?" Ich blickte Elisa mit einem zweifelnden, sowie amüsierten Lächeln an. „Tu' bitte nicht so als sei ich ein Looser, nur weil ich mich nicht jedes Wochenende abschieße oder, keine Ahnung, kein Tinder habe." Obwohl ich die Worte mit zuckenden Mundwinkeln aussprach, lag ein ernster Unterton darin. Ich war älter als sie. Und um einiges reifer. Eine solche Aussage, gleich nachdem sie zugegeben hatte sich nicht einmal mehr an den laufenden Wachsmalstift erinnern zu können, kam mir etwas weit hergeholt vor. Vor allem war dies nicht wirklich etwas, was jeder Mann über sich hören wollte.
In ihren Augen lag ein Ausdruck, den ich nicht richtig deuten konnte. Vielleicht lag es daran, dass ich nie lange genug mit Elisa redete oder im Allgemeinen selten auf ihre Mimik achtete, doch heute wirkte sie besonders zerbrechlich. Dieses fragile war es, dass mich zu Beginn unserer Konversation am Gehen gehindert hatte und es immer noch tat. Wäre Elisa wieder das typische Miststück gewesen, so hätte ich nicht lange überlegt und wäre den Nachhauseweg angetreten um überschwänglichen Küssen an meine Halsbeuge und ihren Fingern an meiner Brust zu entkommen, doch sie redete normal. Es lag kein Säuseln in der Stimme, noch streckte sie fast lächerlich ihre Brust heraus. Der Wollpulli wirkte so deplatziert an ihr und dem Bild, dass ich in meinem Kopf von ihr hatte, dass es mich fast störte.
„Hier sind Tauben, weil du mich abgelenkt hast. Vielleicht ziehst du sie auch an, wer weiß?" Ich schmunzelte halblebig und sog das Nikotin in meinen Körper. „Es wäre praktischer wenn du Kreativität anziehen würdest." Mein Blick suchte erneut ihren und für einen kurzen Augenblick sah ich sie einfach nur an. Wenn Elisa wüsste, wie viel ich bereits über sie geschrieben hatte, wäre sie entweder geschmeichelt oder wirklich sauer. Beides war recht realitätsnah, so war ich schon immer sehr, sehr ehrlich gewesen, was meine Texte anging. Vielleicht auch ein wenig unfair, doch dieselbe Frage stellte sich mir bei allen Menschen, über die ich je geschrieben hatte. Und das waren einige. Einige Texte, die niemals jemand lesen würde.
Die aufgerauchte Kippe schnippte ich auf den überfüllten Mülleimer und traf zu meiner Überraschung sogar. Um uns herum verlor die Menschenmasse an Dichte, je später es wurde. Die Straßenlaternen waren längst angegangen und die umherstehenden Attraktionen beleuchteten den gesamten Platz.
„Das grüne Kleid ist schrecklich", antwortete ich ihr mit einem schnalzen der Zunge und fuhr mir über meinen unordentlichen Dreitagebart. „Sowieso hatte sie etwas Gelbes an. Und Schwarzes. Ja, sie sah tatsächlich aus wie eine Hummel. Eine überdimensionale Hummel, Elisa." Ihr Lächeln bestätigte mich in meinem Versuch sie aufzumuntern und so machte ich weiter. „Sie brauchen nun alle Sonnenbrillen. Das ist eine Marketingkampagne mit Beyonce, damit die Nachfrage an Sonnenbrillen steigt. Ich habe mitgemacht, war allerdings leider nicht im Vertrag inkludiert, weshalb ich leer ausgehe und mich wieder im Sakko whiskytrinkend in meine dunkle Wohnung verkriechen muss, um einen auf Schriftsteller zu machen."

    

