Zukunfts-Thread X

First Page  |  «  |  1  ...  4  |  5  |  6  |  7  |  8  ...  17  |  »  |  Last [ Go to bottom  |  Go to latest post  |  Subscribe to this topic  |  Latest posts first ]


Phil
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Phil on 05/01/2016 06:31 PM

Jetzt begann er schon wieder, aufzuräumen. Ich beobachtete, wie er krampfhaft seinen Blick von mir fort hielt und mir schwante schon übles, in Hinsicht auf den Grund, warum er hier war, aber er antwortete mir nicht.
Ich zuckte zusammen, als er, anscheinend ohne es zu merken, nach dem Band des Gesetzbuch des Ministierums griff und es zurück ins Regal schob. Innerlich hoffte ich, dass die unzähligen Lesezeichen nicht verrutscht waren, aber ich sah nicht nach, sondern verfolgte stumm seine Bewegungen. Wieso war er jetzt schon wieder so fertig? 
Als er sich zu mir herum drehte, sah er aus, als würde er jeden Moment ohnmächtig werden und so langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Er versuchte, zu antworten, aber es endete in einem hochroten Kopf und unverständlichem Stottern. Ich seufzte. Ich wollte nicht sauer sein und hielt mich zurück, aber so langsam zog das ganze hier wirklich an meinen Nerven. Wenn er mir wenigstens ins Gesicht gesehen hätte... stattdessen nästelte er mit bebenden Fingern an seinen Klamotten herum und zwang Wort für Wort hervor.
Deine Unterschrift.
Beinahe hätte ich aufgeatmet. Keine anstrengenden Aufträge, keine Schüler-Dramen oder Prozeduren, die alte Erinnerungen wieder zur Gegenwart machten - er wollte einfach nur meine Unterschrift. Ich wollte erleichtert nicken und grinsen, aber da hatte er sich schon wieder auf dem Absatz umgedreht und räumte weiter Dinge weg, die ich gleich sowieso zurück auf den Boden neben meinem Schreibtisch schmeißen würde, um neben dem Schreiben mitzulesen. So langsam wurde ich wirklich ungeduldig. Was war denn los mit ihm?! War das jetzt ein wöchentlicher Putz-Besuch, den er mir abstattete?
Dann wurde es noch besser. Er packte seine Sachen. Wurde einer schlau aus diesem Kerl.... mit einem Seufzen gesellte ich mich zu ihm an den kleinen Beistelltisch.
"Na komm, zeig her", meinte ich ergeben und deutete auf die Papiere, während ich nach meinem Federkiel griff - wo natürlich kein Federkiel lag, denn den hatte er ja vorhin weg geräumt. Ob er es glaubte oder nicht, manchmal machte es auch Sinn, sein Schreibzeug beim Zucker zu lagern!
Ich atmete geräuschvoll aus und drehte mich um - dann ging ich zurück zum Schreibtisch, um mir die Feder zurück zu holen, die jetzt fein säuberlich parallel zu meinen Pergamenten auf dem Schreibtisch lag - genau so, wie Henry seine Kullis immer zurecht gerückt hatte, wenn er mit den Gedanken woanders gewesen war. Für ein paar Sekunden starrte ich die so vertraute Tischordnung vor mir an und ich spürte, wie es in mir begann, zu brodeln, bis ein schmerzhaftes Ziehen durch meine Brust fuhr. Für ein paar Sekunden war da zu viel von dem, woran ich mir verboten hatte, zu denken, die letzten Wochen und mir wurde schwarz vor Augen, je länger ich den Federkiel und die perfekte Linie, die er bildete, anstarrte. Ich wusste nicht, was ich tat, als meine Hand wie von selber ausholte, um die komplette Einrichtung des Schreibtisch zu Boden zu wischen. 
Der Krach bereitete mir Kopfschmerzen und ich stand für ein paar Sekunden da, das Chaos vor mir anstarrend und mich fragend, warum meine Augen jetzt wieder so brannten, bevor ich langsam in die Hocke ging, um nach der Feder zu greifen. Das zerbrochene Tintenfass ergoss seinen Inhalt langsam über den Boden.

