Bank neben einem überfüllten Mülleimer

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Isaac

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Ravenclaw Abgeschlossen Reinblut Hogwarts Glanmore Universität in Hogwarts Unentschlossen Journalist Buchclub Pessimist Autor Anti-Offenbarung

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/27/2017 12:19 PM

„Und woher weißt du das alles?", hakte ich mit einem wissenden Lächeln auf den Zügen nach. Das Lächeln, das meine Mutter so hasste, weil sie meinte es ließe mich besserwisserisch aussehen. „Weil du gelegentlich halb bei Sinnen bei mir schläfst?" Meine Stimme klang nicht hart, im Gegenteil. Viel mehr wagte ich den Versuch ihr sanft zu verdeutlichen, dass sie mich geradeheraus wie eine Figur in ihrem Leben beschrieb. Sie sprach so selbstverständlich von mir – einer Nebenrolle ihres Lebens, in ihrem Kopf zurecht geformt – als würde sie alles über mich wissen. Alles. Meine Motive, meine Taten, meine Wünsche und Träume. Wahrscheinlich hätte es mich gestört, würde mir ihre verkrampfte Haltung nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Was ich mit meinen Worten verdeutlichen wollte, war wohl klar. Elisa kannte mich kaum. Und es beschlich mich das Gefühl, dass sie mich gerade so darstellte, wie sie mich einfach gerne sah. So, wie es ihr beliebte. Dabei sprach sie viel zu gut, selbstlos und viel zu unschuldig von mir.
Sanft strich ich Elisa ein letztes Mal mit dem Daumen über ihren Handrücken und sagte leise „Lehn dich nicht zu weit aus dem Fenster", bevor ich ihre Hand losließ. „Leute in eine Schublade zu stecken ist eine grässliche Eigenschaft. Ihnen zu sagen was sie fühlen, wie sie handeln und weshalb, ist noch schlimmer."
Beide meiner Hände umfassten ihre, drehten sie sanft bis ihre Handoberflächen zum Himmel standen und die roten, leicht blutunterlaufenen Halbkreise deutlich auf ihrer blassen Haut zum Vorschein kamen. Ich hatte lange aufgehört mir das Recht zu geben, mir einbilden zu können, was andere Menschen fühlten. Es gab eine bessere Perspektive zum Schreiben. Und es hatte der ein oder anderen Person einen Platz in meinem Bett eingebracht, wann immer sie es brauchte. Elisa konnte sich gerne einreden, dass ich nicht mit ihr schlief, weil es mir ach so edel wiederstrebte. Ich hatte mich mit dieser Frage längst ausführlich auseinandergesetzt; Sie war einfach zu kaputt. Sie selbst war es, die mich abstieß. Und nicht der Gedanke an irgendetwas moralisches, an erster Stelle. Doch ihr dies ins Gesicht zu sagen, ersparte ich ihr. Es war mein Blick von dem ich hoffte, dass er sie auf den Boden der Realität zurückbrachte. Niemand würde kommen und sie rauskämpfen. Nicht einmal ich. Das musste sie schon selbst tun.
Meine Augen glitten über ihre Handflächen, während ich sie dennoch schmunzelnd um den Namen der Tierschutzorganisation korrigierte. Nur einen Moment, dann ließ ich sie erneut los und lehnte mich weiter nach hinten um mein surrendes Handy zu checken. Ich antwortete auf eine Nachricht, hörte Elisas Worten nur mit halben Ohr zu, bis sie mir das Teil aus der Hand nahm und durch meine Telefonliste zu scrollen begann. Allein durch meine Arbeit war sie nervig lang, doch irgendwie schaffte sie es direkt bei Darrens Namen hängen zu bleiben.
„Du missbrauchst mich seit ein paar Monaten als Kissen und hast nie auch nur Anstalten gemacht dich zu entschuldigen oder zu bedanken." Es war eine Aussage, kein Vorwurf. „Was möchtest du wirklich von ihm?"
Ich schaffte es nicht, die Argwohn aus meiner Stimme zu vertreiben. Darren schaffte es auch so, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Das alles, obwohl seine Karriere gerade steil bergauf ging. Ein Teil von mir wusste, dass Elisa ihm nicht guttun würde, weshalb ich sie mit gerunzelter Stirn anblickte.