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 11:55 PM

„Keine Ursache." Das war es tatsächlich nicht, ich half gerne. Auch wenn dies nicht für jedermann offensichtlich war, gehörte ich zu jenen Menschen. Ich lauschte ihren Worten während ich meinen Notizblock zuklappte und ihn, mitsamt dem Stift, in meine Manteltasche verschwinden ließ. „Du meinst, als du mit ihm was hattest", korrigierte ich fast schelmisch ihren kleinen Aussetzer, während meine Hand mit einer mitgenommenen Zigarettenschachtel zum Vorschein kam. Ich hatte aufhören wollen, doch in Zeiten wie diesen schien es fast unmöglich, weshalb ich die Packung an meine Lippen setzte und die zuvor halb herausgeschobene Zigarette zwischen die Lippen nahm, bevor ich sie mit einem normalen Feuerzeug anzündete.
„Letzteres", antwortete ich außerdem auf ihre Frage und bließ den Rauch aus meinen Lungen. Meine Hand wanderte zurück in meine Manteltasche und verweilte dort, als ich mich auf der Parkbank zurücklehnte und einen Arm hinter Elisa auf der Lehne abstützte. „Ich hasse Tauben einfach, deswegen komme ich jeden Montag, Mittwoch und Freitag hier her, um sie totzustarren." Die Andeutung eines Grinsens huschte über meine Züge, als sie mir einen vielsagenden Blick schenkte. „Wenn mir nichts Brauchbares zum Schreiben einfällt, setzte ich mich alleine irgendwo hin oder wandle ziellos durch die Gegend. Klingt ermüdent, ich weiß. Ist es auch. Aber hat schon so manches Mal geholfen." 
Ich musterte sie nach Anzeichen irgendeines Schwächeanfalls, doch stieß auf nichts außer der Blässe ihrer Haut. Elisa sprach nicht viel darüber und zeigte es nicht oft, doch sie war gute zwei Mal in meiner Wohnung zusammengeklappt, weshalb sich vermuten ließ dass sie ernsthafte Probleme hatte. Probleme, die ich meines Wissens jedoch nicht erreichen konnte. 
Ich lächelte matt, als sie mir erneut einen Kosenamen aufdrückte und nach meinem Tag fragte. „Nenn' mich nicht so." Im Gegensatz zu ihr, war ich der Typ Mensch der besonders in solchen Lebenslagen Nähe und Wärme nicht gebrauchen konnte. Elisa hatte stets eine Ausnahme hierzu dargestellt, doch selbst dann waren die Umstände unterschiedlich. Sie schlich sie in meine Wohnung genauso, wie sie sich in mein Leben geschlichen hatte. Und ich mochte, dass sie in mein Bett kroch, auf der Suche nach Nähe. Doch heute – hier – war es etwas anderes. Dies hier war kein intimer Moment. Ich gehörte nicht ihr. Und genau deshalb, war es mir sogar seltsam unangenehm die Hand einer Person zu halten, die ich nur kannte, wenn sie nicht sie selbst war.
„Ich hab mir einen Wecker um acht gestellt und bin dann pünktlich um halb zehn aufgestanden", begann ich dennoch ohne zu zögern, da ich ihren Blick verstanden hatte. Und natürlich war ich bereit verbal für sie da zu sein, wenn es einer ihrer kalten Tage war. Die Metapher war nicht schwer zu verstehen, war es Draußen nicht wirklich kühl und das Wetter über den Normalwerten von London. Wie es wirklich in ihrem Innern aussah, konnte ich nicht beurteilen. Und so hielt ich dennoch ihre Hand, während der gleiche Arm hinter ihr auf der Lehne ruhte. „Ich war einkaufen, habe einen Bericht für The Times abgegeben, an dem ich wirklich lange gearbeitet habe und war anschließend in der Bibliothek, um ein paar Bücher zurückzugeben." Jedem anderen hätte ich die kürzeste Kurzfassung Allerzeiten auf eine solche Frage geliefert - immerhin war ich kein Fan der Selbstoffenbarung in irgendeiner Form, wenn es nicht gerade ums schreiben ging -, doch ich ahnte dass Elisa im Grunde einfach nur wollte dass ich redete. Mein Daumen strich sanft über ihren Handrücken, als ich fortfuhr. „Bei meinen Eltern war ich beim Mittagessen, anschließend habe ich meinem Vater geholfen die Garage aufzuräumen und wir haben ein Quidditchspiel von Darren angesehen." Tatsächlich hörte es da bei meinem glorreichen und interessanten Tag schon auf, weshalb ich kurz innehielt und einen weiteren Zug nahm bevor ich weiterredete. „Danach stand mein Treffen mit der Queen an, allerdings hat sie heute wirklich schrecklichen Tee serviert weshalb ich mit Beyoncé – die zufällig auch anwesend war – in den Hydepark gegangen bin, um Passanten mit unserer Schönheit zu blenden. Ich blieb bis ich spürte dass meine Anwesenheit irgendwo anders gebraucht wurde. Und so", ich sah Elisa todernst an, „Kam ich hier her." Wie immer, schaffte ich es meine gesamte Ausschweifung ohne jeglichen Humor vorzutragen. Diese Art des trockenen Sarkasmus war mir viel zu vertraut geworden, als dass ich sie ablegen konnte und wollte.

    

Reply Edited on 07/27/2017 12:06 AM.