Reply Edited on 05/01/2016 09:34 PM.

Jackson
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Jackson on 05/01/2016 09:51 PM

Sorry, bin den ganzen Tag mit Sammy on gewesen -.- kommt sofort

Reply Edited on 05/01/2016 09:53 PM.

Samuel
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Samuel on 05/01/2016 09:54 PM

ch stapelte immernoch meine Akten über einander, da trat Phil plötzlich neben mich. "Na komm, zeig her"
Ich richtete mich schnell auf und hielt ihm überfordert den Stapel entgegen. Phil griff nach irgendwas, das nicht da war und seufzte genervt. Ich starrte schnell wieder den Boden an.
Aus dem Augenwinkel beobachtete ich, wie er zu seinem Schreibtisch ging. Offensichtlich wollte er einfach nur seine Feder holen. Ich legte die Akten und Formulare wieder auf dem Kaffeetisch ab und zwang mich dazu mich gerade hin zu stellen. Wartend sah ich Phil dabei zu, wie er... na ja seine Tischpaltte anstarrte. Seine Feder lag genau da. Direkt vor ihm. Was war denn jetzt los?
Im einen Moment stand Phil noch vollkommen reglos da und im nächsten Moment ging auf einmal alles schrecklich schnell. Mit einer zielstrebigen Armbewegung fegte er das gesamte Inventar seines Schreibtisches auf den Fußboden. Okay. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schockiert starrte ich ihn an. Wenn er nicht wollte, dass ich aufräumte, warum sagte er es dann nicht einfach? Ich war ja gerade sowieso dabei gewesen mich zu verkrümeln.
Jetzt hockte er sich auf den Boden und suchte nach irgendwas- vermutlich seiner Feder. Die vor wenigen Sekunden noch DIREKT VOR IHM auf dem Tisch gelegen hatte. Ich wurde nicht schlau aus seinem verhallten. Ich war nicht sauer. Aber ich war verletzt. Verletzt und verwirrt. Und das hörte man auch als ich jetzt zögerlich an ihn heran trat und perplex fragte: "Phil? Was.. was machst du da?"

Reply

Phil
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Phil on 05/02/2016 05:15 PM

Was machst du da?
Bebend starrte ich die Scherben des Tintenfasses an und versuchte, weiterzuatmen, aber es war vorbei. Jetzt, wo ich auch noch Henrys Gesicht im Kopf hatte, das von Adrianus und das von Val, klappte meine Selbstbeherrschung in sich zusammen wie ein Kartenhaus. 
Was machst du da.
Verdammt gute Frage. Verdammt, verdammt gute Frage.
"Was ich hier mache...?", wiederholte ich leise, und dann noch einmal, lauter, als ich wollte: "Was ich hier mache?"
Verzweifelt starrte ich die Papiere vor mir an, die sich langsam mit Tinte vollsogen, genau, wie mein Alchemie-Band es mit dem Blut aus meiner Nase getan hatte, als ich genau hier gelegen hatte, während Lycoris wie blind auf mich eingeprügelt hatte... mein Herzklopfen schwoll zusammen mit den Kopfschmerzen zu einem gewaltigen Rauschen in meinem Kopf an und je lauter es wurde, desto blinder wurde ich, vor Wut. Oder Verzweiflung. Ich hatte doch keine Ahnung mehr, wohin ich all diese Gefühl einornden sollte, die mich gerade überschwemmten.
"Ich hab keine Ahnung, was ich hier mache, Sammy", rief ich und wusste nicht, warum ich plötzlich so aggressiv klang, als ich mich unsanft zur Seite rutschen ließ, um ihn anzusehen. Ich saß noch immer, und das war gut so. Meine Beine bebten als hätte ich seit Tagen gestanden.
Seit Tagen nicht richtig geschlafen.
Ich ignorierte die Stimme in meinem Kopf, die mich an die vernünftige Lösung für diesen kleinen Zusammenbruch hier erinnerte und entschied mich für das Gegenteil: unvernünftig sein. 
"Aber du weißt sicher, was ich hier tue, denn anscheinend weiß das ja jeder, zurzeit!", meinte ich also ruppig, wollte mich erheben, rutschte mit der Hand ab und landete in den Scherben. "Scheiße!", rief ich wütend und versuchte die Tinte loszuwerden, aber jetzt war da wirklich wieder Blut und auch, wenn es kaum eine kleine Schnittwunde an meiner Handfläche war, sie reichte, um mir endgültig den Rest zu geben.
"So eine verdammte Scheiße!" 

