Ein Friedhof

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Aidan
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Re: Ein Friedhof

from Aidan on 04/28/2016 10:49 PM

Sie sah selbst hier auf dem Friedhof extravagant aus. Wahrscheinlich noch extravaganter als im Beruf - denn jetzt war es nicht ihr Auftreten, das Blitzen ihrer Augen, das ihr Eindruck verlieh, sondern ihre gesamte Erscheinung. Das altmodische Kleid stand ihr, vor allem wegen der Art, mit der sie es trug. An einer anderen Frau hätte es wahrscheinlich lächerlich gewirkt und meine Aufmerksamkeit gar nicht erst auf sich gelenkt. Sie mochte es, sich zu präsentieren, ohne dabei zu wirken, als würde sie für andere Menschen durch die Welt laufen. Es war eine faszinierende Mischung aus Expressionismus und Ignoranz. 
Mit langsamen Schritten folgte ich ihr zu dem kleinen Waschbecken und seltsamer Weise war ich sogar relativ entspannt. Hier zur Kirche verirrte sich kaum jemand, was vermutlich daran lag, dass die ohnehin schon wenigen Gräber fast ohne Ausnahme aus einem anderen Jahrtausend stammten und so gut wie nie besucht wurden.
Als Meridiana vor sich hin zitierte, fuhr mir ein versöhnliches Lächeln über das Gesicht und langsam fragte ich mich wirklich, was das hier war. Es lag nicht einmal wirklich an ihr. Die Sonntage waren die letzten Tage, die mir als Privatmensch geblieben waren, in den letzten Jahren und erst jetzt, wo wir zusammen in der sanften Frühlingssonne standen und redeten, fiel mir auf, dass ich an diesen Tagen niemals Menschen getroffen hatte. Vielleicht war es tatsächlich normal, dass die Sonntage mich zu einem normalen Bürger dieser Bevölkerung machten, ohne tiefgreifende Gedankengänge oder angespannte Deduktionen meiner Gegenüber. 
Es war seltsam, über diese These nachzudenken, deswegen beließ ich es dabei und richtete meinen Blick zurück auf ihre Hände, die sie sich jetzt wusch. Ein waschechter Londoner? Diese Bezeichnung klang nicht wirklich nach etwas, was für mich wünschenswert war. Londoner waren laut. Extravagant. Hungrig für Neues. Eine gute Gegend, um Neuigkeiten zu verbreiten, aber mehr als mein Aufenthaltsort war diese Stadt wohl kaum. Jedenfalls kein Zuhause, das mich sentimental stimmte. 
Mir fiel auf, dass ich wohl etwas sagen sollte. Es war anstrengend, Konversation zu führen, ohne ein Ziel darin, und das hatte mir schon das letzte Mal, in der Warteschlange mit der Schottin den Hals gebrochen. Nicht noch einmal.
"Mehr oder weniger", antwortete ich also und lehnte mit einer dankbaren Bewegung ihr Taschentuch ab, ich hatte mir die Hände vorhin bereits durch einen Zauber von der Erde befreit, "Und Sie?"
Ich erinnerte mich an ihre Reiseberichte. War ausgerechnet London die Stadt, die am Ende ihr Herz halten konnte? Oder war diese Gegend für sie wie für mich bloß ein Mittel fürs Geschäft?
Mein Blick flog über die kleine Steinmauer hinter uns zu den Gräbern. Noch immer gab mir dieser Ort das Gefühl, einen Schritt zu Nahe bei Meridiana zu stehen. Ein Eintritt in ihre Privatsphäre, aus der ich mich wohl kaum noch elegant herausziehen konnte.

Reply Edited on 04/28/2016 10:49 PM.

Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 04/28/2016 09:05 PM

Er hatte mir zu lange nachgesehen um nicht überrascht zu wirken, an einem Ort an dem man sich um die Toten mehr kümmerte als um die Lebenden. Wahrscheinlich war er in dieser Hinsicht bodenständiger als ich, tougher und vielleicht auch erfahrener, wer wusste das schon? Ich wusste, dass da eine Familie gewesen war, die es jetzt nicht mehr gab, aber ich mochte ihn zu sehr um weiter zu forschen. Es war mir angeboten worden, durchaus, aber ich hatte abgesagt. Wenn er darüber sprechen wollte eines Tages, dann würde er es tun. Das war meine Art die zu würdigen die mir am Herzen lagen: Ihnen ihre kleinen und großen Geheimnisse zu lassen, wenn sie es wollten. Jeder Andere wurde gnadenlos geröngt. 
Und doch kam mir die Frage, ob es vielleicht die Gräber seiner Familie gewesen waren, die er besucht hatte. Es wäre möglich, nicht wahr? Es wäre traurig. Und genau das ließ mich zu Boden sehen für einen Moment, wie in stillem Gedenken an die, die ich nicht kannte.
Tief durchatmend zog ich an der Zigarette und drückte sie schließlich aus als ich seine Stimme hörte. Ich hatte seine Schritte schon zuvor gehört, wie sie im Kies knirschten und schließlich auf dem Kopfsteinpflaster klapperten, aber ich hatte bewusst nicht aufgesehen. Das hier war der einzige Ausgang und es lag nicht in meiner Intention ihn abzufangen. Still schlenderte ich zum Mülleimer, warf den Zigarettenstummel fort und sah dann erst zu ihm hinüber.
Seine Art ungemütlich herum zu stehen brachte mich zum Lächeln. Er sah tatsächlich aus wie immer, selbst in seiner Freizeit adrett und ordentlich und nicht im geringsten auffällig für jeden, der nicht ich war. Und ich? Musste aussehen wie aus einem Landschaftsfilm gestohlen in dem uralten Sommerkleid meiner Mutter, das sie so geliebt hatte, mit den vom Kies dreckigen Füßen in den flachen Schuhen und den von der Erde verschmutzten Fingern.
"Die ersten sonnigen Tage. Die Frostriesen wurden besiegt, Sie sollten sich etwas wünschen.", gab ich sanft die Adaption einer alten Kindergeschichte wieder und lachte leise gegen die Sonne. Dass er mich ansprach war süß auf seine verquere Art und Weise. Wahrscheinlich hatte er sich dazu genötigt gefühlt.
Damit es zumindest ein wenig Sinn ergab winkte ich ihn mit zum Wasserhahn an der Mauer und begann dann dort meine Finger vom Dreck zu reinigen. "Sie sind also ein waschechter Londoner.", resumierte ich seine Anwesenheit hier. Niemand sonst in dieser Stadt ging mit solch bitterem Gleichmut auf einen Friedhof.
Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass er vielleicht nur hier war um Ruhe zu haben vor denen, die ihn auf den Straßen immer über den Haufen rannten... es war eine Möglichkeit. Neugierig musterte ich ihn, vor allem natürlich sein Gesicht, von der Seite während ich ein Tuch aus der Tasche zog und es ihm hinhielt falls auch er sich die Hände trocknen wollte. Ein außergewöhnlicher Mensch.  

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Aidan
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Re: Ein Friedhof

