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Anne

38, female

  Knallrümpfiger Kröter

Abgeschlossen Muggel Gut Muggelschule/-uni Privatunterricht Ehrenosterhase Lady Angestellter in Hammersmith Pro-Magie

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Re: New Hammersmith School (Muggellondon)

from Anne on 02/05/2017 07:24 PM

"Anne."
Gerdae hatte ich mich wieder meinen Unterlagen gewidmet, das sprach mich Gideon noch mal an ... Es brachte mich leicht aus der Spur, wie mein Name im Raum nachhallte. Hoffentlich hatte ich mit meiner ruckartigen Reaktion nicht zu viel verraten; es kam mir so vor, als klang er sehr ernst und doch sehr zugeneigt.
Würde er noch einmal auf Freitag zurück kommen? Oder vielleicht auch auf Camelia? Ich bezweifelte stark, dass es noch um die Arbeit ging.
Selbst als er mich dann letztendlich doch nach dem Beginn des Unterrichts fragte, wusste ich, dass er alles gemeint hatte, außer das.
"Ja, wenn meine Schüler bald kommen, kann es dann auch los gehen. Aber es ist noch ein bisschen Zeit. Die meisten kommen eher kanpp - wie sollte es an einem Monatg auch anders sein."
Ich grinste und zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich wollte er sich begründet aus dem Staub machen - besser als einfach so aus der Situation zu flüchten, wie ich vor zwei Tagen.
"Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ... wenn du schon hier bist, könnten wir dich gleich der Klasse vorstellen? Vielleicht hat dir das James oder die Rektorin schon geasgt: neue Kollegen werden in allen Klassen vorgestellt, damit die Kinder einfach wissen, mit wem sie es alles zu tun haben. Wahrscheinlich wird Mrs. Rosetta deswegen im Laufe des Tages noch auf dich zu kommen ..."
Es war nicht unbedigt meine Aufgabe, aber ich würde ihn gerne meiner Klasse vorstellen.
Prompt kamen auch schon die ersten Schüler herein und grüßten.
"Guten Morgen Miss Anne. Guten Morgen Sir."
Überrascht über den Herren im Raum steckten sie die Köpfe zusammen.

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Anne

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  Knallrümpfiger Kröter

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Re: New Hamersmith School (Muggellondon)

from Anne on 02/04/2017 09:58 PM

Natürlich hatte ich seine Schritte gehört, als er zur Tür herein kam, aber ich tat so, als würde es mich nicht beeinflussen. Fürs erste hatte ich alles gesagt, was gesagt werden musste ... weiter hatte ich mir keine Gedanken dazu gemacht und ich wollte erst mal nicht wieder zu spontan sein.
Als er das offene Fenster und die kaputte Heizung ansprach, hob ich dann doch meinen Kopf und unterdrückte ein Seufzen. Ich reagierte so unglaublich körperlich auf ihn, ich war mir fast selbst peinlich. Kurz bevor ich mit Annabell zusammen gekommen war und natürlich auch als wir zusammen waren, war es mir ähnlich ergangen und in den Zeiten, als man sich noch jede Woche in einer neuen Schwärmerei verloren hatte. Es war einfach so, dass ich ihn jedes Mal attraktiver fand.
Auf seinen Kommentar hin stuzte ich etwas; ich empfand den frischen Luftstrom, der hereinkam als ganz angenehm, natürlich war es kühl, aber mir war immer noch sehr warm.
"Oh ... ich dachte, die Heizung läuft schon ... mir war etwas heiß vorhin. Aber dann mach ich gleich zu ..."
Ich tat wie ich es sagte und fragte mich, ob meine Wortwahl gerade nicht gerade zu viel über mich verraten hatte.
Mir war sehr wohl aufgefallen, dass er - absichtlich oder nicht - wenig Augenkontakt hielt, wenn er mich überhaupt anblickte. Ja, ich wusste das, weil ich ihn, so lange bis ich mich bremsen musste, ansah.
Er merkt das bestimmt, du wirst ihm wahrscheinlich immer unsympathischer ...
Gideon stand noch immer bei der Heizung und fasste zum wiederholten Mal mit der Hand an den Heizkörper; sie war vermutlich immer noch kalt, wenn sie kaputt war. **
Er will nicht gehen ...
Grandioser Gedanke, er ließ mein Herz noch eine Spur schneller schlagen.
Das war der Moment, in dem ich alles wieder über den Haufen warf. Plötzlich sah ich in ihm und mir zwei verschüchterte Jugendliche, von denen jeder um sie herum wusste, dass sie etwas für den anderen anderen übrig hatten, nur sie nicht voneinander.
Ich konnte mir natürlich nicht sicher sein, dass der Vergleich direkt so zu übertragen war, aber ich schätzte die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ein; im Endeffekt aber war es mir egal. Gerade, in diesem Moment, als es in meiner Brust einen Satz getan hatte bei seinem Anblick war es mir ziemlich egal.
"Und ehm, wie kommst du mit James zurecht? Konntest du dich im Gebäude schon etwas orientieren?"
Ich hatte mich auf dem Stuhl sitzend so auf dem Tisch abgestützt, dass mein Rücken gestreckt war und ich mich leicht über den Tisch in seine Richtung beugte.
Das andere Kleid, das zur Auwahl gestanden war, hätte jetzt eine gute Aussicht geboten.
Ich konnte mein Kichern gerade noch zurück halten, als mir dieser Gedanke kam ... es war fast, als hätte ich Sophie in meinem Ohr, die mir so etwas zuflüsterte.
Nie wieder lange Gespräche vor der Arbeit mit ihr!, schwor ich mir und biss mir leicht auf die Unterlippe, um mir ein Schmunzeln zu verkneifen.