    

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Elisa
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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Elisa on 07/27/2017 10:13 AM

"Nein, nein, nein", hauchte sie und ihre Fingernägel drückten sich fest in die Handballen, um Emotionen in ihre zarte Stimme legen zu können. "Du bist kein Looser, Isaac. Du bist dieser wundervolle Typ von Mann, der einen kennenlernen möchte, bevor er mit Dir schläft. Du fickst niemanden. Du machst Liebe. Wenn ich jemanden zu mir ins Bett hole, geht es mir nur um Wärme. Darum, dass ich einen Moment nicht so kalt bi...habe. Und ob das ganze bei Sex endet oder nicht, ist mir fast schon gleichgültig. " Elisa holte Luft, drückte ihre Krallen fester ins weiche Fleisch und ein kleines Keuchen entwich ihr. "Du bist anders, Isaac und vielleicht funktioniert es deshalb zwischen uns. Aber Dir ist es wichtig, deiner Partnerin dabei vertrauen zu können, ihr in die Augen zu sehen und die gleiche Liebe zu empfinden, die Du auch siehst. Du bist kein Typ für One-Night-Stands, sonst wäre das zwischen uns nie so keusch abgelaufen. Und ich finde es wundervoll, dass Du noch Prinzipien anstrebst, die in der heutigen Welt niemanden mehr interessieren. Aber genau deshalb möchte ich mit Dir nicht darüber reden. Weil Du wundervoll bist und meine Geschichten Dich vergiften könnten. Du bist meine Flucht in eine andere Welt, Isaac und ich bin zu egoistisch, um das zu verlieren." Nun biss sie sich auf die Lippen, lehnte sich ihm ganz nahe, um leise zu flüstern. "Eines Tages will ich jemanden wie Dich kennenlernen, Isaac. Jemand, der mich hier rauskämpft. " 
Ihre Hand öffnete sie, drehte sie sofort, um Isaac die roten Halbkreise nicht zu zeigen. 
Den Pulli schob sie mit der freien Hand zurück über die schmale Schulter, von der er gefallen war, war er ihr einfeutig viel zu groß. Ihrem Bruder hatte sie diesen aus dem Schrank genommen, nachdem sie heiß duschte, sich mit Wärmezauber belegte und trotzdem das Gefühl hatte zu erfrieren. 
"Ich mach das nur, weil ich für die PATE arbeite." Auch mit einem Muggleelternteil saßen bei Elisa nicht alle Begriffe, weshalb sie häufig etwas nicht sagte, bevor sie etwas falsch machte. Nur heute war es ihr egal, ob Isaac mitbekam, dass sie den Tierachutzverein nicht benennen konnte. 
Isaac war herrlich. Das fiel ihr viel zu selten auf und sie sagte es ihm so gut wie gar nicht. Aber heute würde er wissen, wie gut er ihr tat, oder? 
"Hatte sie denn auch so einen Stachel? Oder war es nur eine süße, riesige Hummel ohne die Erlaubnis, doofe Leute einfach zu pieksen?" Sie lehnte den Kopf ganz kurz an Isaacs Arm, während ihre Mundwinkel nochmals zuckten. Seine Hand um ihre gab Kraft, gab Wärme und vor allem war es besser, jetzt wo jemand da war. "Wir sollten sie verklagen", brachte sie hervor, tatschte ganz kurz auf seine Hosentasche um sein Handy hervorzuziehen. Ihre Finger scrollten das Telefonbuch herab, suchte sie eigentlich nur spaßeshalber den Namen der Sängerin, als sie bei Darrens Namen stoppte. "Meinst Du, ich sollte mich mal in der Zwischenzeit dafür entschuldigen, dass ich ihn als Kissen missbraucht habe?"