from Aidan on 04/28/2016 05:13 PM

Als sich unsere Blicke trafen, konnte ich nicht anders, als sie unverwandt anzustarren. Es war seltsam, diese Situation. Da war kein schützender Schreibtisch zwischen uns, keine geschäftlichen Beziehungen oder formale Worte, nur zwei Privatleben, von denen wir nichts wussten und vielleicht auch gar nichts wissen wollten. Unwillkürlich fragte ich mich, wie oft wir wohl schon aneinander vorbei gelaufen waren, ohne es zu bemerken. Zufälle...
Zu meinem Überraschen sagte sie nichts. Im Gegenteil. Sie warf einen letzten Blick auf das Grab und ging, als hätte sie mich gar nicht gesehen. Aber das hatte sie, und das wussten wir beide. War das eine Aufforderung? Sie erwischte mich, als sie sich plötzlich noch einmal umdrehte und mir direkt ins Gesicht sah. Ich hätte ihr nicht so offensichtlich hinterher sehen sollen. Aber es war ein Reflex gewesen, wenn auch ein verräterischer.
Sie lächelte. Und dann ging sie tatsächlich.
Ein wenig unschlüssig wanderte mein Blick zu dem Handy in meiner Hand und dann zu dem Grabstein, an dem sie eben noch gestanden hatte. Als ich mir sicher war, dass sie außer Sichtweite war (günstiger Weise war das Gelände leicht zu überblicken) bog ich in einen der kleinen Zwischenpfade ein und warf im Vorbeigehen einen kurzen Blick auf den Stein.
Merryweather Summers. 
Die Frau war zweiunddreißig geworden und schon zu lange tot, als das sie Meridianas Schwester hätte sein können, also ging ich davon aus, dass Meridiana eine Halbwaise war, und das schon seit langer Zeit. Ich wusste nicht, warum diese Information mich so traf. Vielleicht lag es daran, wie sehr der Name Summers mich an einen anderen, winzigen Grabstein erinnerte, den ich im Gegensatz zu diesem Friedhof so gut wie nie besuchte. 
Ich blieb nicht stehen, an dem Grab, auch, wenn ich den Anflug des schlechten Gewissens in meiner Brust gewöhnt war, von diversen investigativen Schnüffel-Aktionen, die mich im Laufe meiner Karriere dazu gezwungen hatten, Moralvorstellungen nicht an erster Stelle zu sehen. 

Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass Meridiana noch da war. Ich war mit den Gedanken schon wieder völlig woanders (was immer noch erstaunlich nah bei der Frage nach ihrem Privatleben war) und hatte mich damit abgefunden, dass ihr Lächeln lediglich eine Aufforderung gewesen war, sie bald mal wieder anzuschreiben.
Als ich an der Mauer vorbei ging, an der sie lehnte, hielt ich etwas überrascht inne.



Sie rauchte. Langsam kam ich zum Stehen, schob meine Hände in beide Hosentaschen und drehte mich zu ihr. 
"Anstrengender Tag?", fragte ich und ich hatte keine Ahnung wieso, aber Meridiana kam mir nicht so vor, als wäre sie besonders entspannt. Vielleicht wollte sie ja reden. Auch, wenn ich nicht wusste, ob ich das überhaupt wollte.  

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Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 04/27/2016 12:50 PM

