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Ivar

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Re: Zukunfts-Thread XII

from Ivar on 07/09/2017 02:58 AM

Ich spürte seinen Blick. Hörte durch den Kragen seiner Jacke wie er den Blick wandte. So schnell, dass es nur Überraschung sein konnte. Er hatte also nie bemerkt, dass ich ihn beobachtet hatte. So blind. Konnte er das denken? Dass er zurück kehrt in unser Land.... und wir merken es nicht? Island war nicht besonders groß. Und die Leute nicht sehr gesprächig, gut. Aber jeder kannte jeden.
"...bist gekommen um deine eigene Familie zu meucheln.", beendete ich den Satz meines älteren Bruders ohne seinen Blick zu erwidern. War es nicht das, was man mir vorwarf? Dass ich kam wie ein Donnerschlag der Rache. Der im Blut seiner Feinde badet und sich daran satt trinkt. Der Freude daran hatte Köpfe von Rümpfen zu trennen. Ein Geist, ein Monster, das lange in der Ferne schlummerte. Das war es doch was sie erwarteten. 
Die Worte waren so trocken und dunkel über meine Lippen gewandert, dass nicht auszumachen war ob es Sarkasmus war oder Ehrlichkeit. Aber wer mich kannte wusste, dass nichts mir mehr widersprach als ein hinterhältiger, feiger Mörder zu sein. Reyk kannte mich nicht. Und das machte es schwerer noch als es eh schon war.

Aber kannte ich ihn? Ich hatte nur eine Ahnung von meinem Bruder. Mehr als meine anderen Geschwister. Zumindest hatte ich ihn schon einmal gesehen. Katla hatte es damals noch nicht gegeben. Styrmir war nicht daheim gewesen. Und die drei anderen hatte Mutter in Sicherheit gebracht. In Reykjavík war ich allein gewesen.
Vater hatte ich zwingen müssen zu sprechen. Ich war zum Ältesten geworden. Ich hatte ein Recht darauf gehabt. Aber gleichzeitig hatte ich ihm geschworen es für mich zu behalten. Jedes Wissen brachte Verantwortung mit sich. Und wenn ich an Iðunns neugierigen, hoffnungsvollen Fragen dachte war es mir nicht schwer gefallen es ihr zu verschweigen. Sie sollte ruhig denken, dass ihr ältester Bruder nur fort war, weil das der Weg des Schicksals war. Sie musste die Wahrheit nicht kennen. Die Wahrheit würde sie schmerzen; sie und die anderen. Und wofür? Ich war der Älteste. Ich würde das für sie tun. Sie beschützen. Weil das meine Aufgabe war.
"Nein.", beantwortete ich Reyks unausgesprochene Frage. "Sie sind Island. ... Sie wissen von nichts."

Mein Blick ruhte auf der Blume in seinen Händen. Einem winzigen Geschenk, das einen langen Weg gehabt hatte. Und eine lange Geschichte. Eines Tages würde ich die Geschichte dieses kleinen Abends hier erzählen müssen. Und auch die würde lang sein. Und nicht jedem gefallen. 
Ich war kein Mann großer Worte. Viel zu reden hatte mir noch nie gelegen, ich hörte besser zu. Und mochte es auch lieber. Vielleicht war Ace deswegen so geschwätzig. Aber darüber was mich bewogen hatte diesen völlig Fremden der doch mein gleiches Blut trug, den gleichen Vater hatte, hierher zu bitten, darüber hätte ich ein Buch schreiben können.
"Fragst du das mich?", erwiderte ich kühl und riss mich vom Anblick der Blume fort. "Oder Island?"
Es machte einen Unterschied. Und mehrere Dimensionen in etwas, das getan werden musste.
"Mein Onkel spricht gern von Vergebung. Bei dir gibt es nichts zu vergeben. Weil dir nichts vorzuwerfen ist. Wenn du Island fragst. Wenn du Vater fragst, dann würde er es nicht aussprechen. Aber er hofft noch immer auf deine Rückkehr. Wenn du meine Geschwister fragst, dann würdest du keine Antwort bekommen." - Weil sie es nicht wussten. Weil es sie überfordern würde. Weil Reyk omnipräsent war ohne, dass sie ihn kannten. Natürlich fragten sie. Sie fragten mich Löcher in den Bauch. Aber was würden sie tun wenn es dazu käme?
"Wir müssen tun was wir tun müssen. Jeder nach seinem Herzen, seinem Schicksal.", fügte ich weniger offiziell an und neigte leicht den Kopf. Sah ihn nicht an, zeigte ihm aber dadurch, dass ich ihm zugewandt war. "Aber kein Gott der Welt kann mir verbieten dich zu sehen bevor es soweit ist."