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Isaac

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/27/2017 01:03 AM

„Dir ist klar, dass das gerade absolut keinen Sinn ergibt?" Ich blickte Elisa mit einem zweifelnden, sowie amüsierten Lächeln an. „Tu' bitte nicht so als sei ich ein Looser, nur weil ich mich nicht jedes Wochenende abschieße oder, keine Ahnung, kein Tinder habe." Obwohl ich die Worte mit zuckenden Mundwinkeln aussprach, lag ein ernster Unterton darin. Ich war älter als sie. Und um einiges reifer. Eine solche Aussage, gleich nachdem sie zugegeben hatte sich nicht einmal mehr an den laufenden Wachsmalstift erinnern zu können, kam mir etwas weit hergeholt vor. Vor allem war dies nicht wirklich etwas, was jeder Mann über sich hören wollte.
In ihren Augen lag ein Ausdruck, den ich nicht richtig deuten konnte. Vielleicht lag es daran, dass ich nie lange genug mit Elisa redete oder im Allgemeinen selten auf ihre Mimik achtete, doch heute wirkte sie besonders zerbrechlich. Dieses fragile war es, dass mich zu Beginn unserer Konversation am Gehen gehindert hatte und es immer noch tat. Wäre Elisa wieder das typische Miststück gewesen, so hätte ich nicht lange überlegt und wäre den Nachhauseweg angetreten um überschwänglichen Küssen an meine Halsbeuge und ihren Fingern an meiner Brust zu entkommen, doch sie redete normal. Es lag kein Säuseln in der Stimme, noch streckte sie fast lächerlich ihre Brust heraus. Der Wollpulli wirkte so deplatziert an ihr und dem Bild, dass ich in meinem Kopf von ihr hatte, dass es mich fast störte.
„Hier sind Tauben, weil du mich abgelenkt hast. Vielleicht ziehst du sie auch an, wer weiß?" Ich schmunzelte halblebig und sog das Nikotin in meinen Körper. „Es wäre praktischer wenn du Kreativität anziehen würdest." Mein Blick suchte erneut ihren und für einen kurzen Augenblick sah ich sie einfach nur an. Wenn Elisa wüsste, wie viel ich bereits über sie geschrieben hatte, wäre sie entweder geschmeichelt oder wirklich sauer. Beides war recht realitätsnah, so war ich schon immer sehr, sehr ehrlich gewesen, was meine Texte anging. Vielleicht auch ein wenig unfair, doch dieselbe Frage stellte sich mir bei allen Menschen, über die ich je geschrieben hatte. Und das waren einige. Einige Texte, die niemals jemand lesen würde.
Die aufgerauchte Kippe schnippte ich auf den überfüllten Mülleimer und traf zu meiner Überraschung sogar. Um uns herum verlor die Menschenmasse an Dichte, je später es wurde. Die Straßenlaternen waren längst angegangen und die umherstehenden Attraktionen beleuchteten den gesamten Platz.
„Das grüne Kleid ist schrecklich", antwortete ich ihr mit einem schnalzen der Zunge und fuhr mir über meinen unordentlichen Dreitagebart. „Sowieso hatte sie etwas Gelbes an. Und Schwarzes. Ja, sie sah tatsächlich aus wie eine Hummel. Eine überdimensionale Hummel, Elisa." Ihr Lächeln bestätigte mich in meinem Versuch sie aufzumuntern und so machte ich weiter. „Sie brauchen nun alle Sonnenbrillen. Das ist eine Marketingkampagne mit Beyonce, damit die Nachfrage an Sonnenbrillen steigt. Ich habe mitgemacht, war allerdings leider nicht im Vertrag inkludiert, weshalb ich leer ausgehe und mich wieder im Sakko whiskytrinkend in meine dunkle Wohnung verkriechen muss, um einen auf Schriftsteller zu machen."