**Ich hoffe, das ist in Ordnung so, ich dachte, weil er ja so überlegt und eigtl hat er ja nichts mehr im Klassenzimmer zu tun, aber er ist ja noch da
Und ich hab den anderen Hausmeister jetzt einfach James genannt xD

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Re: New Hamersmith School (Muggellondon)

from Anne on 02/04/2017 02:51 PM

Ich nickte nur auf seine Antwort und verknotete meine Finger ineinander, während er sich weiter an seine Arbeit machte.
Mein Magen rumorte ärgerlich und ich kniff die Lippen fest zusammen.
Wir waren wohl sehr weit zurück gegangen ... andererseits war es auch eine berechtigte Frage, ob wir denn jemals weit genug gekommen waren ... Es war seltsam surreal, dass das hier erst unser drittes aufeinander Treffen war ...
Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass er sich wegen mir direkt so auf Abstand hielt; es musste etwas anderes sein und sofort hatte ich sein Gesicht vor Augen, das mir anmutete wie Unwetterwolken und fernes Donnergrollen.
Nun gut ... was sollte man machen. Ich würde einfach sehen, wie es weiter lief.
Mir war ungemein warm und ich steuerte - nun in meinem Klassenzimmer - die Fenster an, um etwas zu lüften, da vibrietre mein Telefon in der Tasche.
Es war tatsächlch Sophie, die mich anrief, nachdem wir vor einer guten halben Stunde erst aufgehört hatten, uns zu unterhalten.
Mit gesenkter Stimme hob ich ab; das leere und stille Schulhaus ließ es trotzdem so klingen, als würde ich beinahe schreien.
"Ja?"
"UND?!"
Ich musste leise lachen und schüttelte den Kopf.
"Ich bin auf jeden Fall angekommen."
"Oh mein Gott, Anne, das weiß ich doch! Hast du Gideon schon getroffen?" Sie stockte etwas bei seinem Namen; sie fand ihn komisch.
"Mm-hm, grad eben."
"Ich warte!"
"Sophie ...", flüsterte ich in das Mobiltelefon, "was willst du von mir hören? Ich hab -" ich hielt inne und horchte, ob Schritte im Flur zu hören waren; nichts.
"Ich hab gesagt was ich sagen wollte und mehr nicht ..."
"Oh, er ist noch in der Nähe?"
"Ja, genau."
"Aber sieht's allgemein okay aus?", meinte sie und ich konnte sie mir genau vorstellen, wie sie fragend die Augenbrauen hochgezogen hatte und ihren Mund synchron dazu bewegte. Ihre Gesichtsmuskeln waren unschlagbar.
"Schwer zu sagen ... ich glaube, es ist einfach viel mehr als nur mein Geschwafel, weißt du? Kann auch sein, dass ich mir das einrede, aber ich sehe es manchmal richtig in seinem Gesicht und ... dann fühlt es sich auch anders an ..."
Ich sprach so leise wie es nur ging ohne dass es darin endete, dass meine Schwester gar nichts mehr verstand. Ich hoffte einfach, man hörte nichts von unserem Gespräch ... da fiel mir plötzlich ein, dass mich hier sowieso niemand verstehen würde.
Jetzte, wo ich meinen Eindruck von Gideon laut aussprach, hörte es sich ziemlich freakig an.
"Hm", machte Sophie.
"Wie gesagt, bin wahrscheinlich nur ich ..."
"Nein. Nein, das glaube ich nicht; du hast uns immer alles sofort angesehen, egal was war. Und Annabell konnte niemand so gut lesen wie du - nicht mal sie selbst manchmal."
"Naja ... wie dem auch sei, ich muss jetzt arbeiten, also stelle ich mein Handy auf leise. Bis später, lovey!"
"Bye Darling!"
Wie so oft musste ich über unser Verabschiedungsritual schmuzeln. Seit ich in in England lebte, fiel es mir manchmal schwer, für die Telefonate mit ihr auf Deutsch umzustellen, wenn ich seit Jahren den ganzen Tag Englisch sprach und zum größten Teil auch dachte ... Nicht, dass sie nicht Englisch können würde, aber wir hatten schon immer Deutsch miteinander gesprochen - und bis auf die Kosenamen hatte sich das nicht geändert.
Endlich öffnete ich für ein paar Momente das Fenster und bereitete meine Unterlagen für den Unterricht vor. Montags war ich in den ersten beiden Stunden immer alleine für die Klasse zuständig, wir diskutierten über alles mögliche, was gerade aktuell war, was die Kinder bewegte, was sie interessierte, was am Wochenende passiert war usw. Ich fand das eine gute Sache und hoffte, dass es sich allgemein mehr durchsetzte, dass an Schulen mehr als nur ein Lehrer für eine Klasse zuständig war; so konnte man sich viel besser auf jeden einzenlen konzentrieren und eine lernförderliche Atmosphäre schaffen.