Reply

Samuel
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Samuel on 05/02/2016 07:52 PM

Ich wartete immernoch auf eine Antwort aber Phil schwieg. Und ich begann mir Sorgen zu machen. Ich zwar immernoch Angst, dass er sauer auf mich war aber ich kannte Phils Nervenzusammenbrüche und irgendwie schwante mir, dass das hier einer werden würde. Vorsichtig trat ich noch einen Schritt an ihn heran und hockte mich dann unsicher neben ihn. ich traute mich nicht etwas zu sagen, als er nur leise und dann etwas lauter meine Frage wiederholte. Stattdessen hob ich die Hand, um sie ihm vorsichtig auf die Schulter zu legen. Da für er plötzlich herum und fauchte mich regelrecht an.
"Ich weiß nicht was ich hier mache, Sammy!"
Erschrocken kippte ich hinten rüber und landete auf meinem Hosenboden. Völlig perplex starrte ich ihn an und brahcte kein Wort heraus. Hätte ich wahrscheinlich auch ohne diese Schockstarre nicht gekonnt. Denn er hörte noch nicht auf:
"Aber du weißt sicher, was ich hier tue, denn anscheinend weiß das ja jeder, zurzeit!"
Wow, moment mal, WAS?! Jetzt sollte ich schuld daran sein. ICH?! Was das sein Ernst?! Fassungslos starrte ich ihn einfach nur an. Ich hatte ihm geholfen, verdammt nochmal! Ich war der Einzige, der ihm eine Möglichkeit aufgezeigt hatte aus dem ganzen Scheiß heile raus zu kommen. Und jetzt war ich plötzlich schuld?! Oh nein!
Und da war es wieder. Phillip Cusick hatte es wieder geschafft. Wir er das immer machte, war mir ein Rätsel aber es funktionierte. Ich war wütend.
"Scheiße!"
Dieses Mal zuckte ich nicht zusammen. Er war mit der Hand in die Scherben gefallen. Na super.
"So eine verdammte Scheiße!"
Wortlos und mit undurchdringlicher Miene zog ich mein Anstecktuch aus der Brusttasche meines Jacketts und reichte es ihm. Dann richtete ich mich auf begann die Scherben langsam aufzusammeln. Ohne ihn anzusehen sagte ich :
"Drauf drücken und nicht wischen. Ich mach das hier. Setz dich."
Es war klar, dass das nicht bloß ein Vorschlag war. Immernoch wütend sammelte ich stumm weiter die Scherben auf einem der tintendurchweichten Blätter. Dann stand ich auf und beförderte das Ganze mit einem Wink meines Zauberstabes in den Mülleimer. Eine weitere Bewegung des Handgelenkes und ein Putztuch begnn die Tinte aufzuwischen und die kleineren Scherben einzusammeln.
Indessen schob ich die Akten auf dem Beistelltisch mit ruppigen Bewegungen zusammen, sodass sie Kante an Kante lagen. Ich sah Phil immernoch nicht an. Ich hatte jetzt gerade wirklich keine Lust auf sein Selbstmitleid. Mit langen Schritten ging ich zu Tür und drehte mich erst dort um.
"Das hier machen wir dann wohl  ein anderes Mal.", ich hob verärgert die Akten, "Ich würde vorschlagen du trinkst jetzt erstmal einen Tee und kommst runter! Und wenn du dann damit fertig bist mir deinen Müll in die Schuhe zu schieben, weil du mal wieder vollkommen übermüdet bist, weil -und jetzt kommt die Ironie- du es für offensichtlich für ganz und gar unnötig hälst auf die Leute zu hören, die du deine Freunde nennst, DANN weißt du ja wo du mich findest! Oh, wo wir gerade schonmal dabei sind: Fang jetzt bloß nicht an mit Ich hab so viel zu zun. Das haben wir alle. Jeder einzelne. David, Gandi, ich und sogar Val. Jeder von uns hat seinen Haufen Scheiße zu tragen. Mit dem klitzekleinen Unterschied, dass wir in der Lage sind uns helfen zu lassen! Dann kann man das auch alles schaffen UND schlafen, Phil. Aber das was du hier abziehst, das ist einfach nur unfair! Entscheide dich: Entweder du spielst den großen Einzelkämpfer, der alles alleine schaffen will oder du lässt dir von deinen Freunden etwas abnehmen. Aber wenn du dich für Option 1 entscheidest, dann hör auf deinen Frust an den Leuten um dich herum auszulassen! Denn dazu hast du dann kein Recht mehr!"