    

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Elisa
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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Elisa on 07/27/2017 12:26 AM

Elisa nickte ihm nur zu auf seinen Ausspruch zu ihren Worten der Dankbarkeit. Was sollte sie noch mehr sagen? Das er ihr Held gerade war? Das wusste er selbst. 
"Das kannst Du nicht einfach so sagen, Isaac", brachte sie hervor und ja - dieses Mal war das Hochschnellen ihrer Stimme echt. "Wir leben in verschiedenen Welten und... es klingt so dreckig, mit Dir über Sex zu sprechen. Als hättest Du davon Ahnung." Einen Mundwinkel hatte sie heraufgezogen, versuchte sie ihm das als Witz zu verdeutlichen. "Ich will nicht, dass Du über solche Dinge überhaupt nachdenkst. Wie sonst soll ich Dich als Kuschelbär ernst nehmen?", sanft war die Stimme, änderte sich die Tonlage mehrfach. Nichts daran außer die verkrampften Hände und die in die Leere starrenden Augen deuteten darauf hin, wie schwer es ihr heute fiel, normal, empathisch zu agieren. 
Das Klicken des Feuerzeugs ließ die Blondine zusammenzucken, war es ein so vertrautes Geräusch. Doch sie sagte nichts dazu, ignorierte den Rauch weitesgehend. Von Zigaretten hatte sie noch nie viel gehalten, da ihr das Nikotin keinen Rausch brachte, die Welt weder bunter, noch lauter oder langsamer machte. Was wollte sie dann damit? Geldverschwendung war es. Pure Geldverschwendung. 
"Du bist nicht gut daran", hauchte sie leise, den Arm an ihrem Rücken leicht spürend. Die Gänsehaut auf ihrem Körper nur wegen dieser klitzekleinen Berührung, sie war umwerfend. Umwerfend und wirklich alleine sein Verdienst. "Ich habe schon mindestens drei lebende Tauben an uns vorbeihüpfen sehen." Elisa blickte ihn an, als hätte er nun komplett den Verstand verloren, dabei war sie es heute, der ein Aufenthalt in einer stationären Pflege gut getan hätte. Seine Erklärungen zu seinem kreativen Tief brachten sie nur zum Nicken, blickte sie ihn mit sanfterem Blick an. "Die Buchstaben kommen wieder zu Dir zurück, Isaac. Das tun sie doch immer, oder?" Tief holte sie Luft, war das nächste geflüstert. "So wie ich immer zurückkomme."
Isaac hasste es, wenn Elisa ihn mit Liebkosungen bezeichnete - und je mehr Zeugen dabei waren, desto unangenehmer war es ihm.
Trotzdem tat sie es immer wieder, um ihn aus der Reserve zu locken, ihn zum Lächeln zu bringen und vielleicht auch ein wenig, weil sie sich nach seinen Armen sehnte. Und nach ihren Gesprächen. Nichts daran war Liebe oder hatte besonders mit Gefühlen zu tun, die über eine Freundschaft hinausgingen, doch Elisa brauchte ihn einfach, um sich selbst zusammen zu halten, als einen Ort an dem sie ihre Wunden lecken und heilen konnte. 
Der Student vor ihr sprach und sprach, hatte sie ihn selbst so viele Worte hintereinander reihen gehört.  Ihre Finger wurden langsam warm unter seiner Berührung und sie fühlte sich wohler, wich vieles an Gewicht von ihren Schultern. Das war es, was Isaac ausmachte. Er verurteilte sie nicht, vielmehr hielt er sie fester und schenkte ihr Kraft, etwas, was man nicht von vielen erwarten konnte. 
"Was hatte die Queen an? Dieses wundervolle grüne Kleid, dass ich so liebe?", fragte sie nun nach, hob Elisa beide Mundwinkel gleichzeitig. Echt war es, trotz der Kälte. "Und wie viele Passanten habt ihr erwischt? Brauchen sie jetzt eine Sonnenbrille oder übernimmt Queen B ihre AugenOP's?" Ihre Stimme blieb recht teilnahmelos, doch ihr Lächeln blieb. 