(omg, ich komme nicht mehr von den langen Antworten weg xD)

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Reply Edited on 02/04/2017 03:00 PM.

Anne

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Re: New Hamersmith School (Muggellondon)

from Anne on 02/04/2017 01:20 AM

Schon nach einigen Schritten sah ich Gideon an der Heizung stehen. Ein klein wenig fürchtete ich mich davor, was jetzt passieren würde, aber als er mich freundlich grüßte, konnte ich erleichtert aufatmen.
"Guten Morgen", gab ich zurück.
Gut, er kann dich noch anlächeln, ganz so schlimm war es also nicht gewesen ... hoffentlich.
Ich durfte mich nicht zu sehr auf die Zweifel konzentrieren, sie würden mich nur noch mehr verunsichern.
"Nicht vergessen: Jeder Schritt führt zu einem Ziel!"
Ein Spruch, den mir Sophie immer einbläute; mehr scherzhaft als wirklich ernst gemeint. Aber ich fand, dafür dass sie ihn sich in zwei Sekunden ausgedacht hatte damals, war er gar nciht so schlecht.
Und heute musste ich einen Schritt zurück machen.
Aber davo erst zur Seite, denn sowohl Gideon als auch ich waren mit gesenkten Köpfen weiter gegangen, standen uns jetzt gegenüber und keiner kam gerade an dem anderen vorbei.
"Moment, sind wir dann nicht wieder beide auf der selben Seite?"
Ich lachte amüsiert und fragte mich gleichzeitig, ob er sich ebenfalls Gedanken zu Freitag gemacht hatte.
Irgendwie schafften wir es dann doch aneinander vorbei und ich hatte den Moment, auf den ich insgeheim gehofft hatte, verpasst.
Na los, Anne, jetzt seid ihr noch allein, besser wird es nicht mehr.
"Ach ehm, Gideon?", sagte ich und dreht mich zu ihm um.
"Es tut mir Leid, dass Freitagaben dann so ...", Ich gestikulierte etwas wirr mit den Händen herum, weil mir die Worte fehlten, um das jähe Ende zwar als doof, aber nicht zu komisch zu beschreiben, "so anders verlaufen ist", entschied ich mich dann zu sagen.
"Ich habe einfach nur sehr kompliziert versucht zu sagen, dass ... dass - da wir ja ab jetzt auch Kollegen sind - ich trotzdem oder deswegen Hilfe anbieten möchte, falls nötig natürlich."
Ich machte kurz Pause und beobachtete ihn.
"Hui, Anne, so einfach geht das - warum hat mir das vor zwei Tagen niemand gesagt?!", versuchte ich zu scherzen und strich mir nervös über die Stirn.
"Und wahrscheinlich ist das die mieseste Entschuldigung der Welt, aber ich glaube, es war einfach nicht mein Tag ... und ausgerechnet du hast das abbekommen ..."

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Re: New Hamersmith School (Muggellondon)

from Anne on 02/03/2017 10:57 PM

Über das Wochenende hatte ich mir viel Zeit genommen mit meiner Sschwester über Freitagabend zu sprechen und auch wenn ich gewaltig nervös war nach diesem doch etwas desatrösen Ende Gideon heute wieder zu sehen, war das im ersten Moment immer Freude.
Am schwierigsten war es für mich immer mit plötzlichen, aufwühlenden Gefühlen richtig umzugehen ... als emotionaler Mensch nicht gerade vorteilhaft.
Auch, wenn ich wieder etwas sortierter war, ich hatte heute tatsächlich mit Sophie zusammen ausgesucht, was ich anziehen würde. Ich hatte wirklich gedacht, ich wäre aus diesem Alter raus ... aber andererseits, wer wurde schon jemals richtig "erwachsen".
Ich hatte mich für ein warmes Kleid für den Winter entschieden, dunkelgrau, reichte über die Knie und saß nicht zu eng, aber auch nicht zu weit. Ich trug dazu dunkel-weinrote Strümpfe und einen gleichfarbigen Schal; Harre waren locker hochgesteckt und fertig.
"Sophie approves!", hatte meine Schwester gerufen und mit über den Laptopbildschirm die Daumen hoch gezeigt.
Ich würde nicht sagen, dass ich damit zu schick für die Schule angezogen war, aber doch ein ganz klein wenig eleganter als meistens.
Gerade drückte ich die Eingangstür auf und angenehm warme Luft empfing mich nach der eisigen Kälte, die mir nach dem Fußweg zur Arbeit in den Gliedern saß.
Würde ich so früh morgens heute schon die zwei Hasumeitser der Schule treffen? Irgendwann heute auf hoffentlich.
Ich knöpfte meinen schwarzen Mantel auf und straffte mein Kleid, bevor ich den Flur entlang zu meinem Klassenzimmer ging.