Während ich vorsichtig das unvermeidliche Moos von den eingravierten Buchstab des Grabsteins kratzte, so vorsichtig als könnte ich dem kalten, toten Stein damut weh tun, hatte ich das Gefühl, als betrachtete mich jemand. Es wunderte mich nicht, ich wusste, dass hin und wieder mein Bruder weiter entfernt sein noch menschliches Auge auf mich hatte hier. Dieser Ort war neutraler Boden für ihn und mich, auch wenn wir nicht dazu kämen uns anzusprechen oder zu nahe zu kommen. Alles in allem kümmerte ich mich nicht darum.
Erst als ich das Klingeln eines Handys höre und mir unwillkürlich an die Tasche griff sah ich auf.. und stutzte. Entweder spielte mir meine Fantasie einen Streich oder ich erkannte Aidan zwei Reihen weiter. Er griff nach seinem Handy und das Klingeln verstummte. Reglos und in meinem Lied innehaltend betrachtete ich ihn für einen kleinen Moment. Er hatte schon immer etwas von einem tragischen Helden, seit ich ihn das erste Mal wirklich angesehen hatte, aber jetzt, umgeben von den Ruhestätten toter Menschen... hätte man ihn für den Todesengel selbst halten können.
Wie aufmerksam du darauf achtest gerade jetzt nicht aufzusehen.
Jeder Mensch hatte irgendwo einen Friedhof mit Familie, es wunderte mich nur, dass wir wohl ein und denselben Ort hatten, jahrelang. Oder erst seit kurzer Zeit? Wen besuchte er hier? Ich würde nicht fragen, nicht hier. Ich mochte tun was ich wollte und meine Mutter würde mich sicher nicht rügen, aber auf gewisse Weise unterlag ich hier doch ihrem sorgsamen, strengen Auge. Es gehörte sich nicht. 
Doch meine Pflege war getan. Ich ließ meinen Blick zurück auf den Namen auf dem Stein fallen. Merryweather Summers. Sie hatte wie ich Fairburn geheißen doch nach dem was geschehen war hatte meine Tante sich geweigert sie unter diesem Namen zu bestatten. Es war richtig so und gut, auch wenn Mutter gewütet hätte, wenn sie es gesehen hätte. Zweiunddreißig Jahre nur war sie geworden, ein Alter dem ich mich immer mehr näherte. Ich konnte nicht umhin zu seufzen als ich einen Kuss auf meine Finger gesetzt hatte und diesen zum Abschied auf ihren Stein strich. 
Dann ging ich, als hätte ich Aidan nicht gesehen und hielt am Ende der Reihe doch für einen Moment um zurück zu sehen. Ich sah ihn an und lächelte leicht, ein Zeichen nur, dass das hier nie zur Sprache kommen würde, wenn er das wollte. Nicht öffentlich und nicht zwischen uns,wenn es so etwas denn überhaupt gab. Dann ging ich weiter bis zur kleinen Kathedrale, lehnte mich an die von der Sonne gewärmte Mauer und steckte mir eine Zigarette an. Ich war keine Raucherin... aber immer wenn ich hier gewesen war tat ich es, es war ein Ritual dessen Ursprung ich schon nicht mehr kannte.
Aidan hatte so bedrückt ausgesehen, aber nicht unbedingt trauernd. Wieder diese Sorgen in meinem Kopf. Er war ein erwachsener Mann und kein Kind, ich musste mir das ins Gedächtnis rufen. Woher auch immer dieser Wunsch kam ihn zu beschützen, icch wusste es nicht. Und warum ich zum ersten Mal hoffte, wenn auch nur unterbewusst, dass ein Mensch auf diesem Friedhof tatsächlich mit mir sprach. Und vielleicht sogar darüber, warum er hier war.  

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Aidan
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Re: Ein Friedhof

from Aidan on 04/25/2016 05:45 PM

Es war das Eine, Fairburn in Geschäftsangelegenheiten zu treffen, oder bei einer vereinbarten Verabredung auf einen Kaffee, aber etwas völlig anderes, sie zufällig zu sehen, ohne Anlass. In dieser Sekunde fühlte sich der Fakt, dass ich sie erkannte, an, wie ein Verbrechen, das Überschreiten einer Grenze, die unmissverständlich und klar um jeden von uns gezogen war. 
Friedhöfe waren keine Orte, um in Menschen hinein zu laufen. Die Grabsteine auf den Beeten, die man bewässerte, mochten in meinen Augen nicht viel mehr als ein unverständliches Ritual bedeuten, aber sobald sie von anderen Leuten betrachtet wurden, bedeuteten sie einen Einblick in die Privatsphäre, das Öffnen einer Wunde, die nicht zwingend besonders tief reichen musste, aber dennoch eine unmissverständliche Schwäche darstellte. 
Kurz überlegte ich, ob ich einfach wieder gehen sollte, ohne einen Kommentar, aber noch bevor ich mich dazu entscheiden konnte, begann Fairburn, zu singen. Innerlich korrigierte ich mich. Nicht Fairburn. Meridiana. Das hier war definitiv nicht die toughe Radiomoderatorin, die vor keinem Hindernis halt machte. Die Frau, die vor einem Grabstein stand und eine leise, melodische Melodie summte, die mir aus irgendeinem Grund Gänsehaut über den Rücken schickte, war eine junge Frau mit einem Privatleben, mit verlorenen Menschen und Familie. Sie war zu jung, um ein Grab zu pflegen und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, welcher Name auf dem Stein vor ihr stand.
Ich wusste nicht, was mich davon abhielt, zu gehen. Ich hatte keineswegs vor, sie anzusprechen, oder mich bemerkbar zu machen, ich hielt lediglich ein paar Sekunden inne, ihr Gedanken verlorenes Gesicht musternd und mich fragend, was ihre Augen so alt machte. 
Das Klingeln meines Handys riss mich aus den Gedanken und in der selben Sekunde verfluchte ich mich dafür, noch immer hier zu stehen, zwei Gräberreihen weiter, direkt im Sichtfeld von Meridiana.
Es war mein Praktikant.
Ich drückte ihn weg.