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Ivar

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 07/08/2017 12:18 AM

Sie waren zum Zerreißen gespannt. Man musste keine übernatürlichen Sinne haben um das zu bemerken. Sie hielten sich an ihren Waffen fest. An ihrer Körperkraft. An dem Wissen, dass ich ihnen unterlegen war. War es mir bewusst? Natürlich... Ängstigte es mich? Nein. Dafür hatte ich zu lange über den Tod nachgedacht. Ich wusste, dass ein Krieg auch in einer Niederlage enden konnte. Ich war ein junger Mann. Er ein erfahrener Jäger. Die Wahrscheinlichkeit eines Todes war hoch.
Aber deswegen war ich nicht hier.
Es gab Dinge, die jenseits von Berechnung lagen.
Dinge, die getan werden mussten. Nicht nur aus Gerechtigkeit. Auch um die Schwärze zu vertreiben... Und was war schon der Tod?

Aegirs Worte rangen mir ein sehr kurzes Lächeln ab. Dieser Mann war besonders. Vater hatte nicht gelogen. Er war ein Mann mit vielen Gesichtern. Wie die Finsternis. Auf sehr gefährliche Weise schön. Umschließend und beruhigend. Und dunkel, so sehr, dass man nicht merkte was geschah.
Ich nickte. Zum ersten Mal waren mein Onkel und ich einer Meinung. Wahrscheinlich sollte es das einzige Mal bleiben. Also würdigte ich diesen Moment mit Respekt. Das Töten war nicht ehrenvoll. Nein, sicher nicht. Das Sterben konnte es sein.
Der Krieg war eröffnet. Beide Feldherren hatten klar gemacht was ihre Macht bedeutete.
Aber da lag noch etwas Anderes zwischen uns. Etwas Neues. Etwas Geheimes.
Etwas, das mich nur sehr langsam den Blick über seine ausgestreckte Hand seinen Arm hinauf bis zu seinem durchwachsenen Blick sehen ließ. Etwas zutiefst Menschliches.
Ich packte seine Hand, zog mich in einem Ruck hinauf und zog ihn doch direkt zu mir heran. Langsam. Ruhig. Mit jeder kleinen Bewegung verdeutlichend, dass keine Gefahr von meiner Handlung ausging. Ob sie es nicht doch tat? Das konnten nur Aegir und ich bestimmen als meine Lippen einen Moment auf seiner Wange ruhten.
Ganz gleich was geschehen war und würde: Er war mein Onkel. Und ein Mann sollte seinen Onkel einmal im Leben geküsst haben.
"Wenn du die Frau getötet hast....", raunte ich an seiner Wange. Niemand seiner Leute würde das hören können, selbst mit ihren besonderen Ohren nicht. "Werde ich dich mit deinen eigenen Gedärmen erwürgen."

Das waren meine letzten Worte bevor ich von ihm abließ und den Raum verließ. Aufrecht. Zielstrebig. Ohne mir die Mühe zu machen das Blut aus meinem Gesicht zu wischen. Sollten seine Menschenfreunde da draußen ruhig sehen was hier geschah. Vielleicht würden sie dann beginnen nachzudenken.
Dinge wie Alma würden nicht mehr geschehen....  