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Isaac

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 11:55 PM

„Keine Ursache." Das war es tatsächlich nicht, ich half gerne. Auch wenn dies nicht für jedermann offensichtlich war, gehörte ich zu jenen Menschen. Ich lauschte ihren Worten während ich meinen Notizblock zuklappte und ihn, mitsamt dem Stift, in meine Manteltasche verschwinden ließ. „Du meinst, als du mit ihm was hattest", korrigierte ich fast schelmisch ihren kleinen Aussetzer, während meine Hand mit einer mitgenommenen Zigarettenschachtel zum Vorschein kam. Ich hatte aufhören wollen, doch in Zeiten wie diesen schien es fast unmöglich, weshalb ich die Packung an meine Lippen setzte und die zuvor halb herausgeschobene Zigarette zwischen die Lippen nahm, bevor ich sie mit einem normalen Feuerzeug anzündete.
„Letzteres", antwortete ich außerdem auf ihre Frage und bließ den Rauch aus meinen Lungen. Meine Hand wanderte zurück in meine Manteltasche und verweilte dort, als ich mich auf der Parkbank zurücklehnte und einen Arm hinter Elisa auf der Lehne abstützte. „Ich hasse Tauben einfach, deswegen komme ich jeden Montag, Mittwoch und Freitag hier her, um sie totzustarren." Die Andeutung eines Grinsens huschte über meine Züge, als sie mir einen vielsagenden Blick schenkte. „Wenn mir nichts Brauchbares zum Schreiben einfällt, setzte ich mich alleine irgendwo hin oder wandle ziellos durch die Gegend. Klingt ermüdent, ich weiß. Ist es auch. Aber hat schon so manches Mal geholfen." 
Ich musterte sie nach Anzeichen irgendeines Schwächeanfalls, doch stieß auf nichts außer der Blässe ihrer Haut. Elisa sprach nicht viel darüber und zeigte es nicht oft, doch sie war gute zwei Mal in meiner Wohnung zusammengeklappt, weshalb sich vermuten ließ dass sie ernsthafte Probleme hatte. Probleme, die ich meines Wissens jedoch nicht erreichen konnte. 
Ich lächelte matt, als sie mir erneut einen Kosenamen aufdrückte und nach meinem Tag fragte. „Nenn' mich nicht so." Im Gegensatz zu ihr, war ich der Typ Mensch der besonders in solchen Lebenslagen Nähe und Wärme nicht gebrauchen konnte. Elisa hatte stets eine Ausnahme hierzu dargestellt, doch selbst dann waren die Umstände unterschiedlich. Sie schlich sie in meine Wohnung genauso, wie sie sich in mein Leben geschlichen hatte. Und ich mochte, dass sie in mein Bett kroch, auf der Suche nach Nähe. Doch heute – hier – war es etwas anderes. Dies hier war kein intimer Moment. Ich gehörte nicht ihr. Und genau deshalb, war es mir sogar seltsam unangenehm die Hand einer Person zu halten, die ich nur kannte, wenn sie nicht sie selbst war.
„Ich hab mir einen Wecker um acht gestellt und bin dann pünktlich um halb zehn aufgestanden", begann ich dennoch ohne zu zögern, da ich ihren Blick verstanden hatte. Und natürlich war ich bereit verbal für sie da zu sein, wenn es einer ihrer kalten Tage war. Die Metapher war nicht schwer zu verstehen, war es Draußen nicht wirklich kühl und das Wetter über den Normalwerten von London. Wie es wirklich in ihrem Innern aussah, konnte ich nicht beurteilen. Und so hielt ich dennoch ihre Hand, während der gleiche Arm hinter ihr auf der Lehne ruhte. „Ich war einkaufen, habe einen Bericht für The Times abgegeben, an dem ich wirklich lange gearbeitet habe und war anschließend in der Bibliothek, um ein paar Bücher zurückzugeben." Jedem anderen hätte ich die kürzeste Kurzfassung Allerzeiten auf eine solche Frage geliefert - immerhin war ich kein Fan der Selbstoffenbarung in irgendeiner Form, wenn es nicht gerade ums schreiben ging -, doch ich ahnte dass Elisa im Grunde einfach nur wollte dass ich redete. Mein Daumen strich sanft über ihren Handrücken, als ich fortfuhr. „Bei meinen Eltern war ich beim Mittagessen, anschließend habe ich meinem Vater geholfen die Garage aufzuräumen und wir haben ein Quidditchspiel von Darren angesehen." Tatsächlich hörte es da bei meinem glorreichen und interessanten Tag schon auf, weshalb ich kurz innehielt und einen weiteren Zug nahm bevor ich weiterredete. „Danach stand mein Treffen mit der Queen an, allerdings hat sie heute wirklich schrecklichen Tee serviert weshalb ich mit Beyoncé – die zufällig auch anwesend war – in den Hydepark gegangen bin, um Passanten mit unserer Schönheit zu blenden. Ich blieb bis ich spürte dass meine Anwesenheit irgendwo anders gebraucht wurde. Und so", ich sah Elisa todernst an, „Kam ich hier her." Wie immer, schaffte ich es meine gesamte Ausschweifung ohne jeglichen Humor vorzutragen. Diese Art des trockenen Sarkasmus war mir viel zu vertraut geworden, als dass ich sie ablegen konnte und wollte.