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 10:44 PM

Wäre Elisa mir nicht ins Blickfeld gelaufen, so wäre ich wohl vor nur wenigen Sekunden aufgestanden und letztendlich gegangen. Es waren ihre Haare gewesen, das sie erkenntlich machte und meine Aufmerksamkeit im nächsten Moment auf den Typen neben ihr zog. Es war wie bei den anderen Opfern meiner stummen Beobachtung unschwer zu erkennen, dass sie recht abgeneigt und nervös wirkte. Die Hände dieses Gorillas waren stehts zur Hüfte erhoben, als fürchte er sie würde jeden Moment wegrennen. Es war seltsam sie so zu sehen, in einer Szenerie in der ich sie nicht erwartete und mit mehr als nur einem Fetzen Stoff am Körper. Doch meine Verwunderung wandelte sich in alarmiertheit, als sie mich erblickte und ihre Augen für einen kurzen Moment größer wurden. 
Allein wie sie auf mich zulief, sprach von einem Gesuch nach Hilfe. Die zusammengepressten Lippen, der starre Blick auf mich, als würde sie mir gerne etwas mitteilen wollen. Ich gab meine Haltung auf, lehnte mich ein wenig nach vorne als sie neben mir Platz nahm und im gleichen Atemzug den Kopfhöhrer aus meinem Ohr nahm. Und die Umwelt wieder an mir teilhaben ließ. 
"...Deine Untreue", wiederholte ich etwas zaghaft und mit erhobenen Brauen, den Blick fest auf sie gerichtet. Doch ihr Gesichtsausdruckt reichte mir, um mich diesem Typ im grauen Joggingsanzug mit warnenden Blick zuzuwenden. "Ich glaube du solltest jetzt gehen." Kurz herrschte Stille zwischen uns allen, die lediglich von der unpassenden Festival Geräuschkulisse unterbrochen wurden. Es war eine einfach Drohung, die allerdings reichte damit er sich wiederwillig und fluchend, mit einem letzten Blick zu Elisa, davon machte. 
Ich wickelte meine Kopfhöhrer zusammen und rückte ein Stück von Elisa weg. Ich war nicht wütend, im Gegenteil. Dennoch verließ auch meine Hand ihre, um die Musik von meinem Handy auszuschalten.
"Es ist auch schön dich zu sehen", begrüßte ich sie halb amüsiert, halb sarkastisch. "Der Typ schien ja nett zu sein. Ich wusste gar nicht, dass du etwas für laufende Wachsmalstifte übrig hast." Immerhin sah er mit seinem lächerlichen Aufzug genau so aus, doch dies spielte nun sowieso keine Rolle mehr. Ich hoffte einfach er würde mir nicht irgendwo auflauern und mir alle Zähne rausprügeln. Größer als ich war er allemal gewesen. Zur Not würde ich ihn einfach in eine Ente verwandeln müssen. 
"Alles in Ordnung bei dir?" Jedes Mal wenn Elisa sich Morgens von mir verabschiedete, sagte ich ihr, sie solle auf sich aufpassen. Zwar sah sie nicht sonderlich mitgenommen aus - ich bezweifelte auch, dass so ein Vorfall der erste war - dennoch fühlte ich mich irgendwie verpflichtet dies zu fragen. Die Gestalten mit denen Elisa sich bekanntlich abgab, waren weniger freundlicher Natur. Zumindest für einen Aussenstehenden wie mich. Alles was ich sah, war wie sie sich alle kaputt machten und genau dies lauthals feierten. 

    

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 09:40 PM

~ Elisa & Isaac. 