Meine Stimme war im Laufe dieser Standpauke immer lauter geworden. Ich hatte nicht gerschrien aber man hörte, dass es in mir brodelte. Phil hatte selbst gesagt, ich sollte nicht immer alles schlucken, dann musste er das hier jetzt auch abkönnen. Mal abgesehen davon, dass es stimmte. Ich drehte mich um und öffnete die Tür. Er würde entweder in die Bibliothek kommen oder er würde es bleiben lassen. Ich würde jedenfalls nicht nochmal hier antanzen und mich ankeifen lassen. Gerade als ich die Tür hinter mir zu ziehen wollte, fiel mir noch etwas ein. Kurz schob ich den Kopf nocheinmal durch den Türspalt. Meine Wut war verpufft. Ich war einfach nur noch traurig, dass Phil es geschafft hatte mich das vergessen zu lassen. Emotionslos sagte ich: "Achja...ich bin eigentlich her gekommen, weil ich dir was erzählen wollte. Dachte es interessiert dich vielleicht, so als mein Freund, du weißt schon. Ich hab jemanden kennen gelernt. Aber lass dich nicht stören, das Selbstmitleid wartet. Schönen Abend noch, Sir."
Mit einem Knall zog ich dir Tür hinter mir zu. Ich wusste, dass das gemein gewesen war. Ich wusste, dass ich Phil damit verletzt hatte. Und ich wusste, dass das "Sir" unnötig gewesen war.
Aber ich war enttäuscht. Enttäuscht, dass es ihn nicht interessiert hatte. Enttäuscht, dass er mal wieder nichts anderes als sein eigenes Elend im Kopf gehabt hatte. Und enttäuscht, und das am allermeisten, dass er offensichtlich immer noch nicht kapiert hatte, dass ich ihm helfen wollte und vor allem konnte.
Plötzlich schrecklich müde machte ich mich auf den Weg in die Bibliothek. Der Papierkram auf meinem Schreibtisch würde nicht ewig warten. Würde ich den Abend eben so verbringen...

Reply

Phil
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Phil on 05/02/2016 08:58 PM

Sein geschockter Gesichtsausdruck verwandelte sich nach und nach in etwas Anderes... war das Zorn? Überrascht blickte ich ihn an und tatsächlich, die tiefe Falte, die jetzt auf seiner Stirn erschien, verlieh seinem Gesicht wirklich einen wütenden Ausdruck. Samuel. Wütend. 
Wow.
Für ein paar Sekunden herrschte absolute Stille, dann drückte er mir ein Taschentuch in die Hand und begann SCHON WIEDER, aufzuräumen. So langsam machte er mich wahnsinnig mit seiner Art, mir nicht in ins Gesicht zu sehen und völlig verstockt Sachen wegzuräumen, und sie GENAU SO hinzulegen, wie sie eben da gelegen hatten. Ich hätte durchdrehen können. Ich war wütend auf diese verdammten Akten und die Feder, die mich so leicht aus dem Konzept gebracht hatte, darauf wie verräterisch schön die Abendsonne durchs Fenster schien, als wäre das hier eine wunderschöne Dämmerung, die ich genießen musste, und vor allem war ich wütend auf das Gefühl, zu wissen, dass jede dieser verplemperten Sekunden zu meinen letzten in Freiheit gehören konnte. 
Ich blieb sitzen, wo ich war, presste stumm das Taschentuch auf den Schnitt an meiner Hand, der schon bald darauf aufhörte, zu bluten und stierte den Teppich vor mir an, in dem verzweifelten Versuch, meine Augen vom Tränen abzuhalten. Er sollte jetzt bloß nicht auch noch denken, dass ich heulte. Verdammte Müdigkeit.
Und dann hob er wider Erwarten die Stimme. Etwas überrascht sah ich auf - aber da hatte er auch schon los gelegt. Es war, als hätte Sammy sein verlorenes Selbstbewusstsein unter einer der Mappen wiedergefunden, die er eben weg geräumt hatte und - halleluia - jetzt legte er richtig los.