    

Reply Edited on 07/27/2017 12:06 AM.

Elisa
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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Elisa on 07/26/2017 11:19 PM

Isaac reagierte so, wie Elisa es sich innerlich erhofft hatte. Die Blondine lächelte ihn müde an, als der Größere verschwunden war,strich sich durch die Haare. 
Auf die Lippen biss sie sich, während die gebräunten Finger den Pulli mehr über ihre Hände zog, sie hob, um warme Luft darüber zu pusten.  "Danke", hauchte sie ihm entgegen, holte kurz Luft. 
"Ich habe keine Ahnung, wer das war. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er was anderes anhatte, als..." Elisa stoppte, um den Kopf zu senken, strich sie sich durch die blonden Haare. Sie schämte sich nicht, dafür waren heute keine Gefühle über. Aber ihrem Isaac, ihrem unschuldigen, liebevollen, zarten Isaac so etwas zu sagen? "...als ich ihn kennenlernte." 
Elisa streckte sich, um dann seinen Blick zu suchen. "Und was machst du hier? Menschen beobachten? Tauben totstarren?" Ein Versuch des Lächelns kam über ihre Lippen, sanft jedoch nicht so breit wie sonst. 
Zusammen zuckte sie, als Isaac sie nach ihrem Befinden fragte, legte sie den Kopf schief um darüber nachzudenken. Dann nickte sie, suchten ihre eiskalten Finger nochmals die seinen. "Es ist heute nur ein recht kalter Tag", brachte sie hervor, den Blick erneut gesenkt, um seinen nicht zu begegnen. 20°C hatten sie außerhalb ihres Körpers und auch wenn es etwas trüb war, etwas dunster, so war es eindeutig nicht kalt. Sicher war sich Elisa nicht, ob der junge Mann wusste, was sie mit ihrer Aussage meinte, versuchte sie es nochmals mit einem Lächeln. 
"Erzähl mir von Deinem Tag, Isaac. Erzähl mir, was mein Schatz gemacht hat." Ablenkung war wichtig an diesen Tagen, an denen es ihr schwer fiel zu lächeln, an denen nur kaltes Blut durch ihren Körper schwappte und Elisa nichts, wirklich nichts außer Kälte fühlte.