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Re: Themse

from Anne on 02/03/2017 08:48 PM

Es dauerte eine Weile bis das Rauschen in meinen Ohren leiser wurde und ich wieder wahrnahm, was um mich herum passierte. Immer noch viele Menschen, viele Schritte, unzählige Stimmen, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Stimmungen.
Einige seufzten entnervt, als sie an mir vorbei gingen, teilweise rempelte mich hin und wieder jemand an. Andere wurden langsamer, je näher sie waren und blickten mich verwundert an, ließen sich aber ansonsten nicht weiter ablenken. Eine ältere Dame raunte ihrer Begleitung etwas zu, als sie mich bemerkten, ein Junge nur in Jeans und Pullover schien mich auszulachen. "Was für ein Psycho", lachte er und schlurfte grinsend an mir vorüber.
Ich spürte etwas an meinem Kinn und strich mit meinem Finger darüber.
Der Handschuh war nass.
Wie übertrieben, dachte ich bei mir selbst und zog mit einem tiefen Atmenzug die Nase hoch.
Ich wusste genau, dass es nichts brachte, mir etwas anderes einzureden, aber ich versuchte es trotzdem.
Ich wusste genau, dass ich hatte gehen wollen, weil ich dann bestimmt hätte.
Ich wusste genau, dass ich gehofft hatte, er würde mich auffordern zu warten.
Ich wusste genau, dass ich einen Fehler gemacht hatte.
Ich sagte mir, dass mich der seltsame Tag so zu schaffen machte und mich einfach aus der Spur geworfen hatte, dass ich leicht die Kontrolle verloren hatte.
Ich sagte mir, dass jetzt gerade alles in Ordnung, aber nur etwas neu war und auf keinen Fall auch nur eine einzige Träne wert.
Weshalb denn? Es war ja nichts passiert, ich hatte mich verabschiedet und Gideon auch. So machte man das ja.
Ich würde jetzte also nach Hause gehen, ein Bad nehmen und mein Wochenende starten wie alle anderen.
Ich setzte mich auf die Bank.
Ein Wochenende wie alle anderen war einsam.
Ich würde so viel tolles machen: samstags ins Kino gehen, Mrs Hudson am Sonntag besuchen, ich würde aufräumen und putzen und lesen und einen langen Spaziergang machen. Alles würde viel zu schnell vorbei sein und ich würde gerne mehr Zeit haben für dies oder das.
Meine Handschuhe legte ich in die Handtasche, im Gegenzug nahm ich mein Handy heraus und wählte die Nummer meiner Schwester.
"Anne! Wie geht's?!" Sie war sofort ran gegangen, das tat sie immer wenn ich unangemeldet anrief. Egal, wo sie gerade war, wer gerade bei ihr war ... Sie ging immer sofort ran.
Sie freute sich von mir zu hören, war gut gelaunt und sprach wie immer ein bisschen zu laut ins Telefon.
"Hi, störe ich?"
"Ich war gerade kurz vorm Orgasmus, aber nein, du störst nicht." Sie lachte neckend. Ihr Humor war nichts für jedermann.
"Nein, nein, es ist Freitag Abend, ich bin gerade nach Hause gekommen, kein Stress, Anne. Schöne Woche gehabt?"
Ich seufzte. Es würde nichts bringen, ihr etwas vorzumachen, auch wenn ich kurz davor war, zu lügen.
"Anne?", fragte Sophie nach, als ich nicht gleich antwortete.
"Ich hab eben Gideon an der Themse getroffen ..."
"Oh, wirklich? Der Gideon?"
"Ja, er hat die Stelle bekommen, weshalb wir uns eigentlich am Montag erst gesehen hätten. Aber heute war irgendwie ein doofer Tag, also bin ich raus gefahren und dann hatte er mich angesprochen ... Und dann war ich wieder zu direkt, Sophie."
Ich musste bei diesem Geständnis etwas lachen. Verrückt, wie man auch in alles andere als lustigen Situationen so reagierte ...
"Oh ... er ist also weg gegangen?"
"Jap."
"Wie geht's dir?"
"Gut", log ich.
"Oh mann, Anne ..." Sie seufzte und ich konnte förmlich sehen, wie sie die Augen verdrehte.
"Du weißt, ich rede dir bei nichts drein, wenn es um Gefühle geht - aber du sollst mich nicht anlügen. Kein Gefühl ist zu irgendeiner Zeit falsch, Anne, das gibt es nicht, okay?"
Ich schwieg.
"Okay?"
"Ich weiß ..." Ich versuchte durch blinzeln zu verhindern, dass sich wieder Tränen sammeln konnten und atmete tief druch.
"Warum lügst du mich dann an?"
"Ich weiß ni-"
"Anne!"
Sie kannte mich zu gut. Nach acht Jahren ging es vermutlich gar nicht anders.
"Ich ... möchte nicht, dass es mich enttäuscht, weil das heißt, dass es mir wichtig ist. Und wenn es mir wichtig ist, dann ..." Ich rang nach Worten. Was dann?
"Ist es denn deshalb sinnvoll, dass du lügst, Anne?"
"Nein."
"Genau, ist es nicht."
"Und was mache ich jetzt?"
"Bist du zu Hause?"
"Nein."
"Wenn du zu Hause bist, dann skypen wir, okay?"
"Alles klar. Bis dann, Sophie"
"Bis dann. Ich hab dich lieb, Anne."
"Ich dich auch."
Dann hatte ich aufgelegt und machte mich auf den Weg zur U-Bahn.
Sophie fand es toll, dass ich jeden Tag versuchte, mich an das zu halten, was ich mir vorgenommen hatte; dass ich wirklich nach meinem Leben suchte und mir so viel nahm, wie ich schaffte.
Und sie hatte vollkommen Recht. Wie zum Teufel sollte es falsche Gefühle geben?
Ich wusste nicht mehr, wie oft sie mir das schon gesagt hatte und wie oft ich es angenommen hatte, völlig erstaunt darüber, wie richtig sie damit lag.
Sophie würde mir zuhören, so lange ich brauchte. Sie würde alles erfahren, was passiert war, seit ich von seiner Anstellung erfahren hatte und ich würde irgendwann zu dem Schluss kommen, dass ich mich einfach nur darüber ärgerte, dass ich so viel nachdachte. Das alte Problem, das immer da war.
Und ich würde beschließen, dass es das Risiko immer wert war, immer.
Deshalb blickte ich mich abends beim Zähneputzen im Spiegel an und sah das Strahlen, als ich an Gideon dachte und daran, dass ich ihn am Montag wieder sehen würde.
Ich bin wie ich bin und ich werde mich nicht verstellen. Ich werde nur ein bisschen sanfter sein müssen mit ihm. Ich kann mich ja nicht jedes Mal einfach durch ein "Auf Wiedersehen" aus Situation entschuldigen - nur, weil ich Angst habe. Aber Angst hält mich nicht mehr auf; gerade wegen ihr, muss ich sogar alles wagen. Bevor es zu spät ist - und zu spät kann immer sein.