Ich hatte so langsam das Gefühl, ich würde durchdrehen. Selbst wenn ich zwanghaft versuchte etwas halbwegs anständiges auf Papier zu bringen, schaffte es mein Verstand einfach nicht die leichtesten Wörter aneinanderzureihen. Was ich schrieb, schien weder Sinn zu geben noch Sinn zu haben und dieser Umstand bereitete mir Kopfschmerzen. 
Es war nicht das erste Mal, dass ich in einem solchen Fall zu jeglichen Uhrzeit allein irgendwohin geflüchtet war, um meinen Mitmenschen auf diesem Planeten beim leben zuzusehen. Das Festival war nicht ein wirklich gefasster Gedanke von mir gewesen, es hatte sich lediglich angeboten. Und es war eine Abwechslung zu den Bars, Bahnsteigen und abgelegenen Cafés. 
Mein Lieblingslied von Fynns Band drang durch Köpfhöhrer in meinen Ohren, die jegliche Hintergrundgeräusche des Festivals ausblendeten. Ich hatte auf der einzig freien Parkbank platzgenommen und beobachtete die vorbeigehenden Menschen. Ein zerknitterter Notizblock lag auf meinem Bein, den passenden Stift hielt ich locker in der Hand. Doch mein Gehirn spuckte nichts aus. Rein gar nichts.
Einige Meter von mir entfernt ließ eine Mutter nun schon zum dritten Mal ihr überglückliches Kind an einem Automaten spielen. Gegenüber von ihnen stritten sich zwei Teenager, das Mädchen mit heruntergewirtschafteten Augenbrauen weinte, während ihr mutmaßlicher Freund fest den Kiefer zusammenbiss. Eine weitere Familie beschloss wohl unter großen Wiederstand ihrer Kinder, nun Nachhause zu gehen. Ich beobachtete die Mimik und Gestik eines Vaters, wie er in einem für mich stummen Seitenhieb etwas verletzendes zu seiner Ehefrau sagte. Das kreischen der nächsten Achterbahnrunde drang sogar durch die Musik hindurch, doch ich bezweifelte auch so die Idee hier her gekommen zu sein. In einer so typischen Bewegung fuhr ich mir mit beiden Händen über mein Gesicht und verweilte kurz so, bevor ich mich wieder nach hinten lehnte - den Müll um mich herum völlig ignorierend. Ich war müde. Vielleicht sollte ich einfach zurück Nachhause gehen. 

    

Reply Edited on 07/26/2017 09:42 PM.

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Re: Zukunfts-Thread XI

from Isaac on 07/23/2017 11:44 AM

"Guten Morgen", begrüßte ich die Hufflepuff mit verschlafener, rauer Stimme ohne von meinem Buch aufzusehen. Zwar hatte Elisa keinen Mucks von sich gegeben, doch wenn man so viele Stunden alleine zwischen seinen vier Wänden verbrachte, bemerkte man auch so wenn jemand plötzlich im Türrahmen lehnte. Ich fragte mich, wie ihr Wechselspiel an Stimmung heute sein würde. Doch dies erledigte sich, als sie mir kurzerhand und vollkommen unverblümt die Tasse Kaffee abnahm und mich mit verdireßlicher Miene stehen ließ. Ich protestierte nicht - so wusste ich doch, dass es keine Sinn hatte. Stattdessen trat ich kommentarlos an dieses Drecksding von Kaffeemaschiene heran und versuchte mein Glück erneut. 
Ich war kein Morgenmensch und dies wusste Elisa zur genüge. Dennoch schien sie die Stille zwischen und zu stören und ich antwortet ein halbherziges "Hmm, ich habe tatsächlich etwas vor heute", jedoch erneut mit meinem Blick auf das Buch gerichtet, um die allerletzte Zeile der Seite zu lesen, bevor ich es zuklappen und beiseite legen konnte. 
Mein Blick suchte ihren. Doch aus Elisas Blick sprach nichts, was ich hätte deuten können. Und so nickte ich kaum merklich, fuhr mir nach wiederholten Streiken meiner Kaffemaschiene über meine Bartstoppel und seufzte resigniert. "Wenn du etwas zu essen willst, hier oben sind Cornflakes". Ich deutete auf den Schrank hinter mir, während ich endgültig den Stecker der defekten Maschiene zog. Mit Magie hatte ich es bereits vor einigen Wochen versuchte und wäre bei dem Versuch nahezu umgekommen - Zumindest hatte ich es so Fynn geschildert. "Milch ist im Kühlschrank." Ich trat an den Türrahmen heran, nur um neben Elisa stehen zu bleiben und sie erneut zu mustern. Für einen Moment öffnete ich die Lippen um etwas zu sagen, schloss sie dann allerdings wieder. "Ich geh duschen", murmelte ich stattdessen nach kurzen zögern und legte ihr in einer fast beiläufigen, sanften Geste eine Hand ans Haar, bevor ich mich abwandte und aus der Küche verschwand.
"Pass auf dich auf." Ich wusste wenn ich wiederkommen würde, würde sie nicht mehr hier sein. 