"Oh, jetzt, ja?!", erwiderte ich gereizt. "Danke für das großzügige Angebot, Mr. Scott!"
Es war ja nicht so, als wäre ER hier rein geplatzt, ohne eine Erklärung, um durch mein Zimmer zu putzen wie ein Verrückter. Der Tee, den er mir so warm empfohlen hatte, war auf meinem Tisch kalt geworden, inzwischen und im Ernst, ich hatte ihn nicht darum gebeten, zusammen mit mir so zu tun, als wäre alles gut. Das war er gewesen, nicht ich. Und er war nicht da gewesen, die letzten Tage, und ich hätte ihm niemals einen Vorwurf dafür gemacht, aber ich würde mir ganz bestimmt nicht vorwerfen lassen, dass ich nicht irgendwelche Leute anquatschte, um sie zu bitten, meinen Job zu machen. Vielleicht glaubte das keiner mehr, in diesem verdammten Laden hier, aber es war nicht so als würde ich hier eine Stelle beziehen, die jeder einfach so übernehmen konnte. Ich fühlte mich wirklich geschmeichelt durch diesen Kommentar. Wusste ich also auch, was er von meinen Fähigkeiten hielt. Schönen Dank auch. 
Ich schnaubte genervt und versuchte zu ignorieren, wie sehr meine Hände zitterten, als ich ihm zurück an den Kopf warf: "Entschuldigung, dass ich hier versuche, mein restlich vorhandenes Leben auf die Reihe zu kriegen und keinen Kopf dafür habe, mit dir gemütlich eine Tasse Tee zu trinken und über meine Probleme zu plaudern! Es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen, aber vielleicht verstehst du auch einfach noch nicht Alles, mit deinen 25 Jahren Lebenserfahrung!" Ich war unwillkürlich lauter geworden, und wütender. Mein inneres Bild von Adrianus und das von Henry saßen mir im Nacken und ich wollte alles, nur nicht an sie denken und deshalb ließ ich diese Gedanken jetzt raus, obwohl ich wusste, dass es unfair war. 
Noch bevor ich weiter reagieren konnte, stand er schon in der Tür. Und als ich schon dachte, das wäre es jetzt, er würde gehen und es wäre mal wieder eine Beziehung in meinem Leben kaputt gegangen, drehte er sich noch einmal um, und sagte das, auf was ich am wenigsten vorbereitet gewesen war.
"Ich habe jemanden kennen gelernt."

Wumms.

Und weg war er. Und ich saß da und fühlte mich wie der schlechteste Mensch der Welt. 
Mit einem Schlucken starrte ich den Teppich an, versuchte, nicht auf die Stimme in meinem Kopf zu hören, die mir sagte, dass ich es mal wieder gehörig verhauen hatte und ließ geräuschvoll meinen Hinterkopf an den Schreibtisch sinken.
"Fuck...", murmelte ich leise, obwohl mich keiner hören konnte und im nächsten Moment schrie ich frustriert auf und trat gegen das Regal neben mir. Die Bücher, die Sam fein säuberlich einsortiert hatte, kippten der Reihe nach wieder heraus und blieben zerknittert liegen. Abwesend strich ich die Seiten des Geschichte für Zauberei Bandes gerade. Es war ein Bibliotheksbuch.
"So ein verdammter Mist", knurrte ich und erhob mich und sobald der Raum sich nicht mehr drehte schmiss ich das Buch auf meinen Sessel, warf einen letzten Blick zu den unbeendeten Briefen auf meinem Schreibtisch und verließ mein Büro.
Ich konnte das jetzt nicht so stehen lassen. Vor allem nicht mit dem Wissen, dass das hier vielleicht mein letztes Gespräch mit Sammy gewesen war.