--------> Thread frei :)


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Re: Themse

from Anne on 02/02/2017 01:56 PM

Gideons Offenheit hielt nur kurz an; bald legte sich wieder diese Schwere über ihn, wie ein Schatten verdunkelte sie sein Gesicht. Wie damals in der Bar hatte ich das Gefühl, es steckte mehr dahinter, als nur ein überbesorgter Mann, der mit den selbsen Ängsten und Bedenken zu kämpfen hatte wie viele andere. Ich konnte nicht sagen, inwiefern es mit Camelia zusammen hing, aber eine Verbindung musste bestehen, sonst hätte er nicht gerade jetzt daran gedacht.
Aber das, was er mich wissen ließ, konnte ich sehr gut nachvollziehen.
Ich wüsste nicht, welche Zweifel mich plagen würden, würde ich einem jugendlichen Kind ein neues Zuhause geben; selbst nach Monaten, in denen man sich kennen lernen konnte ... dann wirklich zusammen zu leben war eine ganz andere Sache.
"Hm ... ich verstehe. Von einem Tag auf den anderen ist alles anders und man weiß auch nicht, ob man seine Sache gut machen wird, ob man vielleicht die Erwartungen des Kindes nicht erfüllen kann ... Aber ich habe durch meine Arbeit schnell gelernt, dass man Kinder und Jugendliche gerne unterschätzt; sie verstehen oft viel mehr, als man denkt. Also glaube ich, dass sich das sicher regelt - ihr habt euch ja nicht umsonst für diesen Schritt entschieden."
Mehr als diese Worte konnte ich ihm nicht geben und ich hoffte, es war für den Moment genug.
Natürlich hätte ich ihn am liebsten gefragt, wovor er wirklich solche Angst hatte, weswegen er sich selbst über Jahre hinweg ein Leben als Nomade aufgezwungen hatte. Ich hatte die vage Ahnung, dass es ihn immer noch fest im Griff hatte - denn wie er selbst gesagt hatte, er blieb hier wegen Camelia. Nicht, weil er endlich gefunden hatte, was er suchte.
Ich hoffte sehr, dass sein neues Leben ihm vielleicht eher dabei helfen konnte.
Und natürlich konnte ich nicht mehr leugnen, dass ich einfach gerne in seiner Gegenwart war
"Ich ehm ...", begann ich deshalb nach einer kurzen Pause und blickte nach den richtigen Worten suchend auf den Fluss.
"Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll ... "
Ich schlug ein bisschen verzweifelt meine Hände zusammen, die Handschuhe ließen es dumpf klingen. Direkt zu sein war für mich jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung ... Seltsam, dass ich zwei so Gegensätzliche Eigenschaften hatte.
"Hmmm ...", seufzte ich und schielte einen Moment zu ihm hinüber.
"Also gut, ehm ... du sollst wissen, dass das Angebot immer steht - du kannst dich jeder Zeit bei mir melden; jetzte natürlich auch, wenn es um Camelia geht ... um Schule, Ärtze oder Sonstiges. Ich werde so gut es geht versuchen, zu helfen, Gideon."
Nun fand ich endlich den Mut, mich wieder ihm zuzuwenden ... mein Herz klopfte mit den hastigen Schritten der Leute um uns herum um die Wette.
"Besser gesagt .... ich möchte gerne helfen, egal, was es ist." Ich schnaubte, als mir klar wurde, wie verrückt das alles klingen musste; sogar ich selbst hielt mich gerade für leicht wahnsinnig.
"Frag mich nicht, warum es so ist, ich weiß, dass ich ein bisschen verrückt wirken muss und ich kann es selbst nicht erklären, aber ich habe schon im Sommer beschlossen, dass ich dich nicht vergessen kann und du mir nicht gleichgültig bist - oh, wie sich das anhört!"
Ich lachte los, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte. Und ich war mir inzwischen sehr sicher, dass ich definitiv nicht hätte weiter sprechen sollen ... aber jetzt war es sowieso schon zu spät. Mittlerweile würde er es bereits bereuen, sich neben mich gesetzt zu haben.
"Normalerweise fragt man nicht nach so etwas, aber ich hatte eben die grandios freakige Idee, genau das zu machen. Ich würde gerne einfach da sein ... wenn", ich holte Luft, "wenn das in Ordnung ist. Es ist natürlich auch in Ordnug, wenn es nicht in Ordnung ist, das ist  ... ehm", versuchte ich meine Aussage nicht fordnernd klingen zu lassen, aber irgendwie fühlte ich mich plötzlich sehr bescheuert und bemitleidenswert.
Eine einsame Frau in London, die nach dem Tod ihrer Eltern vor acht Jahren wohl doch noch nicht so weit war, wie sie sich manchmal einredete, und plötzlich erkannte, dass sie doch nicht auf Ewig auf sich gestellt sein konnte.
Diese Erkenntnis brachte der Wand der Sicherheit, die sie sich gebaut hatte, ein paar Risse ein.
"Tut mir Leid, der Tag heute hat mir wohl erheblich zugesetzt ...", murmelte ich dann mit leerem Blick auf die Themse, "Wir sehen uns dann wohl in der Schule ... Auf Wiedersehen, Gideon."
Ich konnte mich dazu überwinden, ihm ein entschuldigendes Lächeln zu zeigen, als ich mich eilig von der Bank erhob und mir die Handtasche um die Schulter hängte.