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Isaac

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 10:44 PM

Wäre Elisa mir nicht ins Blickfeld gelaufen, so wäre ich wohl vor nur wenigen Sekunden aufgestanden und letztendlich gegangen. Es waren ihre Haare gewesen, das sie erkenntlich machte und meine Aufmerksamkeit im nächsten Moment auf den Typen neben ihr zog. Es war wie bei den anderen Opfern meiner stummen Beobachtung unschwer zu erkennen, dass sie recht abgeneigt und nervös wirkte. Die Hände dieses Gorillas waren stehts zur Hüfte erhoben, als fürchte er sie würde jeden Moment wegrennen. Es war seltsam sie so zu sehen, in einer Szenerie in der ich sie nicht erwartete und mit mehr als nur einem Fetzen Stoff am Körper. Doch meine Verwunderung wandelte sich in alarmiertheit, als sie mich erblickte und ihre Augen für einen kurzen Moment größer wurden. 
Allein wie sie auf mich zulief, sprach von einem Gesuch nach Hilfe. Die zusammengepressten Lippen, der starre Blick auf mich, als würde sie mir gerne etwas mitteilen wollen. Ich gab meine Haltung auf, lehnte mich ein wenig nach vorne als sie neben mir Platz nahm und im gleichen Atemzug den Kopfhöhrer aus meinem Ohr nahm. Und die Umwelt wieder an mir teilhaben ließ. 
"...Deine Untreue", wiederholte ich etwas zaghaft und mit erhobenen Brauen, den Blick fest auf sie gerichtet. Doch ihr Gesichtsausdruckt reichte mir, um mich diesem Typ im grauen Joggingsanzug mit warnenden Blick zuzuwenden. "Ich glaube du solltest jetzt gehen." Kurz herrschte Stille zwischen uns allen, die lediglich von der unpassenden Festival Geräuschkulisse unterbrochen wurden. Es war eine einfach Drohung, die allerdings reichte damit er sich wiederwillig und fluchend, mit einem letzten Blick zu Elisa, davon machte. 
Ich wickelte meine Kopfhöhrer zusammen und rückte ein Stück von Elisa weg. Ich war nicht wütend, im Gegenteil. Dennoch verließ auch meine Hand ihre, um die Musik von meinem Handy auszuschalten.
"Es ist auch schön dich zu sehen", begrüßte ich sie halb amüsiert, halb sarkastisch. "Der Typ schien ja nett zu sein. Ich wusste gar nicht, dass du etwas für laufende Wachsmalstifte übrig hast." Immerhin sah er mit seinem lächerlichen Aufzug genau so aus, doch dies spielte nun sowieso keine Rolle mehr. Ich hoffte einfach er würde mir nicht irgendwo auflauern und mir alle Zähne rausprügeln. Größer als ich war er allemal gewesen. Zur Not würde ich ihn einfach in eine Ente verwandeln müssen. 
"Alles in Ordnung bei dir?" Jedes Mal wenn Elisa sich Morgens von mir verabschiedete, sagte ich ihr, sie solle auf sich aufpassen. Zwar sah sie nicht sonderlich mitgenommen aus - ich bezweifelte auch, dass so ein Vorfall der erste war - dennoch fühlte ich mich irgendwie verpflichtet dies zu fragen. Die Gestalten mit denen Elisa sich bekanntlich abgab, waren weniger freundlicher Natur. Zumindest für einen Aussenstehenden wie mich. Alles was ich sah, war wie sie sich alle kaputt machten und genau dies lauthals feierten. 

    

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Elisa
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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Elisa on 07/26/2017 10:17 PM

Genau genommen wusste Elisa nicht, wer der Kerl war, neben dem sie die wenigen Schritte ging. Alleine war sie hier aufgetaucht und Elisa wollte gerade in Richtung Zuckerwatte huschen, die Finger in dem langen, grobgestrickten Pulli verschoben, als man sie zur Seite zog. "Elisa, oder? Heeey, erinnerst Du Dich? Du warst nach dieser Party... Du weißt schon, diese Party... bei mir und naja.. irgendwie habe ich eine falsche Nummer bekommen..." 
Die Augen riss die Blondine auf, während sie ihn musterte, keine Ahnung hatte, wer er war. "heeey...", gab sie von sich, wollte schon los, um die Biege zu machen. Was für eine blöde Idee, hier alleine aufzutauchen. Was für eine blöde Idee, sich selbst so häufig die Erinnerung zu klauen. So lief Elisa einige Meter, folgte der junge Mann ihr, sprach davon, wie schön er es fand und was er falsch gemacht hatte, dass sie ihn nun ignorierte. Elisa keuchte auf. Sie lief schneller, war zu müde, zu nüchtern und vor allem viel zu kalt für dieses Spiel. Mit den Shorts und den schwarzen Nylonstrumpfhosen war es nicht so warm wie erwartet. Trotz den Stiefeletten. 
"Elisa, warte doch", brachte er hervor und die Blondine lief langsamer, sah ihn einen Moment lang abschätzig an. Sie suchte gerade nach einem Spruch, mit dem sie ihn loswurde, als der Studentin jemand ins Auge fiel, den sie ewig, zumindest gefühlt, nicht mehr gesehen hatte. 
"Mein Freund wartet auf mich", gab sie von sich, während sie sich zu dem jungen Mann umdrehte. "Und er weiß von meinem Ausrutscher mit Dir. Du solltest also sehen, dass Du Land gewinnst", brachte sie hervor, während Elisa in Richtung Isaac lief, dem Anderen nochmals zunickte. "Hey mein Schatz", hauchte sie ihm entgegen, als sie Platz nahm, ihm die Kopfhörer aus den Ohren zog. Ihr Blick war hilfesuchend, fassten ihre Hände nach seinen. Sie wollte ihn zu nichts zwingen, aber... 
"Erinnerst Du Dir noch, wie ich Dir von... meiner Untreue erzählt habe?" Ihre Augenbraue zuckte, während sie sich an Isaac lehnte, seinen Hals küsste. "Reg Dich nicht auf, ja? Bitte?"