Als ich in die Bibliothek trat, war es vollkommen still und für ein paar Sekunden erinnerte ich mich an den Zauber, den diese Regalreihen bei Nacht bargen. Der Geruch von Pergament. Frische Einbände. Wachs. Vermutlich war es eher ein Ravenclaw-Ding gewesen, aber nach der Küche war das hier definitiv einer meiner Lieblingsorte gewesen, früher.
Als ich Sam entdeckte, blieb ich langsam stehen und lehnte mich mit den Händen in den Hosentaschen gegen eines der Regalbretter. Ich brauchte eine Weile, bis ich die angespannte Stille zwischen uns brach.
"Wie heißt sie?"

Reply Edited on 05/02/2016 09:01 PM.

Samuel
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Samuel on 05/02/2016 09:50 PM

Gerädert ließ ich mich hinter meinem Ausleihetresen auf dem Drehstuhl fallen. Fuck. Das war ja mal gewaltig schief gegangen. Ich spürte, wie das schlechte Gewissen in mir hoch kam. Ich wusste doch, wie es um Phil stand. Und ich wusste auch, dass in zwei Tagen seine Verhandlung war. Ich hatte ihm eigentlich sagen wollen, dass ich seine Chancen für gar nicht so übel hielt.
Mir fiel etwas ein und ich griff in die Tasche meines Jacketts. Meine Finger stießen auf zerknittertes Pergament und ich stöhnte auf. Scheiße! Das hatte ich vollkommen vergessen. Dabei hatte ich allein drei Stunden gebraucht um das richtige Buch in der verbotenen Abteilung zu finden und dann drei weitere um es öffnen zu können. Es hatte sich gelohnt. Ich hatte einen Spruch gefunden, der ihn da vielleicht raus boxen konnte. Er war kompliziert, sowohl in seiner Anwendung als auch in seiner Legalisierung aber es hätte theoretisch klappen können. Theoretisch. Denn jetzt würde Phil vermutlich nie wieder mit mir sprechen, ob er nun nach Askaban wanderte oder nicht.

ScheißeScheißeScheiße!

Seufzend lehnte ich mich zurück und schloss die Augen. Na super, jetzt hatte ich auch noch Kopfschmerzen. Schicksalsergeben setzte ich mich richtig hin, griff nach meiner Feder, zog das erste Dokument zu mir heran und begann zu schreiben. Inventur. Schon wieder.

Ich blickte nicht auf, als die große Ebenholztür sich mit einem schüchternen Knarren öffnete und Schritte ertönten. Vermutlich irgendein Lehrer, der noch etwas für seine Unterrichtsstunde am nächsten tag nachschlagen wollte, weil er ein paar besonders hartnäckige Ravenclaws bei sich im Klassenzimmer sitzen hatte. ich war einer dieser Schüler gewesen, ich wusste wovon ich sprach. Zunächst hatte ich immer noch gegrüßt aber mittlerweile war ich zu einem mehr oder weniger höflichen Murmeln übergegangen und meine Kollegen taten es mir gleich. Und mit Phil rechnete ich sowieso nicht, nachdem was wir uns da vorhin an dem Kopf geworfen hatten.
Deswegen war ich jetzt auch mehr als verwundert als die Schritte anhielten, bevor sie an meinem Tresen vorbei gegangen waren. Trotzdem schrieb ich weiter und glich sorgsam Buchtitel um Buchtitel ab. Wenn man da einmal durcheinander kam, konnte man von vorne anfangen und da hatte ich nun wirklich keine Lust drauf.
"Wie heißt sie?"
Mehr als überrascht hob ich den Blick, als die Stimme ertönte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Deswegen brauchte ich auch ein bisschen um zu realisieren, dass es wirklich Phil war, der da stand. Nachdem ich so fies gewesen war, hatte ich mit allem gerechnet aber nicht damit. Einige Sekunden herrschte Stille und ich war mir sicher, dass man mir ansah, wie es um mein Gewissen stand.
"Marleen... Marly."
Ich blickte Phil immernoch an. Oh man, war ich froh, dass er her gekommen war. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie wichtig mir diese Freundschaft geworden war. Ich fuhr mir kurz durch die Haare und starrte auf mein Pergament. Ich hatte auf den letzten Buchtitel gekleckst. Egal. Ich hob den Blick und blickt Phil an.
"Es tut mir leid. Ich hab`s nicht so gemeint..."
Das war die Wahrheit.