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Reply Edited on 02/03/2017 02:47 PM.

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Re: Themse

from Anne on 02/02/2017 12:51 AM

Meine Nähe schien ihn zum Glück nicht zu stören, sondern im Gegenteil sogar zu ermutigen. Er sammelte sich noch einmal kurz, bevor er zu erzählen begann. Noch mehr als bei seinen schiefen Lächeln, zerflossen seine harten Gesichtsausdrücke zu weichen Formen, als er lachte und sich damit die Spannung von ihm löste. Immer und immer wieder erstaunte mich diese Verwandlung von Neuem.
Ich wurde noch nicht ganz aus seinen Äußerungen schlau .. wie meinte er das, seit heute? Wie konnte er davon überrascht gewesen sein? Unentwegt setzte mein Gehirn neue Theorien frei, wie das alles gemeint sein könnte, klischeehafte BIlder wie in romantischen Komödien blitzen auf - eine Frau stellte den Mann nach Jahren plötzlich vor vollendete Tatsachen und er hatte keine andere Wahl, als Papa zu werden usw. ... Ich war sehr froh, dass niemand meine Gedanken lesen konnte. Vor allem nicht Gideon. Ich ärgerte mich schon selbst stark genug über meinen Kopf, der die Assoziationen einfach nicht aufhalten konnte. Dabei wollte ich doch einfach nur seine Geschichte hören, seine, und nicht etwas, dass ich mir zusammen reimte.
Er war so voller Zuneigung und Wehmut, während er davon erzählte, wie er und die kleine Camelia sich zusammen getan hatten.
Als er erwähnte, dass er das Mädchen durch seine Arbeit kennen gelernt hatte, musste ich schmunzeln; zuerst als Barkeeper und dann als Hasumeister ... Ob ihm diese Parallele auch schon aufgefallen war? Vermutlich schon ...
Vielleicht ... wird es dann zwischen uns auch so schnell gehen ..., erlaubte sich in einem unaufmerksamen Moment dieser fast lächerliche Gedanke zu lösen.
Das und noch zwei weitere Sachen ließen meine Coolness, die ich mir zuvor mühsam erarbeitet hatte, etwas brüchig werden.
Er hatte das Mädchen eben erst adoptiert - und somit eine Tochter. Und er schmiss alles, wonach er sich Jahre lang gerichtet hatte, um, nur, damit sie ein Zuhause hatte, bei ihm, den sie mochte. Natürlich machte es keinen Unterschied, ob sie sein leibliches Kind war oder nicht, aber trotzdem hatte ich hohen Respekt für seinen Entschluss. Es war sicherlich kein einfaches Unterfangen gewesen, bis er so weit gekommen war und es würde auch im nächsten Schritt nicht leichter werden. Kinder waren schon anspruchsvoll genug, die Tatsache, dass er sie aber erst mit 11 kennen lernen würde, erschwerte einiges sicher noch.
Und als Waise mochte ich gar nicht daran denken, was Camelia vielleicht schon alles erlebt hatte ...
Seine letzte Aussage machte klar, dass er sich der Unmenge an Problemen, die möglich waren, sehr wohl bewusst war und vielleicht auch noch gar nicht in dem Ausmaß darüber nachdenken hatte können.
Ich erwiderte sein Lachen mit einem Schmunzeln und setzte ich dann wieder etwas gerade hin.
"Ja, ein bisschen wahnsinnig ist das schon ... vielleicht sogar verrückt. Aber wer sagt denn, dass es deshalb nichts Gutes ist? Ich finde das sehr mutig und bewundernswert - von euch beiden."
Ich hatte mir nie darüber Gedanken gemacht, wie es finden würde, wenn sich ereignete, was sich eben ereignet hatte. Was bestimmt damit zu tun hatte, dass ich nie wirklich nach Bekanntschaften Ausschau gehalten hatte.
Jedoch war ich im Moment selbst von meinen Gedanken überrascht; ich nahm es an, wie im Sommer die Tatsache, dass er ständig unterwegs war, wie die Tatsache, das er Gideon hieß.
"Und ich glaube, dass ihr das gut hinbekommen werdet. Eine 11-Jährge sucht sich nicht irgendwen aus. Und wenn sie denken muss, das du richtig für sie bist, dann hat das sicher einen Grund."