~ Thread FREI ~
 

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 07/03/2017 01:36 PM

Aegir war der Mann wegen dem ich geworden war was ich war. Das war kein Vorwurf. Nein, es war nicht einmal hasserfüllt gedacht. Auf einer Ebene jenseits dessen was zwischen uns stand dankte ich ihm. Ohne ihn hätte ich niemals so verbissen an mir gearbeitet. Ohne ihn würde ich überhaupt nicht existieren. Die Frage war nur: War das etwas Gutes? Und rechtfertigte das Vergebung?

"Ivar, es geht deinem Vater nicht um Rache.", zischte Floki, mein Mentor, als er mein Gesicht gepackt und zu sich herum gerissen hatte. Seine hellgrauen Augen durchbohrten mich. "Und dir sollte es darum auch nicht gehen."
"Dann bist du Vaters Ansicht? Dass ich mich heraus sollte?", blaffte ich ihm hin wie einem Hund. Erntete dafür aber nur einen Schlag auf den Hinterkopf.
"Natürlich nicht, du verkrüppelter Idiot! Es ist deine Familie, es ist dein Herz, tu was die Götter dir sagen! Aber tu es aus den richtigen Gründen!"
Der Mann war verrückt. Aber er hatte Recht. Ich kühlte mein Gemüt herunter und ging in mich um mir klar zu machen, warum es mir so wichtig war. "Gerechtigkeit.", sagte ich dann. "Er hat eine unschuldige Frau getötet. Meinem Bruder die Mutter genommen. Meinem Vater den Sohn. Meinen Geschwistern den Bruder. Er hat es verdient."
Floki schnaubte stolz und tätschelte mir die Wange wie damals als kleinem Jungen. "Guter Krüppel."

Mir war nicht entgangen, dass wir nicht mehr allein waren. Die Kriegserklärung war ausgesprochen, der Herausgeforderte schüttete seinen Hohn und seine Herablassung über mir aus. Sollte er es tun. Solange er es noch konnte. Aegir und mich verband nichts. Nichts außer Blut. Ich hatte mich auf seine Ebene gestellt. Uns unterschied gerade nichts mehr. Das Blut auf meiner Haut war der Beweis. Und weil eine Kriegserklärung immer zugleich eine Drohung war zückte er nun seine. Ich verstand das. 
Und trotzdem blieb ich ganz ruhig in meiner Hocke. Stellte keine Gefahr dar für die neun Männer, die ihrem Herrn zur Sicherheit dienten. Ob das nun ein Theater war oder nicht. Ich sah ihn einfach weiter an.
"Ich bin nie gekommen um zu reden.", stellte ich sehr simpel und sogar ziemlich offen fest. Es gab nichts zu lügen, also wozu? "Ich bin gekommen um dir von Angesicht zu Angesicht zu sagen, dass es gilt. Wie Männer es tun. Ich bin kein Meuchelmörder. Der in Frieden empfangen wird. Und dann tötet." - Dabei ließ ich nicht im Mindesten nicht spüren, was ich damit meinte.

"Wenn ich dich töte, dann offen und fair. Um dich in Ehren nach Walhalla zu schicken."
Damit breitete ich die Hände aus. Warum ich an diesen Ort gekommen war? Weil mein Vater mir erzählt hatte von den glorreichen Taten, die mein Onkel bestritten hatte. Und die neben seinen Verfehlungen standen, die ich ihm nicht vergeben konnte. Die Götter sollten entscheiden ob sie überwiegten. Wenn er tot war. Ich war an diesen Ort gekommen, aus dem gleichen Grund warum er mir die ganze Zeit wie ein alter Mann den Frieden aufschwätzen wollte: Um das Wort an mich zu richten, wenn er es wollte. Ohne zu verlangen, dass ich mich davon erweichen ließ, genau wie anders herum. Um keinen Zweifel daran zu lassen, dass wir einander im Auge hatten.
Und um zu beweisen ob er ein Mann von Ehre war. 
Sollte er mich hier überwältigen und töten; nichts hielt ihn auf. Ich war ein Mann gegen zehn. Es wäre so leicht.
Aber damit würde er doch nur beweisen, dass er ein Meuchelmörder war. Und nicht mehr.