Reply Edited on 04/25/2016 05:46 PM.

Meridiana
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Re: Ein Friedhof

from Meridiana on 04/24/2016 11:26 PM

Frische Kornblumen wo noch vor einigen Wochen welche fehlten. Jemand war am Grab meiner Mutter gewesen, ob nun mein Bruder oder mein Vater. Sicher nicht mein Vater, dazu war er wohl kaum noch im Stande und Raffael war ich deswegen nicht böse. Er hatte sie auch geliebt, und zumindest hier auf dem Friedhof musste ich für einen Moment meinen Hass auf ihn vergessen. Mutter zuliebe, die ihn nur als lieben, kleinen Jungen gekannt hatte.
Langsam ging ich in die Hocke und strich die Erde vom Steinrand des Grabes, ganz gleich wie neu und sauber meine Nägel waren. Während ich begann die verwelkten Blütchen aus den Büschen zu zupfen gingen mir so viele Dinge durch den Kopf, die ich wahrscheinlich mit ihr besprochen hätte, wenn es sie noch geben würde. Was ich mit Rains Hitzkopf tun sollte, wie es weiter gehen würde. Warum ich mir solche Sorgen machte um einen Mann, den ich kaum kannte und der es fast 40 Jahre durchaus zu etwas gebracht hatte, ohne, dass ich mich um ihn kümmerte. Als Kind, so schien mir, hatte Mutter auf alles eine Antwort gehabt; heute musste ich sie selbst haben.
Seufzend erhob ich mich um am Ende des Kiesweges Wasser aus der Leitung zu holen. Schweigend trug ich die schwere Gießkanne zurück zum Grab und dankte allen Göttern, dass ich die Higheels zuhause gelassen hatte.
Ich war alle paar Wochen an diesem Ort und kümmerte mich dabei selten um die wenigen anderen Menschen. Nur um das Grab dieses unbekannten alten Mannes neben dem meiner Mutter, das nie jemand zu pflegen schien. So wässerte ich nicht nur Mutters Blumen gewissenhaft sondern auch seine. Und bevor ich mich versah lag mir ein leises, trauriges Wiegenlied auf den Lippen, das mich an andere Zeiten erinnerte... ganz leise nur gesungen in dieser absoluten Stille. 

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Aidan
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Re: Ein Friedhof

from Aidan on 04/24/2016 10:51 PM

Ich war lange nicht mehr am Grab meiner Mutter gewesen. Generell hielt ich nicht viel von der Idee eines Friedhofs. Die Vorstellung einer persönlichen Gedenkstätte an dem so ziemlich unpersönlichsten Ort der Welt hatte sich mir nie erschlossen, aber ich war ein öffentlicher Mann und musste mein öffentliches Gesicht wahren und außerdem hatte ich einen Vater, dem es sehr am Herzen lag, dass die Veilchen auf dem Grab seiner Frau stetig erneuert wurden. 
Also war wieder einer dieser Tage, an denen ich halbherzig ein paar der Blumen gegossen und neu eingepflanzt hatte, um mich danach wieder auf den Weg zu machen. Ich hatte kein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter gehabt. Aber zu ihrem Grabstein hatte ich nicht wirklich ein persönliches Verhältnis.
Überreste unter einem Stein. Nicht wirklich das, was mich an meine doch recht idyllische Kindheit erinnerte. 
Ich machte mich auf den Rückweg, während ich die Emails auf meinem Handy checkte. Heute war Sonntag, keine Zeitung, aber morgen würde viel los sein.  

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Aidan
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Ein Friedhof

from Aidan on 04/24/2016 10:45 PM

Ein kleiner Muggel-Friedhof im Hintergarten einer kleinen Kathedrale.

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