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Re: Themse

from Anne on 02/01/2017 08:39 PM

Täuschte ich mich oder lag in seinem Blick wirklich eine bisher für mich unbekannte Wärme? Je länger ich geredet hatte, desto gelöster empfand ich die Stimmung zwischen uns. Die meiste Zeit zeichneten seine Reaktionen zwar Fragezeichen in meinen Kopf, aber dass er mir plötzlich sehr fokussiert zuhörte und auch meinen Augen nicht auswich, ließ es in meiner Brust kribbeln.
Erstaunlicherweise antwortete er geradewegs auf meine Frage, weshab er wieder in London war.
Ich konnte nicht verhindern, dass die Worte "Ein fester Wohnsitz, ein fester Job" meinen aufmerksamen, freundlichen Gesichtsausdruck in die Grinsekatze aus Alice im Wunderland verzauberten; doch dass ich meine Hände fest aneiander drückte, wirkte zumindest einer weiteren unangebrachten Reaktion meinerseits entgegen. Das Strahlen in meinen Augen jedoch würde selbst am Abend noch nicht verschwunden sein, wenn ich vor dem Zubettgehen noch die Zähne putzen würde.
Mir entwich also nur ein freudiges "Ohh!", das man auch als überrascht deuten könnte.
Einen Augenblick glaubte ich, das wäre schon seine ganze Antwort gewesen, aber dann veränderte sich sein Ausdruck schon wieder; die Wärme blieb zwar, aber es mischte sich Bedenken darunter.
Ich hatte eindeutig nicht mit dem gerechnet, was er anschließend sagte.
Einerseits war ich total perplex, dass es um ein kleines Mädchen ging, andererseits war es unglaublich lieb und verantwortungsvoll, sein Leben für ein Kind regeln zu wollen. In seiner Stimme schwang mit, wie wichtig und groß die Sache für ihn war, die er da vor hatte. Mit dem Lächeln und dem sich durch das Haar streichen zeigte Gideon das erste Mal offen, dass ihn allein schon der Gedanke daran verunsicherte; das sollte etwas heißen.
Und er hatte mir tatsächlich etwas sehr Privates erzählt ... jetzt wollte ich mehr wissen. Ich wollte einfach alles erfahren, was er mir sagen wollte; wie ich das fand, war im Moment gerade nebensächlich. Aber sich einem Kind anzunehmen, erschien mir alles andere als schlecht. Natürlich war mir auch in den Sinn gekommen, dass es sich um seine Tochter handeln könnte - um genau zu sein, war das ja der naheliegenste Grund.
"Eine richtig große Sache also ... Was man nicht alles für seine Kinder macht ..." Ich lächelte ihn wieder an. Diesmal bewusst. Es war deshalb genau so ehrlich wie die Male zuvor, aber ich wollte ihm zeigen, dass ich nichts verurteilte oder ihn nun plötzlich nicht mehr "interessant" fand, jetzt, da er ein Kind erwähnt hatte.
Ich hatte kein Problem mit Kindern - wenn, hätte ich definitiv den falschen Beruf gewählt.
"Wie hat sich das alles denn ergeben?"
Stets an meiner Wortwahl zweifelnd, ließ ich dass du nun dein Leben so umkrempelt hast einfach weg.
Neugierig stütze ich meine Ellenbogen auf die Oberschenkel und legte mein Kinn auf den Händen ab; kurz erschreckte ich mich selbst darüber, dass diese Position die Distanz ziwschen uns so verringerte, aber ich beließ es dann dabei. 