Reply

Phil
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Phil on 05/02/2016 10:19 PM

Ich musterte ihn eine Weile und erneut fühlte ich mich so müde, dass ich im Stehen hätte einschlafen können. Ich wollte nicht mehr. Nicht mehr streiten und Sachen sagen, die ich später bereute, ich wollte mich nicht mehr aufregen und alles so furchtbar anstrengend machen, ich wollte einfach nur noch ein bisschen Frieden an diesem Abend und mich nicht mehr so schrecklich einsam fühlen, in der Dämmerung. 
Also schüttelte ich bloß den Kopf. "Du hast ja Recht. Mir tut es Leid." 
Ich sah mich um und griff mir einen Stuhl, dann zog ich ihn heran, stützte meinen Ellenbogen auf seinem Schreibtisch ab und musterte ihn mit einem müden, aber versöhnlichen Lächeln.
"Marly", wiederholte ich, "Schöner Name. Wie habt ihr euch kennen gelernt?"
Natürlich, ich hatte schon krassere Ausraster gehabt, in meinem Leben und an einem anderen Tag wäre ich vermutlich komplett am Rad gedreht, aber irgendwie bedeutete Sams neues Freundin gerade trotzdem viel mehr, als sie es normal getan hätte. Das war eine Geschichte, die nicht in irgendeiner Hinsicht anstrengend werden würde, sobald sie mit mir zu tun hatte. Nichts, was auf dem Spiel stand, wenn ich in zwei Tagen versagte. Es war nicht nur meine natürlich Neugier auf das Mädchen, das sein Herz gestohlen hatte, sondern auch die Hoffnung auf ein bisschen Seelenfrieden und ein kleines Happy End, an dem ich mich festhalten konnte, an so einem Abend wie diesen.  
"Erzähl mir alles", meinte ich also mit einem leichten Grinsen und goss mir etwas von dem Tee ein, der auf seinem Tisch stand. Ich wollte nicht mehr an anstrengende Sachen denken. Ein bisschen Romantik konnte ich jetzt wirklich gut vertragen. 

Reply

Samuel
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Samuel on 05/08/2016 04:55 PM

Ich atmete erleichtert aus als Phil die Entschuldigung an nahm und sie auch noch erwiderte. Bei Merlin, ich hätte es wirklich nicht ausgehalten, wenn wir uns länger als einen Tag angeschwiegen hätten.
Als er sich zu mir setzte und sich auf seinen ellenbogen abstützte, sah ich ihm an, wie müde er war. Junge, junge, vielleicht würd ich doch nochmal einen Streit in Kauf nehmen, weil ich einen Schlaftrunk in seinen Tee geschummelt hatte. Einfach damit Phil wieder er selbst war. Momentan stand er nämlich wirklich neben sich. Das hielt ihn aber nicht davon ab mich nach Marly zu fragen und dafür war ich ihm unendlich dankbar.
Ich setzte an und öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder und rührte nachdenklich in meinem Tee. Wie sollte ich Phil von Marly erzählen? In meinem Kopf sah ich sie ganz klar und deutlich vor mir aber irgendwie fiel es mir schrecklich schwer sie in Worte zu fassen. Wie erklärte man das? Wie zur Hölle, sollte ich dieses gefühl in Worte fassen, dass sich in mir ausbreitete, wenn ich an die vergangenen Stunden dachte. Ich wusste es nicht. Also startete ich einfach mal mit den Basisinformationen.
"Sie hat dieses Café in Hogsmeade. Ich weiß nicht ob du es kennst. Das Hexebtässchen? Ist echt nett da, guter Kaffe und genialer Kuchen..."
...und eine fantastische Bedienung.
An der Stelle geriet ich ins Stocken. Und jetzt? Was konnte ich Phil sagen? Dass Marly wunderschön war? Dass alles was sie tat und sagte irgendwie süß und klug war?"
" Und ähm... naja, sie war in Ravenclaw... sie... ähm... wir haben den ganzen Nachmittag geredet und naja...ich glaube, das könnte funktionieren..."
Bei dem letzten Satz guckte ich mit einem Lächeln in meine Tasse. Ja, das glaubte ich wirklich.