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Re: Zukunfts-Thread XII

from Ivar on 07/03/2017 12:59 PM

Keine Eile. Wir hatten Zeit. Nächte konnten lang sein, wer wusste das besser als Isländer? 
Auf eine seltsame Weise war es angenehm mit ihm dort zu sein. Zu schweigen, auf dieses Wasser zu sehen. Zu wissen, dass die Waffen zwar da waren, aber ruhten. Genauso wie zu wissen, dass ich diesmal... reagieren konnte, sollte es dazu kommen.

Er ging. Sie gingen alle beide.. Das konnte nicht ihr Ernst sein. Das konnte nicht Vaters Ernst sein. Nach all den Jahren. Nach dieser Leere. Waren sie kaum aufgetaucht und dann...
Der Wind schnitt mir beißend kalt in die Augen. Ich wusste nicht wen ich ansehen sollte. Den Rücken meines Vaters? Die verschwindenden Umrisse dieser Gespenster meiner Familie? Ich blinzelte die Schneeflocken fort. Öffnete die Lippen. Irgendjemand musste für Klarheit sorgen!
Vater wandte sich um. Sein Blick traf meinen. Und von einem Moment auf den anderen lag mein Körper noch schwerer auf den Krücken. Zog mich hinunter. Aber ich durfte nicht. Ich durfte nicht mehr nachgeben. Nie wieder. Denn mir wurde eines klar: Es lag jetzt an mir. Es lag an mir der Älteste zu sein. Den Kleinen das Vorbild zu sein. 
Es gab keinen Reyk mehr. Unbekannt und irgendwo. Der vielleicht irgendwann zu uns zurück kommen würde.
Ich schloss die Lippen wieder. Drinnen waren zwei Brüder und zwei Schwestern. Die ich beschützen musste. Ein Krüppel.
"Ivar.", hörte ich meinen Vater sagen. "Denk nicht mal daran."
Zu spät. Meine Krücken knallten in den verschneiten Schlamm. Ich suchte nach den Gespenstern als ich mich am Haus aufrecht hielt.

"Bist du nicht auch nach Saudárkrókur gekommen?", antwortete ich meinem Bruder in unserer Muttersprache. Ob es seine war, wusste ich nicht. Ob er Island als Heimat betrachtete, wusste ich nicht. "Und nach Reykjavík."
Als meine Ziehschwester es mir anvertraute hatte ich es nicht glauben wollen. Ich war selbst in die Hauptstadt gefahren. Hatte ihn gesucht. Ihn mir angesehen. Ihn und das hübsche Mädchen in seinem Arm. Was ich hatte denken sollen? Das war mir entglitten. Vielleicht hatte ich wirklich für einen Moment gedacht... aber es war nur ein Moment gewesen.
Mir war bewusst, dass er seine Warnung sicherlich gut meinte. Es änderte nur nichts. Es ehrte ihn, aber es änderte nichts.

"Die Zwillinge fragen oft nach dir.", hielt ich dann doch nicht mehr vor dem Berg und lachte leise bevor ich Reyk einen ersten, furchtbar stummen Blick zuwarf. "Sie waren so klein damals. Sie erinnern sich nicht einmal daran wie du aussahst. Sie verstehen es nicht."
Damit lehnte ich mich schwerfällig, weil ja nur mit dem Oberkörper, hinab zu meinen Füßen. Hielt geschickt das Gleichgewicht und zog aus der Tasche im Gras etwas kleines, buntbemaltes das im leichten Wind flatterte. Ich raffte mich hoch und sah darauf hinab. Es war eine Papierblume, aufwendig gefaltet mit ihren vielen Blätterchen und liebevoll von Kinderhand bemalt. Unter jedem der Blättchen versteckt stand in isländischer Sprache ein Wort, ein Wunsch; Glück, Liebe, Zufriedenheit, Küsse, Umarmungen, Sonnenschein. Alles was einem Mädchen von 13 Jahren einfiel in einem liebevollen Moment. Ich hatte Iðunn versprechen müssen es ihm zu geben. Also tat ich es. 
Wortlos. Ohne Erklärung. Ich reichte ihm einfach diese Blume.