both sides

Cause if you get lost in the shadows There's a fire inside you Come on, carry your flame
And you know that I'll find you Be the light that guides you


step out of the shadows and into my life
silence the voices that haunt you inside
~ Take on the world by You me at six

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Anne

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Re: Themse

from Anne on 01/31/2017 10:51 PM

Irgendwie herrschte eine mit Spannung aufgeladene Atmosphäre zwischen uns; sie kam mir nicht negativ vor, es war einfach aufregend und neu. Für uns beide, wie mir schien. Er verhielt sich äußerlich ganz ruhig und blieb weiterhin wortkarg, aber ich bekam das Gefühl nicht los, dass das nicht nur damit zu tun hatte, dass er einfach so war, sondern im Moment vor allem mit mir. Mit mir so plötzlich wieder da und mit mir neben ihm auf der Bank. Ich bildete mir ein, es an seiner Stimme zu erkennen.
Als er einen Keks dankend ablehnte, klang es wie ein automatisches "Guten Tag" wenn man seinen Kollegen über den Weg lief.
Ich packte meinen angeknabberten Keks mit den anderen in meine Handtasche - aus dem selben Grund, weshalb ich ihm einen angeboten hatte: ich wollte nicht unhöflich sein oder die Situation noch ungewohnter machen - soweit das mit Keksen überhaupt möglich war. Außerdem wollte ich mit Gideon reden - mit vollem Mund ging das nicht.
Er schwieg gerade und betrachtete versonnen das Wasser vor uns. Dann wandte er sich wieder zu mir und lächelte zögerlich, fast entschuldigend, als sich unsere Blicke trafen.
Nein, ich würde wohl nicht so schnell mit ihm sprechen können - aber ich würde mit ihm Zeit verbringen.
"Mir reicht meist der Blick in den Garten, wenn ich nachdenken muss ... er ist zwar klein - wie sollte es in London auch anders sein -" Ich lachte. Im Gegensatz zu Deutschland war hier wirklich alles recht eng und klein gebaut; anfangs hatte ich es teilweise sogar als umständlich empfunden - aber man gewöhnte sich an so etwas recht schnell.
"Aber es rennen ständig Eichhörnchen zwischen und auf den Bäumen herum, ich könnte ihnen Stunden lang zusehen. In einen Park oder hier her fahre ich nur, wenn ich es zu Hause alleine nicht mehr aushalte ... Hier unter den ganzen Menschen kann man sich irgendwie besser fallen lassen. Einfach ... einfach nur zuschauen."
Natürlich konnte ich mir nicht sicher sein, dass er es auch wirklich irgendwie mochte oder interessant fand, mit mir auf einer Bank zu sitzen und mir größtenteils zuzuhören - andererseits hätte er sich dann wahrscheinlich nicht gesetzt.
"Heute ist einer dieser Tage, wo mich meine Küche und das Wohnzimmer nur noch verrückter machen würden. Ich muss zugeben, dass ich mir auch wegen Montag den Kopf zerbrochen habe ..."
Ich schaffte es nur bedingt, zu widerstehen, ihn anzusehen, während ich so erzählte, aber bei diesem Satz senkte ich den Kopf etwas. Ja, ich war immer noch kein Mensch, der sich wirklich um jemanden von sich aus bemühte, einfach so, um etwas auszuprobieren, aber ich seit dem Tod meiner Eltern war ich mutiger geworden, wenn ich wusste, dass mir irgendetwas bezüglich einer anderen Person schon passiert war. Das Risiko war natürlich groß, dass ich damit eher abschreckte als alles andere, aber es war mir die Ehrlichkeit wert. "Cool" war ich in solchen Momenten dennoch niemals.
"... heute hat mich noch dazu eine junge Dame zu dem Brand ein paar Häuser weiter vor ein paar Tagen befragt ... aber die Zeitung, für die sie arbeitet, scheint es nicht zu geben ... ach, was für ein Durcheinander dieser Tag war ..."
Ich seufzte absichtlich etwas laut und theatralisch und lächelte Gideon dann an.
Während ich gesprochen hatte, hatte ich mich unbewusst mehr in seine Richtung gedreht, so dass ich fast schräg auf der Bank saß.
Ich konnte mich nicht daran erinnern, so ... angetan von jemanden gewesen zu sein; in so kurzer Zeit. Bei seinem Anblick konnte ich gar nicht anders, als zu lächeln und immer wieder von neuem seine Gesichtszüge und seinen Ausdruck zu betrachten; gewiss lag es an seinem guten Aussehen, aber sicherlich nicht nur daran ... viel mehr war es, was seine Persönlichkeit daraus machte.
Wunderschön und glatt waren die Meisten; aber wunderschön und eigen, mit Makeln, mit Persönlichkeit waren die Wenigsten.
Innerlich schlug ich mir die Hand vor den Mund ... 'wunderschön' hast du gedacht, Anne. Ohje ... Und ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen.
"Darf ich fragen, was dich wieder nach London gebracht hat? Eine alte neue Station auf deiner Suche?"
Ich hoffte, meine Nachfrage war ihm nicht zu persönlich; unsicher knetete ich meine Hände.

both sides

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