    

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Re: Zukunfts-Thread XI

from Isaac on 07/23/2017 01:14 AM

Ich sparte mir eines dieser viel du dramatischen und dennoch klassischen 'das ist nicht so einfach' und lächelte stattdessen matt in ihren Haarschopf hinen. Es war unmöglich dass Elisa dies mitbekam, doch so war ich mir sicher dass sie mein anschließendes "Hmm" als stille Dankbarkeit anerkannte und gleichermaßen realisierte, dass ich nicht weiter darüber reden würde. 
Draußen hatte es mittlerweile wieder angefangen zu nieseln, so wie es auch die letzten Tage immer wieder der Fall gewesen war. Der Geruch nach Regen auf Asphalt drang mit der kalten Nachtluft in mein Zimmer und formte unseren Moment zu einer dieser Szenarien, deren Wirkung und Gefühl ich gerne auf Papier festhielt. Vielleicht würde ich es tun - morgen, wenn Elisa ihre Sachen gepackt und genau so schnell aus meiner Wohnung verschwunden war, wie sie auch aus dem Nichts aufgetaucht war. Nur um es zu all den anderen Pergamenten zu stecken, die nicht für andere Augen bestimmt waren. 
Ihr flüchtiger Kuss nahe meines Schlüsselbeins schien unser Gespräch für heute Nacht zu beenden. Ihre zunehmende Müdigkeit war ebenfalls an ihrer Stimme zu hören, als sie das nächste Mal sprach. "Natürlich wirst du das", bekam sie die gemurmelte Antwort in der Stimmlage eines nahezu schlafenden. Es war ihr pieksen, dass mich wieder in das hier und jetzt holte, jedoch nur um Elisa ein letztes Mal etwas näher an mich zu ziehen um mich selbst in eine bequemere Position zu rücken. "Schaf gut." 

Meine Kaffeemaschiene war eine Ausgeburt der Hölle. Als würde es nicht reichen unnötig früh von Jules geweckt worden zu sein, hatte dieses beknackte Stück Muggeltechnologie beschlossen mal wieder zu streiken, bevor sie mir nach gefühlten zehntausend Anläufen die rettende Drecksbrühe ausgab. Nächstes Mal sparte ich mir einfach das Geld für so ein überteuertes Teil und schlug mir direkt ins Gesicht. 
Elisa schien sich noch immer von ihrer letzten Nacht zu erholen, doch das störte mich nicht weiter. Ich hatte mein Buch von gestern in die Küche genommen und lehnte nun mit einer dampfenden Tasse Kaffe in einer Hand und mit dem aufgeschlagenen Buch in der anderen an meinem Küchenthresen und las wie fast jeden Morgen. Draußen hatte es aufgehört zu regnen doch die Wolkenmasse der letzten Tage bedeckte noch immer den grauen, deprimierenden Himmel. Ich hatte heute zwar glücklicherweise keine Vorlesungen die ich zu sehr großer Wahrscheinlichkeit sowieso schwänzen würde, zog es allerdings in Betracht meine Eltern zu besuchen, da mein kleiner Bruder dieses Wochenende eine seiner wenigen freien Tage hatte und nun Zuhause rumdümpelte. Außerdem befüchtete ich, dass er sich wieder an meiner Plattensammlung aus meinem alten Zimmer zu schaffen machen würde und das musste zwingend kontrolliert werden. 

    

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Re: Zukunfts-Thread XI

from Isaac on 07/22/2017 09:56 PM

Ich spürte ihren warmen Atem an meiner Halsbeuge und seufzte kaum merklich. Was Elisa mit ihren Worten ausdrücken wollte war mir klar, gerade deshalb breitete sich in meiner Mitte das altbekannte, dumpfe Gefühl von Schwere aus. Eine Schwere, die schwer in Worte zu fassen war. „Und was wenn ich schon lange gefunden habe, wer zu mir passt?" ...Und du deswegen hier in meinen Armen liegst, setzte ich noch gedanklich hinzu. Meine Worte hatten ein unpassendes Gewicht, dafür, dass ich sie so schläfrig über die Lippen brachte. Dabei klang mein Tonfall zu sachlich, als dass ich Elisa meinen könnte. Auch wenn die Studentin äußerlich unverkennbar attraktiv war, so schien sie hinter all dem viel zu kaputt, als dass ich mir wirklich die Finger an ihr verbrennen würde. Sie bedeutete Ärger. Und ich wollte keinen Ärger, ich wollte Briannas Lebensfreude im Kontrast zu meinem Tief.
Ihr abrupter Themenwechsel gab mir die Chance eine auftretende Stille zu vermeiden. Stattdessen schmunzelte ich einen Moment, bevor ich ein äußerst amüsiertes, fast schon spitzbübisches „Nein" gegen ihren Haarschopf wisperte. Der Tag an dem ich die Blondine auch noch bedienen würde, war noch nicht gekommen. Zudem kannte sie sich einfach zu gut in meiner Küche aus. Auf ein Frühstück im Bett würde sie wohl verzichten müssen. Genauso, wie auf eine klare Antwort auf ihre Frage. Stille legte sich um mein Schlafzimmer und das einzige was zu hören war, waren unsere leisen Atem und der sehr weit entfernter Verkehrslärm von London Straßen.

    

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