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Isaac

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Re: Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Isaac on 07/26/2017 09:40 PM

~ Elisa & Isaac. 

Ich hatte so langsam das Gefühl, ich würde durchdrehen. Selbst wenn ich zwanghaft versuchte etwas halbwegs anständiges auf Papier zu bringen, schaffte es mein Verstand einfach nicht die leichtesten Wörter aneinanderzureihen. Was ich schrieb, schien weder Sinn zu geben noch Sinn zu haben und dieser Umstand bereitete mir Kopfschmerzen. 
Es war nicht das erste Mal, dass ich in einem solchen Fall zu jeglichen Uhrzeit allein irgendwohin geflüchtet war, um meinen Mitmenschen auf diesem Planeten beim leben zuzusehen. Das Festival war nicht ein wirklich gefasster Gedanke von mir gewesen, es hatte sich lediglich angeboten. Und es war eine Abwechslung zu den Bars, Bahnsteigen und abgelegenen Cafés. 
Mein Lieblingslied von Fynns Band drang durch Köpfhöhrer in meinen Ohren, die jegliche Hintergrundgeräusche des Festivals ausblendeten. Ich hatte auf der einzig freien Parkbank platzgenommen und beobachtete die vorbeigehenden Menschen. Ein zerknitterter Notizblock lag auf meinem Bein, den passenden Stift hielt ich locker in der Hand. Doch mein Gehirn spuckte nichts aus. Rein gar nichts.
Einige Meter von mir entfernt ließ eine Mutter nun schon zum dritten Mal ihr überglückliches Kind an einem Automaten spielen. Gegenüber von ihnen stritten sich zwei Teenager, das Mädchen mit heruntergewirtschafteten Augenbrauen weinte, während ihr mutmaßlicher Freund fest den Kiefer zusammenbiss. Eine weitere Familie beschloss wohl unter großen Wiederstand ihrer Kinder, nun Nachhause zu gehen. Ich beobachtete die Mimik und Gestik eines Vaters, wie er in einem für mich stummen Seitenhieb etwas verletzendes zu seiner Ehefrau sagte. Das kreischen der nächsten Achterbahnrunde drang sogar durch die Musik hindurch, doch ich bezweifelte auch so die Idee hier her gekommen zu sein. In einer so typischen Bewegung fuhr ich mir mit beiden Händen über mein Gesicht und verweilte kurz so, bevor ich mich wieder nach hinten lehnte - den Müll um mich herum völlig ignorierend. Ich war müde. Vielleicht sollte ich einfach zurück Nachhause gehen. 

    

Reply Edited on 07/26/2017 09:42 PM.

Cassandra
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Bank neben einem überfüllten Mülleimer

from Cassandra on 07/20/2017 10:44 PM

Die zahlreichen Essensstände zeigen ihre Wirkung bei den Mülleimern. Nichts destotrotz ist jede Bank ein willkommener Platz um sich eine kurze Pause zu können.. oder etwas zu essen.

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