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 06/27/2017 01:45 AM

Mir war klar, dass er es für Arroganz hielt. Die meisten Menschen hielten es dafür. Vielleicht war ich selbstgefällig. Möglich. Die Götter schienen mir gern einen Tipp geben zu wollen was passieren würde. Sie hatten mir eben eine gute Wahrnehmung gegeben. Das machte viele Dinge sicher. Aber sich sicher über diese Dinge zu sein machte sie mitnichten besser. Ich hatte mich damit arrangiert. Und wirkte dadurch elitär. Es war die Wahrheit. Und damit hatte es sich wohl...

Er versuchte mich herauszufordern. Das sollte er ruhig tun. Wir waren nicht hier um uns das Haar zu streicheln. Er war mein Onkel, niemand konnte das bestreiten. Aber das bedeutete nicht, dass ich ihn hasste. Nicht glühend. Nein, viel schlimmer. Wenn ich an ihn dachte senkte sich jedes Geräusch um mich und gähnende Schwärze umzog mein Sichtfeld. Kalter Hass - so hatte ich es erkannt - war der schlimmere Hass. Der härtere Hass.
In aller Ruhe sah ich Aegir dabei zu wie er seine Finger in das Blut tauchte. In einem hatte er Recht. Ich hörte es aus dem Mund meines Mentors. Aus Zeiten in denen ich es überstürzen wollte. "Vor den Göttern sind wir alle gleich.", wiederholte ich was er mir gesagt hatte. Ich glaubte daran. Wirklich. Egal ob Mensch oder Vampir oder Werwolf. Vor ihnen waren wir gleich. Das änderte nur nichts hier unten zwischen uns. 

"Ich bin nicht hier um über Frieden zu verhandeln.", stellte ich fest. Und unterdrückte ein Schnauben nur deshalb, weil wir gemeinsam an dieser Schale standen. Es bedeutete etwas. Etwas, das nur schwer zu brechen war. Aber er konnte nicht erwarten, dass ich ihm vergab. Er konnte keine Frau töten, keinen Sohn entführen, sich abwenden von allem was uns ausmachte und erwarten... "Und ich bin nicht hier um die Rache meines Vaters zu üben."
Klipp und klar. Und damit wusste Aegir schon mehr als mein eigener Vater. Über das hier. Es war meine Rache für die mein Onkel sterben würde. Auch für das was er meinem Vater angetan hatte, natürlich. Aber ich hatte von meiner Familie gesprochen. Einer Familie, die es noch nicht gegeben hatte als geschah was er sich vorwarf. Das hier war nicht nur zwischen ihm und Vater. Seine Finsternis hatte sich viel weiter gezogen. 

Meine Augen durchbohrten ihn. Nicht mehr die unsicheren Augen des Jungen, der auf Krücken hinter Hakon gestanden hatte, nicht fassend was gerade geschah. Sondern die Augen eines Haifisches, der lange gewartet hatte zu tun was geschehen würde.
Mit leisen Schritten umrundete ich die Schale, sah darauf hinab... und schnaubte. Dann plötzlich ging ich auf die Knie, tauchte die Finger in das menschliche Blut und strich es mir über das Gesicht. Dann fasste ich die Schale, hob sie an... und trank.


Ein Frevel schon bei Tierblut.  
Ein noch größeres Zeichen bei Menschenblut.
Jetzt waren wir gleich. Sollten die Götter auf meiner Seite sein oder nicht.

Du wirst sterben, Aegir Indriðason., sagten meine Augen, die durch das Rot in meinem Gesicht hervorfunkelten. Für alles was du uns angetan hast. Uns, die wir nie hätten geboren werden sollen. 