Reply

Phil
Deleted user

Re: Zukunfts-Thread X

from Phil on 05/08/2016 08:20 PM

Mir entging der sorgenvolle Blick nicht, mit dem Sammy mich bedachte, aber ich versuchte, ihn so gut wie möglich zu ignorieren und pustete stattdessen in meine Teetasse. Ich wusste, wie abgefuckt ich inzwischen aussah, aber ich schlug mich so gut möglich durch, Tag für Tag, ließ Sachen liegen, die mich stressten, erledigte den Papierkram draußen auf dem Hof, in der Sonne, ich redete viel mit Schülern und Kollegen und konzentrierte mich bewusst auf die Dinge, die mich entspannten - ich hatte alte Alchemie-Projekte wieder aufgenommen und so lange da nichts war, als freundliche Menschen und Sonne und der Geruch von Zaubertrankzutaten kam ich klar; übel waren die Abende.
Umso dankbarer war ich jetzt, dass er mich rausgeholt hatte, aus der dunklen Höhle, die sich mein Büro nannte und somit auch aus den düsteren Gedanken und melancholischen Briefen. Ich bereute es, ihn so angefahren zu haben. Das war nicht fair gewesen. Gut, dass er jetzt mit ganz anderen Dingen beschäftigt schien.
Er brauchte ein bisschen, um zu einer Antwort zu finden, und kurz schweifte sein Blick ab. Noch in der selben Sekunde fuhr ihm ein so glückliches Lächeln über das Gesicht, dass ich gar nicht anders konnte, als mitzugrinsen. Er sah so glücklich aus, für eine Weile, dass er sich seine Antwort eigentlich hätte sparen können. Egal wer sie war, sie war die Richtige. 
Als Sammy es dann doch schaffte, seine Gedanken zu ordnen, waren seine Wangen bereits so rot, dass sich in mir wirklich der Wunsch regte, dieses Mädchen kennenzulernen. Sie musste ihn wirklich von den Socken gehauen haben... 
"Das Hexentässchen...", wiederholte ich nachdenklich, "Ist das nicht dieser neue Laden an der Ecke? Ich war noch nicht drin, aber ich hab ihn gesehen. Sieht süß aus." Ich grinste. "Wenn ihre Cupcakes wirklich so gut sind wie ihr Ruf, hast du dir definitiv die Richtige ausgesucht." 
Sie war in Ravenclaw. Und sie hatten geredet. Sammy hatte geredet. Den ganzen Nachmittag. Mein Lächeln wurde immer breiter. Sein Blick sprach Bände, da machte es gar nicht, dass die Informationen, die ich aus ihm heraus bekam, ziemlich spärlich waren. Er war einfach zu süß.
"Sie klingt unheimlich nett", meinte ich also ehrlich und lächelte, "Dir ist schon klar, dass ich sie kennenlernen will, oder?"
Ich fuhr mir durch die Haare. "Oh man, Sammy, das freut mich wirklich für dich", meinte ich dann. "Weißt du schon, wann ihr euch wieder seht? Gibt es ein Date?" Ich dachte nach. Ravenclaw... "Wieso kennt ihr euch eigentlich nicht?" War sie jünger? Älter? Langsam kam mein Hirn wieder in Gang und ich wurde wirklich neugierig auf Sammys Auserkorene. Sie backte - das machte sie definitiv schon Mal sympathisch. 

Reply
First Page  |  «  |  1  ...  4  |  5  |  6  |  7  |  8  ...  17  |  »  |  Last

« Back to forum