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 06/24/2017 08:49 PM

Diese Räume hatte ich nicht betreten als hier gewesen war. Das war ein Teil einer Festung, der mir verschlossen geblieben war, auch wenn ich mir denken konnte was hier geschah. Hotel oder nicht. Jede Vampirfestung war sich im Grunde ähnlich. Dass ich niemanden sah außer ihm war nichts. Keine stichkräftige Information. Nur, weil man niemanden sah hieß das nicht, dass niemand da war. Ich erinnerte mich immerhin an diese Charlotte. Und wie sie das Mädchen her gebracht hatte. Das Mädchen, das angegriffen worden war. Das Mädchen, das etwas verloren hatte. 
Während Aegir sprach wanderte mein Blick über die Nischen... und blieb an einer Schale hängen. Einer Opferschale. Einer wirklichen Opferschale. Wie wir sie für die Götter nutzten. Und wie bei uns gefüllt mit Blut. Ich bezweifelte nur, dass es Tierblut war.

Es war seltsam wie sehr Aegir klang wie Vater wenn er sprach. Selbst nach all der Zeit. All den Veränderungen. Dem abtrainierten Akzent. Dieser beißend ironische Unterton. Intelligent und ruhig. Selbst die Stimme selbst ähnelte sich. Wie lange hatte ich dieser Stimme zugehört während sie versuchte mich abzubringen von dem was getan werden musste. Weil er es nicht für meine Aufgabe hielt. Sie irrten beide. Aegir musste es nicht aussprechen, damit ich es wusste. Er dachte es genauso wie Vater. Es wäre nicht meine Pflicht. Es hätte mit mir nichts zu tun.
"Ihr seid brüderlich blind.", war meine einzige Antwort auf alles was mein Onkel gesagt hatte. Brüderlich blind. Und brüderlich der Auffassung es beträfe niemanden außer ihnen beiden.

Ohne ihn weiter eines Blickes zu würdigen drehte ich ab und trat an die Opferschale heran um hinein zu sehen. Ich musste Aegir nicht ansehen. Sein Bild hatte sich auf meine Hirnhaut gebrannt als ich zehn Jahre alt gewesen war. Und ich hatte es niemals vergessen. Niemals. Was allerdings seine Sicht betraf mein Vater hätte mich geschickt... ich schnaubte nur tonlos.
Ehrfürchtig strichen meine Finger über den Rand der Schale. Tauchten meine Fingerkuppen kurz in das Blut. Ich hob sie an die Nase und roch daran. Metallisch. Menschlich. "Ein Vampir opfert noch den Göttern? Wofür?", fragte ich unumwunden. "Um sein Leben zu verlängern?"  

Dieser Mann... was stellte er nur für Fragen. War ihm nicht klar, warum ich hier war?
Ich strich das Blut von meinen Fingern ab und wandte mich zu ihm um um ihn gerade heraus anzusehen. Wenn er es hören wollte, dann sollte er es hören.
"Ich bin hier um dich zu töten, Aegir Indriðason. Dich und alle die mir dabei im Weg stehen werden.", ließ ich gut vernehmlich aber ruhig und entschlossen hören. Nur falls sein Alter nicht nur seine Auffassung sondern auch sein Hörvermögen getrübt haben sollten. "Um mit deinem Blut den Schmerz wieder gut zu machen, den du meiner Familie angetan hast."
Das war alles. Sehr simpel.  

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Re: Zukunfts-Thread XII

from Ivar on 06/21/2017 02:48 AM

Er hatte einen Wald gewählt. Ich hätte lügen müssen, wenn ich nicht überrascht gewesen wäre. Aber nur einen Moment. Irgendwo floss dann wohl doch noch Blut von unserem Blut in ihm, egal ob er für uns verloren war oder nicht. Ein Stück meines Vaters. Und dieser Frau. Snædís. Immer wenn ich den Namen hörte klang es wie ein Lied in meinen Ohren. 

Unter enormer Schulteranstrengung zog ich mich auf einen Stein und dehnte den Nacken. Vielleicht war es Schicksal, dass mir ausgerechnet heute die Synapsen einen Streich spielten, kaum, dass ich den Wald betreten hatte. Aber es hatte mich nicht gestört. Nach ein paar Jahren wusste man wie man sich abfing. War das Umbinden der lahmen Beine eine Sache weniger Momente. Und auch noch ganz andere Dinge vorstellbar. Genug Mitschüler hatten mich in solchen Situationen unterschätzt, gedacht sie hätten leichtes Spiel mich zu besiegen. Aber der Krüppel hatte sie eines Besseren belehrt.
Nicht heute. Heute war Waffenstillstand.

Heute war ein Anfall von Schwäche.
Ich wollte ihn nicht erlösen bevor ich nicht einmal mit ihm gesprochen hatte. Er war mein Bruder, so oder so. Und was? Ich war zehn Jahre alt gewesen als ich ihn das erste Mal sah. Kein Wort hatten wir miteinander gesprochen. Und wenn meine Brüder und Schwestern mich eines Tages fragen würden wie ihr großer Bruder gewesen war wollte ich antworten können. Mehr als: Beeindruckend.

Hinter mir, noch weit genug entfernt, knackte es. Nur kurz wandte ich den Blick sacht zur Seite, dann sah ich wieder auf das Flüsschen vor mir. Das letzte Sonnenlicht glitzerte darin gelblich-orange. Wie die Mähne eines Löwen.... in aller Ruhe legte ich die Finger an die Lippen und ließ einen lauten Pfiff hören. Vampirsinne hin oder her: Er sollte mich finden.
Als ich ihn nah hinter mir hörte saß ich noch immer mit dem Rücken zu ihm auf diesem Stein - wo genau hätte ich auch sonst hinkriechen sollen - und sah auf das Wasser.
Er war der Ältere. Er hatte das Recht auf das erste Wort.   

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 06/21/2017 01:22 AM

Er sah erbärmlich aus. Nicht in seinem Auftreten. Sondern in diesem Versuch ruhig zu bleiben. Diplomatisch. Warum er sich das antat war seine Sache. Verstecken konnte er es trotzdem nicht. Dass er das hier nicht wollte. Was hatte er erwartet? Ein Dankesschreiben? Ein Überlaufen? Wir waren wer wir waren. Er hätte damit rechnen müssen, dass ich kam. Irgendwann. Aber die Jahre hatten ihn verweichlicht. Mürbe gemacht wie meinen Vater. 
Er nannte es Verspätung. Ich nannte es Verstecken.  
Ohne ein Wort auf seine Begrüßung zu erwidern erhob ich mich und warf dem Mädchen, das vor mir getanzt hatte und nun ein wenig verwundert schaute einen Blick zu bevor ich einen Schein aus der Tasche zog und ihr hinhielt. Sie hatte mir gefallen, so war das nicht. Dumm zu sein war keine Schande. Nichts wofür sich das Mädchen rechtfertigen musste. 

Wie ein Schatten folgte ich meinem Onkel quer durch die Gäste und den Lärm. Ich hatte nichts gegen Publikum, aber wenn er Ruhe brauchte.... dann sollte er sie haben. Wozu war mir nicht klar. Denn es gab nichts zu bereden. Ich war nur aus einem einzigen Grund hier: Um ihm den Krieg zu erklären. 
Offen und unverschönert, wie es die Ehre verlangte. Würde ich es nicht tun, dann wäre es doch nicht mehr als das Meucheln eines verfluchten Feiglings. Eines Mörders. Aber ich würde mich nicht auf seine Stufe hinab lassen.
Ich wandte nur langsam den Blick nach rechts und links als wir in eine ruhigere Ecke traten, ein Separee nannte man das hier. Sehr nobel. Der metallische Geruch von Blut lag in der Luft. Nur ein Narr hätte nicht verstanden wer hier Zutritt hatte.
Der König hatte mich also in seinen privaten, kleinen Thronsaal geführt.
Umgeben von seinen Leuten.
 
"Immer wenn ich dich sehe hast du Gefolge.", hörte man meine ersten Worte. Und obwohl sie so kühl und ausadruckslos wie mein Blick über meine Lippen kamen hörte man doch diesen kleinen Unterton. Die Unterstellung, er wäre nicht fähig sich den Dingen allein zu stellen. Dass er stetig jemanden brauchte... der ihm notfalls sekundierte. "Nur älter bist du geworden. Trotz deiner Krankeit." - Vampire alterten anders. Sie bekamen keine Falten, keine grauen Haare. Aber ihre Gesten wurden anders. Ihre Art sich zu bewegen. Ihre Blicke. Ich hatte gelernt das zu erkennen. 
Mit Aegir sprach ich Englisch. Das raue, akzentuierte Englisch, das meine ganze Familie sprach. Weil er keiner von uns mehr war. Nicht in meinen Augen. Aber genauso wenig. Man sollte nicht zu viele Worte verschwenden, wenn es nicht sein musste. Mein Standpunkt war klar. Er wollte wohl reden. Also stand ich da. Und wartete. Auf was auch immer er seine kleine Rede halten wollte. 

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Re: Zukunfts-Thread V

from Ivar on 06/02/2017 09:59 PM

Was?
Eine Kriegserklärung

Wann?
Irgendeine Nacht ~ eine Woche von jetzt

Wo?
Falcon Grand Nightclub

Wer?
Aegir & Ivar
ein hübsches Familientreffen also...  


 
 

Die Musik war sicher sehr einlullend..... so wie das Mädchen vor mir tanzte sicher sehr rhythmisch. Angenehm modern und gerade so laut genug, dass es nicht aufdringlich wurde. Das dunkle Mädchen tanzte für mich, erweckte zumindest den Eindruck, weil sie wusste wie man ihren Job gut machte. Sie war eine Schönheit, ganz sicher. Atemberaubend kurvig genug um einem Mann jeden Traum zu versprechen und jeden Wunsch zu erfüllen. 
Aber ich hörte die Musik nicht. Und das unauffällige Grinsen, das sich langsam über meinen rechten Mundwinkel zog verriet... dass auch der Ruf der Sirene bei mir auf taube Ohren stieß. Alles was ich wahrnahm war das allgegenwärtige Wissen von Feinden umgeben zu sein. Und ich badete darin.... denn ich spürte ihre Blicke. Sie wussten genau wie ich, wer wir waren. 

Ace hatte mir davon abgeraten her zu kommen. Mein Vater hatte mir davon abgeraten es zu tun. Mein Mentor hatte mich angesehen wie einen Verrückten.
Aber sie verstanden nicht, dass es richtig war. Sie hatten nicht gesehen was ich gesehen hatte. Hatten ihn nicht beobachtet, aus all diesen toten Winkeln, die er in sein Leben gebaut hatte. Ich schon....
Und deswegen wusste ich, dass er genau jetzt durch genau diese Tür kommen würde. Deswegen traf mein Blick den seinen, quer durch den überfüllten Laden, an den Gästen, den Tänzerinnen, den Getreuen und Geiern vorbei. Die Zeit des Wartens war vorbei.

Er sah noch genauso aus wie damals. Zehn Jahre alt und noch auf Krücken hatte ich hinter meinem Vater gewartet und diese Männer beobachtet. Wie ein schwarzes Omen der Götter hatte er da gestanden, im ersten Schnee des Winters. Groß und dunkel. Und seine Dunkelheit hatte alles überzogen was ich kannte. Was ich liebte. Wie saurer Regen. Das war vorbei. 
Diesmal war ich zu ihm gekommen.
Und ich würde seine Welt überziehen.
Wenn nötig mit Feuer.  

Ich rührte keinen Finger wie wir uns ansahen. Seit ich ihm diese Nachricht hinterlassen hatte musste er wissen, dass ich hier war. Er konnte nicht so dumm sein.... jetzt war es an ihm seinen Mann zu stehen. Er konnte nicht so tun als hätte er mich nicht gesehen. Die Blicke seiner Leute waren in uns verbissen, er würde sich zum Gespött machen.
Das Spiel begann.
Und forderte den König heraus seine Krone abzulegen und einem Krüppel gegenüber zu treten.

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Reply Edited on 06/02/2017 11:02 PM.

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Re: Familien

from Ivar on 05/05/2017 02:13 PM

So, jetzt kommt der ganze Kladeradatsch XD


Familie Nurejew/Wolkow: Xenia - Taras - Alax

Familie Andrássy: Mikhail - Kizzy

Familie Saintclair: Baptiste - Ragnar

 

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